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Doch noch Hoffnung für Charlton?

Von am 27. Juni 2007 – 0.42 Uhr

Noch immer hat Charlton Athletic keine offizielle Stellungnahme zum Rückzug seiner Frauenfußball-Mannschaft abgegeben. Und das nicht ohne Grund. Zwar bestätigte der Verein am Dienstag die Rückzugspläne, enthüllte aber auch eine überraschende Neuigkeit: Mithilfe eines Sponsors soll das Überleben der ersten Frauenfußball-Mannschaft doch noch gesichert werden.

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„Wir haben begonnen, Gespräche mit einem potentiellen Sponsor zu führen und das ist der Grund dafür, dass es bis jetzt noch keine offizielle Verlautbarung gegeben hat“, so Geschäftsführer Peter Varney.

Die Kritik an der Vereinsführung, vor allem an der mangelnden Kommunikation, war in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit angeschwollen, doch Varney verteidigt sich: „Wir müssen einen ganzen bestimmten Prozess einhalten, darüber haben wir unsere Mitarbeiter informiert. Wenn dann aber jemand sich dafür entscheidet, an die Medien zu gehen, obwohl wir explizit darum gebeten haben, dies nicht zu tun, dann können wir wenig machen.“

Probleme seit Monaten bekannt

Bereits seit Monaten wurde versucht eine Möglichkeit zu finden, trotz der Kostensparmaßnahmen die Frauenabteilung zu erhalten. „Wenn wir eine erfolgreiche Lösung gefunden hätten, hätte die Abteilung weiter machen können“, so Varney. Die Sparmaßnahmen betreffen nicht nur die Frauenfußball-Abteilung, sondern alle Bereiche des Vereins.

Das Budget des Frauenfußballteams von Charlton Athletic betrug in der vergangenen Saison rund 450.000 Euro. „Nach genauerer Abwägung haben wir entschieden, dass wir nicht länger auf diesem Level operieren können“, so Varney.

Der Teufelskreis ist offensichtlich. Vom englischen Fußballverband (FA) gibt es weder Sponsor- noch Fernseheinnahmen, auch in der näheren Zukunft wird sich daran nichts ändern. Außer dem FA-Cup-Finale hält sich der Umfang der Fernsehübertragungen in Grenzen, nicht gerade das, was sich ein Sponsor für sein finanzielles Engagement als Gegenleistung erhofft. Ein Problem, dass nicht nur Charlton betrifft.

„Auch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sind minimal, denn nur wenige Fans kommen zu den Spielen.“ Um den Spielbetrieb der Mannschaft aufrecht zu erhalten, wären zumindest rund 150.000 Euro notwendig.

Warnung an den englischen Verband

Robert Whitehand, Vorsitzender der Frauenfußball-Abteilung, erklärt: „Es ist traurig, dass wir wohl die Frauenfußball-Abteilung verlieren werden und ich möchte allen danken, die in den vergangenen Jahren so hart am Aufbau gearbeitet haben, sowohl den Spielerinnen wie auch Generaldirektorin Deb Browne und Teammanager Keith Boanas.“

Gleichzeitig sprach Whitehand eine Warnung aus: „Ich möchte den FA dringend bitten, die Höhe der Unterstützung für den Frauenfußballs im Land noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Andernfalls sehe ich voraus, dass weitere Vereine dieselben drastischen Maßnahmen werden ergreifen müssen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.