Die Double-Königinnen aus Niederösterreich

Von am 26. Juni 2007 – 0.10 Uhr

neulengbach_pokal.jpg„Same procedure as every year“ – Freddy Frinton hätte an der österreichischen Frauenfußball-Bundesliga wohl seine helle Freude.

Seit 2003 haben die Fußballerinnen vom SV Neulengbach alles gewonnen, was es im nationalen Frauenfußball zu holen gibt und auch die Saison 2006/2007 machte da keine Ausnahme.

Doch diesmal stand zumindest der Pokalsieg lange auf des Messers Schneide.

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Denn Bayern Münchens Neuzugang Viktoria Schnaderbeck brachte LUV Graz im Pokalfinale vor 600 Zuschauern im Wiener Horr-Stadion sensationell mit 1:0 in Führung – mit einem fulminanten 20-Meter-Schuss in den Winkel (22.). In der Woche zuvor hatte Meister Neulengbach am letzten Liga-Spieltag mit dem Vizemeister beim 9:1 noch kurzen Prozess gemacht.

Die Steirerinnen machten diesmal aber die Räume eng, Neulengbach wackelte. Doch kurz vor der Pause setzte die Brasilianerin Rosana einen Freistoß an die Latte, Nina Burger staubte per Kopfball zum wichtigen 1:1-Ausgleich ab (42.).

Celouch sorgt für Wende

Auch in der zweiten Halbzeit gestaltete Graz das Spiel lange offen, in der 69. Minute wäre man sogar fast erneut in Führung gegangen, als Neulengbachs Spielführerin Natascha Celouch gerade noch den Ball von der Linie kratzen konnte. Doch im Gegenzug erzielte Celouch nach Pass von Rosana die 2:1-Führung (70.), in der Schlussminute war es Rosana selbst, die nach Pass von Burger den 3:1-Endstand herstellte (89.).

„Wir haben nicht so gut gespielt wie in den letzten Wochen und Monaten“, gestand Neulengbach-Manager Bruno Mangl. „Aber der Cup hat bekanntlich eigene Gesetze.“

Nach der Pflicht steht für das Team aus dem Wienerwald nun die Kür an. Mitte August ist man in der ersten Runde des UEFA-Pokals Gastgeber eines Viererturniers, dessen Gewinner in die Runde der letzten 16 einzieht. In Neulengbach hofft man, diese Hürde wie schon vor zwei Jahren nehmen zu können. Doch auch diesmal wird dies sicherlich kein leichtes Unterfangen für das Team, das national nahezu konkurrenzlos ist, international bisher aber meist schnell an Grenzen stieß.

Stärkere Förderung geplant

Der Frauenfußball führt in Österreich immer noch ein Schattendasein. „Der Frauenanteil im Österreichischen Fußball ist mit 1,8 Prozent viel zu gering, international liegt der Schnitt im zweistelligen Bereich“, sagt Sportstaatssekretär Dr. Reinhold Lopatka. Von den rund 600.000 aktiven Fußballer/innen in den über 2.200 Vereinen in Österreich sind nur 1,8 Prozent Frauen und 2,2 Prozent Mädchen.

Um Abhilfe zu schaffen, will sich Lopatka innerhalb der Verbände für den Frauenfußball stark machen. „Natürlich ist eine gleich Teilhabe von Mädchen und Frauen am Sport im Fußball unrealistisch, aber sie ist erklärtes Ziel unserer Sportförderung.“ So sollen die Vereine künftig im Vorfeld der Förderung „bekannt geben, was zusätzlich für den Frauensport getan wird.“

Von den 15 Millionen Euro, die dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) an besonderen Bundes-Sportförderungsmitteln zur Verfügung stehen, entfallen derzeit rund 600.000 Euro auf den Frauenfußball. Das innovative ÖFB-Pilotprojekt „Mädchenfußball“ wird zusätzlich mit 30.000 Euro gefördert. „Insgesamt gibt es jedoch noch viel zu tun“, räumt Lopatka ein.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.