Saskia Bartusiak, die Spätberufene

Von am 25. Juni 2007 – 1.54 Uhr 2 Kommentare

bartusiak_zweikampf.jpgWenn sich die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft von heute bis Samstag in der Sporthochschule Köln im Rahmen der WM-Vorbereitung zu einem Leistungstest trifft, wird eine dabei sein, die innerhalb der vergangenen 12 Monate einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht hat: Saskia Bartusiak.

Im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande im April feierte die 24-Jährige ihr Kurzdebüt – in einem Alter, in dem andere Spielerinnen bereits weit mehr als 50 Länderspiele bestritten haben. Doch Spätentwickler sind weder im Frauen- noch im Männerfußball etwas Ungewöhnliches, gibt es doch prominente Beispiele.

Britta Carlson feierte 2004 gar erst als 26-Jährige im Spiel gegen China ihr Debüt in der DFB-Elf. Auch in den skandinavischen Ländern haben späte Berufungen in die A-Nationalmannschaft keinen Seltenheitswert.

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Dänemark mit vier Nachzüglern

So gibt es im aktuellen Kader Dänemarks gleich vier Spielerinnen, die spät zu Nationalmannschaftsehren kamen. Mette Jørgensen und Mia Bak Pedersen debütierten ebenfalls im Alter von 26 Jahren, Stürmerin Maiken With Pape, einst eine Weltklassetennisspielerin, sowie Mette Bjerg waren bei ihrem ersten Einsatz sogar 28. Und auch die Schwedin Sarah Thunebro bestritt 2004 ihr 1. Länderspiel erst kurz vor dem 25. Geburtstag.

Bartusiak ist also in guter Gesellschaft. „Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht“, sagt sie, „ich bin einfach eine Spätentwicklerin – jedenfalls im Fußball“, sagte sie vergangenes Jahr der Frankfurter Rundschau. Dabei war sie bereits als 15-Jährige in der Saison 1997/1998 Meisterin mit dem FSV Frankfurt, 2001 wurde sie erstmals in die U-18-Nationalmannschaft berufen, mit der sie Europameister wurde.

„Ich war damals einfach noch nicht so weit“, versucht sie zu erklären, warum ihre Karriere nicht reibungslos verlief. „Mir fehlte das Selbstbewusstsein, auch außerhalb des Platzes.“ Dabei zeichnete sich ihr Fußballtalent bereits in frühester Kindheit ab. „Die Jungs haben immer bei uns geklingelt und gefragt, ob die Sassi zum Kicken rauskommt“, erinnert sich Vater Bernd Bartusiak.

Nordic Cup 2006 als Wendepunkt

bartusiak_warmup.jpgMit den Jahren erarbeitete sich Bartusiak ein größeres Selbstvertrauen, auf und neben dem Platz. Beim 1. FFC Frankfurt, zu dem sie 2005 nach neun Jahren beim FSV wechselte, setzte sie sich gegen harte Konkurrenz durch, 2006 spielte sie einen überragenden Nordic Cup. „Das war für mich so etwas wie ein Neuanfang“, so Bartusiak, die zuvor ein halbes Jahr mit einer Teilruptur des Syndesmosebandes und einem Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt war.

Es folgt die erste Berufung in den Kader der A-Nationalmannschaft, wo sie im April 2007 dann beim 5:1-Sieg gegen die Niederlande in Wattenscheid als Einwechselspielerin für Renate Lingor ihr achtminütiges Debüt feierte.

„Ich war schon etwas aufgeregt“, so Bartusiak, die in Wales bei ihrem zweiten Einsatz dann bereits eine halbe Stunde lang spielen durfte. „Ich habe mich über die Berufung riesig gefreut.“ Und dank ihrer Vielseitigkeit, die sie in ihrer Karriere schon auf vielen Positionen zum Einsatz kommen ließ, dürfte sie gute Chancen haben, einen Platz im WM-Kader zu ergattern. Man sollte nicht überrascht sein, wenn sie mittelfristig zu den Nächsten gehören wird, die sich im DFB-Trikot einen Stammplatz sichern.

Dass man auch als Spätzünder eine erfolgreiche Nationalmannschaftskarriere hinlegen kann, zeigt auch ein Blick auf die männlichen Fußballkollegen. Dieter Eilts debütierte mit 29 in der deutschen Nationalmannschaft und wurde 1996 Europameister, Italiens Torhüterlegende Dino Zoff bestritt sein erstes Länderspiel mit 26 und wurde 1982 im Alter von 40 Jahren Weltmeister. Für „Sassi“ bleibt also noch reichlich Zeit ;-).

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Jin Park sagt:

    Für mich ist Sassi ein Streichergebnis und wird nicht mit zur WM fahren dürfen.

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  • Detlef sagt:

    Saskia ist ja nicht die einzige, der es so geht!!! Da sind eine Melanie Hoffmann, PEGGY KUZNIK oder Tanja Vreden, die sicher nicht schlechter sind, als die etablierten Kräfte!!!
    Aber Frau Neid setzt da lieber auf große Namen, auch wenn es diesmal wohl eine BRUCHLANDUNG gibt!!!

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