Schwerer Imageschaden für den englischen Frauenfußball

Von am 23. Juni 2007 – 23.01 Uhr 4 Kommentare

Die englische Nationalmannschaft hat sich erstmals seit 1995 für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, Arsenal erst vor kurzem den UEFA-Pokal gewonnen. Der Frauenfußball in England ist auf dem Vormarsch, sollte man meinen.

Doch die Nachrichten, die jetzt von der Insel dringen, zeichnen ein anderes Bild. Denn ein weiterer Spitzenverein, FA-Cup-Finalist Charlton Athletic, wird nach einem Bericht der BBC all seine Frauenfußball-Teams aus dem Verkehr ziehen. Der Imageschaden ist gewaltig.

Die Entscheidung ist Teil drastischer Kostensparmaßnahmen, die im Zuge des Abstiegs der Männermannschaft aus der Premier League eingeleitet werden. Charltons Teammanager Keith Boanas bestätigt: „Alle im Umfeld des Frauenteams Beschäftigten haben die Kündigung erhalten.“ In der kommenden Woche soll eine offizielle Erklärung des Vereins folgen. „Ich bin am Boden zerstört, wenn ich an die Spielerinnen und jungen Mädchen denken, deren Träume geplatzt sind.“

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Charlton-Spielführerin Casey Stoney meint: „Mich widert der Verein ein – die Männer steigen ab und wir werden dafür bestraft.” Und fügt hinzu: „Die einzigen Trophäen für den Verein hat in den vergangenen Jahren das Frauenteam gewonnen. Vor sieben Wochen haben wir vor einer Rekordkulisse das FA-Cup-Finale bestritten.“

Premier League mit nur noch elf Teams

Die englische Premier League wird vermutlich von 12 auf elf Teams reduziert. Peter Hough, Vorsitzender der Women’s Premier League, sagt: „Es ist ein äußerst trauriger Tag für den Frauenfußball.“ Ray Kiddell, Vorsitzender des Frauenfußball-Ausschusses im englischen Fußballverband (FA), erklärt: „Was passiert ist, ist extrem enttäuschend und es wirft den Frauenfußball einige Schritte zurück, aber hoffentlich ist diese Lage nicht unwiderruflich.“

Charlton ist nach Manchester United, Birmingham, Fulham (inzwischen wieder im Spielbetrieb) und Bristol City bereits der fünfte Verein, der sich aus dem Frauenfußball zurückzieht. Der englische Fußballverband wird sich für die Zukunft in Sachen Regelwerk etwas einfallen lassen müssen, will man weitere Rückzieher vermeiden und die Liga nicht zur Farce verkommen lassen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Oje,Oje, ein Hauch von FSV Frankfurt ist hier zu spüren!!!
    Die Gefahr besteht aber auch in Zukunft in Deutschland!!! Viele jubeln, dass sich die großen Klubs (Werder Bremen, Schalke 04) im FF engagieren wollen!!! Aber was passieren kann, wenn die Frauen nur als „Geldverschwendung“ angesehen werden, zeigt nun auch Charlton!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Arsenal-Trainer Vic Akers hat eine Art Runden Tisch angeregt, auf dem sich die Vereine der Women’s Premier League über das Thema austauschen sollen. Er sagt auch: „Das, was in Charlton passiert ist, kann auch bei uns passieren.“

    http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/sport/football.html?in_article_id=464005&in_page_id=1779

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  • schmidt sagt:

    DO IT AND THINK ALWAYS POSITIV! Das Geheimnis des Charlton Athletic soll heißen, sich nicht zu grämen.
    Macht Euch unabhängig, gestaltet und organisiert Euch selbst im Frauenfußball ob national oder international. Wenn der FA-Cup-Finalist Charlton Athleticer ein Team ist, gibt es immer einen neuen gangbaren Weg.
    Übernehmt Selbstverantwortung und steht zusammen für Euren eigenen Belange. Das sportliche und unternehmerische Risiko ist es wert und immer kalkulierbar, wenn ein Plan und die richtigen Leute zu Werke gehen.

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  • Satine sagt:

    http://blogs.guardian.co.uk/sport/2007/06/23/costcutting_charlton_scrap_wom.html

    Hier die Diskussion des Guardian. Vorsicht ist allerdings geboten, weil manche Kommentare einfach nur saudämlich sind.

    Mir tun die Spielerinnen und das Personal bei Charlton wirklich leid. Die haben wahrscheinlich mehr Arbeit in den Fußball gesteckt als all die überbezahlten Spieler im Profibetrieb zusammen. Aber da zeigt sich mal wieder, dass es auf der Welt nicht fair zugeht. Nicht, wenn manche Leute denken, dass man Fußball wie eine Kuh melken kann.

    Ich freue mich allerdings zu lesen, dass viele Fans Charlton kontaktiert haben und ihre Enttäuschung über diesen drastischen Schritt kundtun.

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