Wer stoppt Marta und Umeå?

Von am 20. Juni 2007 – 15.54 Uhr 16 Kommentare

marta_close.jpgSchlag auf Schlag wurden in gerade einmal zwei Monaten die ersten elf Spieltage der schwedischen Frauenfußball-Meisterschaft Damallsvenskan ausgetragen. Spitzenreiter Umeå hat mit einer Heimniederlage zum Schluss der Hinrunde der Liga wieder Spannung eingehaucht.

Womensoccer.de zieht eine Halbzeitbilanz, beleuchtet Gewinner und Verlierer und wirft einen Ausblick auf die Rückrunde.

Die Hoffnung vor Saisonbeginn war groß, dass die Liga in diesem Jahr etwas mehr Nervenkitzel bieten würde als im Vorjahr, wo Umeå einsam seine Bahn zog und souverän den Meistertitel holte. Viele vermuteten, Umeå sei aufgrund einiger Abgänge schwächer einzustufen als in der Vorsaison. Doch das topbesetzte Team aus dem hohen Norden legte eine fast makellose Hinrunde hin, die ersten zehn Spiele wurden sämtlich gewonnen. Der Liga und den Zuschauern drohte Langeweile pur, denn die Konkurrenz hatte nur wenig entgegen zu setzen. Bis Djurgården zu Besuch kam.

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Umeås Durchmarsch gestoppt

Denn am letzten Spieltag verlor Umeå überraschend auf eigenem Platz 1:2 gegen die Hauptstädterinnen, die erste Niederlage für Marta & Co nach 55 ungeschlagenen Ligaspielen. Und der Rest der Liga atmete auf. Vier anstatt zehn Punkte Vorsprung hat das Team von Trainer Andrée Jeglertz nur noch, es bleibt spannend. Doch Jeglertz macht sich keine Sorgen: „Ich glaube immer noch, dass wir die beste Mannschaft haben. Wir können das Spiel machen und knappe Spiele für uns entscheiden. Diese Qualität haben die anderen Mannschaften nicht.“

Schärfster Verfolger ist auf Platz 2 dank des überraschenden Auswärtssieges Djurgården. Das Team von Ariane Hingst legte in der Hinrunde mit fünf Siegen eine perfekte Heimbilanz hin, doch auswärts fehlte die Konstanz. In Kopparsberg/Göteborg verlor man 2:3, in Sunnanå und Bälinge ließ man bei Unentschieden ebenfalls wertvolle Punkte liegen.

LdB Malmö und Kopparsberg/Göteborg folgen auf den Plätzen drei und vier mit sieben bzw. acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Umeå. Die ersten vier Teams haben sich deutlich vom Rest der Liga abgesetzt. Doch der Schein trügt ein wenig, viele Spiele waren enger, als es ein Blick auf die Tabelle vermuten lassen würde.

Überraschungen

Aufsteiger Falköpings KIK sorgte in der Hinrunde gleich zweimal für Furore. Bereits am zweiten Spieltag feierte der kleine ehrgeizige Verein gegen das hoch favorisierte Team von Linköpings FC den ersten Sieg (2:1), gegen Tabellenführer Umeå sorgten am achten Spieltag 5.037 Zuschauer für eine Rekordkulisse. In der Tabelle steht man auf dem ordentlichen 10. Platz, hauchdünn vor den Abstiegsrängen.

Vor allem drei Spielerinnen konnten in der Hinrunde positive Akzente setzen. In Umeå hatte die erst 16-jährige Schweizerin Ramona Bachmann nur wenig Akklimatisationsprobleme, in Malmö begeisterte die niederländische Stürmerin Manon Melis mit ihren Treffern das Publikum und Örebros Emelia Erixon reihte sich mit ihren neun Treffern in der Torschützenliste sogar noch vor Stürmerinnen wie Hanna Ljungberg oder Asthildur Helgadottir ein.

Im Schnitt 995 Zuschauer verfolgten die 66 Spiele der Hinrunde, im Gegensatz zu 814 in der Vorsaison, was einer Steigerung von rund 22 Prozent entspricht. Von den Rekordzahlen der Jahre 2004 und 2005 ist man aber noch ein Stück entfernt. Vor allem in den Großstädten wie Stockholm und Göteborg tut sich der Frauenfußball schwer, die Zuschauer in großer Zahl in die Stadien zu locken.

Enttäuschungen

Um die fragwürdige Ehre der größten Enttäuschung streiten sich gleich zwei Teams. Linköpings FC, vor der Saison zum erweiterten Favoritenkreis gezählt, erwischte mit vier Niederlagen einen klassischen Fehlstart. Erst am fünften Spieltag gelang der erste Sieg. Nach Abschluss der Hinrunde steht man auf dem enttäuschenden 7. Tabellenrang. Nicht besser lief es beim Hauptstadtklub AIK. Gerade einmal drei Tore in elf Spielen erzielte das Team – Minusrekord. Damit liegt man zur Halbzeit punktgleich mit QBIK am Tabellenende.

Von der Chinesin Ma Xiaoxu hätten sich die Verantwortlichen und Zuschauer in Umeå mehr erwartet. Ma kämpft sichtlich mit Anpassungsproblemen an die neue Umgebung und die schwedische Sprache. Doch in der Rückrunde wird sich mit Sicherheit bereits eine Steigerung feststellen lassen, denn vom Potenzial der Chinesin sind alle überzeugt.

Ausblick

Trotz des Patzers zum Schluss der Hinrunde dürfte auch in dieser Saison der Meistertitel nur über Umeå führen. Zu groß ist das Potenzial in der Mannschaft, Marta kommt immer besser in Schwung und erzielte in den vergangenen vier Spielen acht Treffer. Kopparsberg/Göteborg hofft auf eine schnelle Genesung der an einer Knieverletzung laborierenden Mittelfeldspielerin Ingvild Stensland, Linköpings freut sich auf die Rückkehr von Torhüterin Hedvig Lindahl, die in der Hinrunde durch einen Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt war.

Für Falköpings mit seiner nigerianischen Stürmerin Cynthia Uwak dürfte es in der Rückrunde ungleich schwerer werden, AIK wird alles daran setzen, sein Potenzial besser abzurufen, um die Abstiegsränge zu verlassen und am Aufsteiger vorbei zu ziehen.

In Sunnanå verstärkt man sich zur Rückrunde ebenfalls mit einer Nigerianerin. Perpetua Nkwocha, Afrikas Spielerin der Jahre 2004 und 2005, spielt zukünftig anstatt in der chinesischen in der schwedischen Liga. „Sie hat das Leistungsniveau einer Hanna Marklund oder Tiffany Milbrett“, schwärmt Vereinschef Sören Gustafsson.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

16 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Da wünsche ich ARI und den anderen Mädels von DIF, dass sie den Rückstand auf Umea noch aufholen können!!!

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  • FussballCHIP sagt:

    Wie beim Frauengolfen, bald kann sie dann bei den Männern mitmachen (und nicht weiter auffallen..)

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  • Markus Juchem sagt:

    FussballCHIP, wir freuen uns natürlich, wenn Du Dich rege an der Diskussion beteiligst. Ich möchte Dich dennoch bitten, Dich vorab ein wenig mit dem Blog vertraut zu machen. Ein Blick in unsere Leitlinien http://www.womensoccer.de/blog-regeln/ könnte dabei hilfreich sein, falls Du verstehst, was ich meine.

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  • FussballCHIP sagt:

    Das war KEIN persöhnlicher Angriff, sondern nur eine Feststellung, weil ich auch Auswirkungen von „DDR Doping“ kenne.. Deswegen kam es mir in den Sinn, ist aber keine Unterstellung, dass es bei Ihr auch so sei…

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  • Detlef sagt:

    FußballCHIP,
    Du kannst doch GOLFEN nicht mit Fußball vergleichen!!!
    Das wäre ja so, als vergleiche man SCHACH mit KUGELSTOSSEN!!!
    Deine Anspielung auf „DDR-DOPING“ zeigt aber, dass Du MARTA doch in diese Ecke stellen möchtest!!!

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  • FussballCHIP sagt:

    Eine Beurteilung ist noch lange keine Verurteilung 🙂

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  • FussballCHIP sagt:

    @Detlef: Ausserdem bezweifle ich, dass Du überhaupt weisst, dass eine Profigolferin schon mehrmals (1 Schwedin!) bei den Männern mitspielte, weil sie bei den Frauen „zu gut“ schon ist ..

    Daran dachte ich zuerst und nicht daran jemand in die Tonne zu treten, obwohl ich meine Fragezeichen bei der Dame stehen lasse!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Wenn Du Annika Sörenstam meinst – sie hat ein einziges Mal ein Turnier auf der PGA-Tour der Männer gespielt und hat den Cut verpasst.

    Aber wieder zurück zu Marta: Auf welche Indizien stützt sich Deine „Beurteilung“?

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  • FussballCHIP sagt:

    Was heisst hier „wenn“ Das ist ein Milenstein. und das bleibt so stehen.

    Ich verdächtige die Dame nicht des Doping, sondern ich sage „fiktiv“ sie könnte so aussehen 🙂 Bsp. Ex DDR Sportler, wo Doping nachgewiesen wurde.. Das muss aber nix heissen und ist KEINE Unterstellung.

    Lasst die Haarspalterein, und postet lieber mal einen wichtigen Blog dazu, dass s04 eine Frauenfussballabtl. eröffnete Siehe mein kürzliches Kommentar oder:

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  • Markus Juchem sagt:

    Welche Haarspalterei?

    Besonders ernst scheint es Königsblau ja nicht zu meinen, sonst hätten sie ja eine eigene Frauenfußball-Abteilung gegründet. Da sehen die Bemühungen Werder Bremens schon etwas nachhaltiger aus.

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  • Detlef sagt:

    Marta ist eine Ausnahmespielerin!!!
    Es soll ja bereits viel Geld in der Damallsvenskan vorhanden sein, dass würde Deinen Zweifel erklären!!! Aber der schwedische Fussballverband ist sicher gut beraten, hier viele Kontrollen zu machen!!! Und wenn auch nur der leiseste Verdacht bestünde, würden doch DIF, Malmö und Göteborg sicher insistieren!!!
    Ich glaube, niemand würde in Deutschland eine Birgit Prinz des DOPINGS bezichtigen, denn auch ein Star muss ab und zu ins Röhrchen pullern!!!

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  • FussballCHIP sagt:

    @ Herr Juchem: Dennoch hätte ich einen Blog hier erwartet dazu, denn ist war in allen anderen Medien (Werde nicht..)

    @ Detlef: Sagt dir der Begriff „Tour de France was?! ?! 🙂 🙂 🙂

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  • Detlef sagt:

    @FussballCHIP,
    Die „Tour de France“ ist ein medialer und kommerzieller DINOSAURIER!!! Wie viel Geld steckt wohl in dieser Verantstaltung???
    Mit diesen MEGA-Erlösen, könnte man sicher alle FF-Ligen in ganz Europa finanzieren, und es würde wahrscheinlich noch etwas übrig bleiben!!! Hier interessiert sich niemand für den Zweiten oder Achten, HIER zählt nur der SIEGER!!!
    In vielen FF-Ligen Europas, dominieren 1-3 Klubs die Szenerie!!! Da kann es für manche Teams schon fast wie ein Traum sein, wenn man Platz 6 oder 7 belegt!!! Hier ist so wenig Geld im Spiel, dass sich Betrug nicht wirklich lohnt!!! Man riskiert zu viel, und der Erlös ist doch eher bescheiden!!! Ich glaube auch in Schweden ist es wenig lukrativ, so ein hohes Risiko einzugehen!!! UMEA ist ein SPITZENTEAM, und hat sehr viele TOP-Spielerinnen, da muss niemand betrügen!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @FussballCHIP: Möglicherweise werden wir das Thema irgendwann einmal aufgreifen. Nur weil ein paar Medien heute die sid-Meldung abdrucken (wegen S04, nicht wegen Frauenfußball), heißt das noch lange nicht, dass wir auf den Zug aufspringen. Müssen wir zum Glück auch nicht, wir sind ein Blog und keine Nachrichten-Website. Und wie schon gesagt: Erst mal sehen, ob es mehr als heiße Luft ist.

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  • FussballCHIP sagt:

    @ Detlef, wenn Du denkst man benutzt Doping wegen der Konkurrenz, dann hast Du die Thematik ganz und gar nicht verstanden. Es outen sich Leute auch nach der Karriere, siehe Radsport Riis

    @MJ: Wenn S04 kein Thema ist, dann weiss ich es auch nciht mehr 🙂

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  • Rainer sagt:

    Ich habe in der Hinrunde der Damallsvenskan 12 Spiele gesehen. Da es hier auch um Marta geht: Marta habe ich sicher 4-5 mal im Stadion spielen sehen und ein paar Mal via TV.
    Sie ist einfach die mit Abstand beste Fußballerin der Welt. Technisch überragend, schußstark, dazu läuferisch sehr schnell. Alle Spekulationen darüber, sie möge gedopt sein, sind unsachlich und kommen vermutlich noch von Leute, die Marta nie gesehen haben.

    Neben Linköping und AIK enttäuschte im Übrigen auch Hammarby, das eigentlich im soliden Mittelfeld stehen müsste, aber hier scheint mit dem neuen Trainer statt des charismatischen En Perlskog der Abwärtstrend eingeleitet worden zu sein. Der Weggang von Emma Lundh und Linda Forsberg zu Djurgården war nicht so dramatisch, mit Jessica Landström steht bei Hammarby eine athletische Stürmerin in der Startelf, von der man noch mehr hören wird. Ganz zu schweigen von DEM technischen Mittelfeldtalent Schwedens, Louise Fors, die im Sommer 18 wird und lediglich läuferisch noch zulegen muss, um eine Weltklassespielerin zu werden. Nicht umsonst nennen ihre Fans sie bisweilen „Lollodinho“.

    Es ist richtig, dass manche Spiele sehr eng sind und wir trotzdem die Tabellendreiteilung haben. QBIK verlor 1:3 bei Djurgården, weil es sich zwei unnötige Tore einfing nach einer imponierenden taktischen und spielerischen Leistung.

    Manon Melis hat mir sehr imponiert bei den beiden Spielen, die ich von ihr gesehen habe. Wenn sie in der Rückrunde gesund bleibt, hat Malmö eine Außenseiterchance auf den Titel.

    Umeå, Djurgården und Malmö haben die größten Möglichkeiten, auch bei Verletzungen neue Kräfte zu bringen, die absolut gleichwertig sind. Linköping wird nach verkorkster Hinrunde in der Rückrunde alles tun, um seinen Ruf aufzubessern. Gerade die Spiele von Linköping gegen die großen Drei können die Meisterschaft auch noch beeinflussen. Obwohl Jossan Öqvist ausfällt, hat man mit Maria Aronsson und Maureen Mmadu gute Spitzen.

    Mit anderen Worten: Ich freue mich auf die Rückrunde und hoffe, auch da wieder an die 12 Spiele besuchen zu können und am allerletzten Spieltag sollte Kristinebergs IP in Stockholm aus den Nähten platzen, wenn Djurgården Umeå empfängt…

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