Erst Abby Wambach erlöst USA

Von am 17. Juni 2007 – 4.38 Uhr

wambach_goal.jpgDie Sportfans in Cleveland hatten wahrlich keine einfache Woche hinter sich. Erst gingen die Cavaliers im NBA-Finale mit 0:4 gegen die San Antonio Spurs sang- und klanglos baden, dann verloren auch noch die Indians im Baseball tags zuvor gegen die Atlanta Braves.

Umso mehr dürstete es die 8.888 Zuschauer im Cleveland Browns Stadium nach einem Sieg der erstmals hier antretenden Frauenfußball-Nationalmannschaft. Doch viel Geduld war gefragt, bis schließlich Abby Wambach beim hart erkämpften Sieg gegen China das Publikum erlöste.Denn der Weltranglistenerste tat sich gegen die seit dem Algarve Cup stark verbesserten Chinesinnen mächtig schwer, bis am Ende ein 2:0 (0:0)-Sieg erarbeitet war. Vor der Partie gab es eine Schweigeminute für den am Tag zuvor verstorbenen Vater von Torhüterin Hope Solo, die vorzeitig die Heimreise angetreten hatte und von Briana Scurry ersetzt wurde.

Starker Beginn von China

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China begann die Begegnung ohne Respekt und mit viel Schwung, die USA schienen von der forschen Spielweise des Gegners ein wenig überrascht zu sein. Doch nach einer Viertelstunde bekam das Team von Trainer Greg Ryan das Spiel immer besser in den Griff. Das U.S.-Team ließ einige gute Torchancen aus, Lori Chalupny vergab die beste in der ersten Halbzeit, als sie nach rund einer halben Stunde aus sechs Metern an der glänzend aufgelegten chinesischen Torhüterin Zhang Yanru scheiterte.

Zwar hatten die Gastgeberinnen optische Vorteile und ein Übergewicht an Torchancen, doch Chinas Defensive stand angeführt von der starken Spielführerin Li Jie gut und agierte konzentriert. Im Spiel nach vorne gab es allerdings wenig Impulse, nur gelegentlich sorgte man für einen Hauch von Gefahr, Stürmerin Han Duan war jedoch zumeist gut abgeschirmt.

Auch die zweite Halbzeit sah zu Beginn in China das aktivere Team. Doch wieder fanden die USA nach einer Viertelstunde besser in die Partie. Das Team erhöhte angeführt von Spielführerin Kristine Lilly den Druck, musste sich aber bis zur 67. Minute gedulden, ehe zum ersten Mal gejubelt werden durfte.

Zweimal mit Köpfchen

usa_china.jpgAbby Wambach brach nach einem Freistoß von Lilly mit einem Kopfballtor den Bann, als sie ihren wuchtigen Körper an der Grenze zur Regelwidrigkeit einsetzte und den Ball kraftvoll einnickte. Zwei Minuten vor Spielende gelang Wambach, die zur Spielerin des Spiels gekürt wurde, ihr zweiter Treffer, wieder war sie mit einem platzierten Kopfball erfolgreich.

Vor dem 2:0 hätte China um ein Haar durch Bi Yan den Ausgleich erzielt, doch Briana Scurry hielt den Schuss aus sechs Metern glänzend (83.). Die USA feierten am Ende einen verdienten, aber schwer erkämpften Erfolg und blieben im 41. Spiel in Folge ungeschlagen.

U.S.-Verteidigung nicht ohne Makel

Erkenntnisse gab es an diesem Abend mehrere: Die USA bekamen im Spiel gegen China einen Vorgeschmack darauf, wie schwierig die Aufgabe im WM-Gruppenspiel gegen Nordkorea werden wird. Trotz des Zu-Null-Sieges wirkte die Defensive der USA wie schon beim 6:2-Sieg gegen Kanada nicht immer sattelfest, unbezwingbar scheint die Hintermannschaft keineswegs zu sein. Ein Team mit zwei schnellen Sturmspitzen und schnellen Spielerinnen auf den Außenbahnen dürfte die amerikanischen Verteidigerinnen vor einige Probleme stellen.

China auf einem guten Weg

China ist unter der neuen Trainerin Marika Domanski-Lyfors auf einem besseren Weg, als man das beim Algarve Cup im März noch für möglich gehalten hätte. Vor allem haben die Spielerinnen inzwischen wieder sichtlich Spaß, selten hat man sie in der Vergangenheit so lachen sehen, wie etwa vor Beginn der zweiten Halbzeit gegen die USA. In punkto Fitness ist man bereits jetzt auf einem hohen Level angekommen.

Bedenkt man, dass die Chinesinnen noch fast drei Monate Zeit für die Feinarbeit im Spiel nach vorne haben und im eigenen Land von den Fans lautstarke Unterstützung erhalten werden, sollte man den Gastgeber bei der Weltmeisterschaft auf keinen Fall unterschätzen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.