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Interessante Einblicke in die U.S.-Trainingsarbeit

Von am 14. Juni 2007 – 23.39 Uhr

lilly_algarve_win_180.jpgIn einem bemerkenswerten zweiteiligen Interview (Teil 1, Teil 2, beide Teile auf Englisch), auf das wir wieder einmal dank Karyn Lush von Ooosasoccer aufmerksam geworden sind, liefert U.S.-Trainer Greg Ryan ungewöhnlich detaillierte Einblicke in die Trainingsarbeit der Amerikanerinnen.

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So äußert er sich zu den Vorteilen der mehrmonatigen Trainingslager, spricht über das Thema Fitness und betont die Bedeutung der Teamchemie, die vor allem bei den Stürmerinnen Kristine Lilly (Bild), Lindsay Tarpley und Abby Wambach schon stimmen würde.

Zur Bedeutung der mehrmonatigen Trainingslager (Residency Camps)

Letztes Jahr haben wir eine ganze Menge an der Entwicklung des Teams gearbeitet. Die Spielerinnen wissen jetzt, wie sie taktisch zu spielen und was sie zu tun haben. Jetzt arbeiten wir nur noch an der Feinarbeit und konzentrieren uns mehr auf die einzelne Spielerin oder auf kleine Gruppen, je näher es zur Weltmeisterschaft geht. Unsere Stürmerinnen arbeiten z. B. mit einem speziellen Trainer ausschließlich daran, Torchancen zu erarbeiten und Tore zu erzielen. Ich arbeiten mit den Mittelfeldspielerinnen (…) und ein anderer Trainer arbeiten mit den Verteidigerinnen. (…)

Diese Trainingslager geben mir die Möglichkeit, das Vertrauen meiner Spielerinnen zu gewinnen. Das braucht seine Zeit. (…) Inzwischen wissen die Spielerinnen, dass ich hinter ihnen stehe und sie wissen, dass ich ihnen helfen will, ihre Ziele zu erreichen, wenn ich hart oder direkt zu ihnen bin.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die Spielerinnen Zeit bekommen, den Stil und die Gewohnheiten der Teamkolleginnen kennen zu lernen und eine Chemie aufzubauen. In punkto Chemie waren die letzten beiden Spiele das Beste, was ich von meinen drei Stürmerinnen Lilly, Tarpley und Wambach gesehen habe. (…) Wir hoffen, dass sich diese Chemie auch auf die anderen Mannschaftsteile überträgt. Das brauchen wir für die Weltmeisterschaft.

Zu den Besonderheiten im Training

Eine wichtige Sache ist, unsere Fitness konstant hoch zu halten, indem wir Fitness-Trainingsspiele bestreiten nach Muster europäischer Topklubs bestreiten. Wir passen die Anzahl der Spielerinnen und die Größe des Feldes so an, dass wir unsere aerobe Fitness erhalten oder sogar verbessern. Wir gestalten das Training auch individueller als in der Vergangenheit. Nicht jeder muss dasselbe machen. Shannon Boxx beispielsweise die gerade von einer Kreuzbandverletzung zurückgekehrt ist, arbeitet mit einem speziellen externen Fitnessteam an ihrer Beweglichkeit.

Alle Trainer versuchen ein Atmosphäre zu schaffen, dass die Spielerinnen das Training auch mit Freude absolvieren. Das heißt, wir unterbrechen die Trainingseinheiten nicht ständig, sondern lassen die Spielerinnen sich durch das Spielen verbessern. Wenn wir das so machen, kommen die Spielerinnen auch gerne immer wieder. Wenn man sie ständig bremst und Ihnen Instruktionen gibt, kann man schnell ausbrennen. Unsere Fitnesstraining machen wir in Spielsituationen und das Feedback war fantastisch.

Zur Psychologie der Mannschaft

Wir haben eine Menge außergewöhnlicher harter, willensstarker und entschlossener Spielerinnen. Konkurrenzfähig zu sein gehört zu den natürlichen Stärken der amerikanischen Spielerinnen, speziell in dieser Gruppe. Was wir an unserem Trainingsansatz geändert haben, ist, dass wir versucht haben, mehr Spaß rein zu bringen, dabei aber das Level zu halten. Denn wenn alles nur Geschäft ist, kann die Freude am Spiel schnell verloren gehen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.