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Dopingdiskussion im Fußball neu entflammt

Von am 14. Juni 2007 – 0.08 Uhr 1 Kommentar

„Doping im Fußball bringt nichts“ heißt ein gängiges, weit verbreitetes und in den vergangenen Jahrzehnten wohl gepflegtes Klischee. Dabei ist die Liste der Fußballprofis lang, denen seitdem die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen wurde. Seit gestern der frühere Bundesliga-Trainer Peter Neururer Doping im Fußball Ende der 80er-Jahre als „gang und gäbe“ bezeichnet hat, ist die sich zuletzt auf den Radsport konzentrierende Dopingdiskussion nun auch im Fußball erneut aufgeflammt. Doch wie sieht die Situation im Frauenfußball aus?

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In der Öffentlichkeit hat sich zu diesem heiklen Thema bisher niemand geäußert, doch hinter vorgehaltener Hand werden einige Nationalmannschaften mit Argwohn betrachtet. Der Fußball-Weltverband FIFA hat für die in drei Monaten beginnende Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China erstmals unangemeldete Trainingskontrollen angekündigt.

So wurde beschlossen, dass nach der Auslosung im April per Zufall jeweils ein Team pro Gruppe ausgewählt wird, dass bereits vor der WM mit Trainingskontrollen rechnen muss. Sechs bis acht Spielerinnen pro Team werden ausgelost und zur Dopingkontrolle gebeten. Alle Spielerinnen der offiziellen Teamliste können ausgewählt werden.

Bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA wurden insgesamt 128 Urintests durchgeführt. Bei jedem Spiel wurden jeweils zwei Spielerinnen pro Team kontrolliert, es wurde insbesondere auf EPO getestet. Alle Tests waren negativ.

Defizite bei den Trainingskontrollen

Doch derartige Anti-Doping-Maßnahmen machen vor den Trainingsplätzen im Fußball normalerweise halt, in anderen Sportarten sind sie seit langem eine Selbstverständlichkeit. Von umfangreichen regelmäßigen Trainingskontrollen ist der Fußball bisher verschont geblieben.

Im Jahr 2006 gab es nur bei 87 Fußballprofis in Deutschland Trainingskontrollen, in der Leichtathletik waren es 1020. Die Trainingskontrollen sollen in Zukunft erweitert werden. „Wir würden gerne mehr machen, wenn wir mehr Geld und mehr Kapazität hätten“, sagt Ulrike Spitz, Sprecherin der Nationalen Antidopingagentur (Nada).

Die Bedingungen haben sich in den vergangenen Jahren verschärft. „Der DFB ist einer unserer engsten und strengsten Mitstreiter im Anti-Doping-Kampf“, sagt Marlene Klein, Referentin Medizin bei der Nada.

Ex-DFB-Arzt Wilfried Kindermann räumte zuletzt gegenüber dem „Focus“ ein, dass Doping im Fußball Sinn machen kann. „Mit Anabolika lässt sich der Muskelaufbau fördern. Konditionelle Defizite könnte ein Spieler durch die Einnahme von EPO ausgleichen.“ Von den Möglichkeiten bei der Regeneration ganz zu schweigen.

Im Frauenfußball ist das Thema Doping noch ein Randthema. Mit zunehmender Professionalisierung und wachsenden finanziellen Möglichkeiten (bei der WM werden erstmals Preisgelder ausgeschüttet) wird es aber auch vor dem Frauenfußball auf Dauer keinen Halt machen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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