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Positive Überraschung der Saison: TSV Crailsheim

Von am 13. Juni 2007 – 13.56 Uhr

wappencrailsheim1.jpgAls ich vor Beginn der mittlerweile zu Ende gegangenen Saison für einen FanSoccer-Vorbericht den Crailsheimer Trainer Günther Wörle nach seinem Saisonziel fragte, zeigte dieser sich sehr zuversichtlich, mit den Erfahrungen aus dem Abstiegsjahr 2004/2005 und den Neuzugängen wie seiner Tochter Tanja nicht erneut nach dem Aufstieg wieder den Fahrstuhl nach unten nehmen zu müssen.

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„Ein einstelliger Tabellenplatz ist mein Ziel“, meinte er damals optimistisch. Gesunder Optimismus, keine Überheblichkeit, wie sich jetzt zeigte. Als Tabellensiebter war der TSV Crailsheim die positive Überraschung der Saison.

Konsequente Personalpolitik

Als Aufsteiger auf Anhieb im guten Mittelfeld zu landen (16 Punkte vor den Abstiegsrängen), ist keineswegs selbstverständlich. Da sucht man natürlich Gründe. Was geradezu ins Auge fällt, ist eine ausgezeichnete Personalpolitik. Von für einen Aufsteiger verhältnismäßig spektakulären Neuzugängen, durch die Mitaufsteiger VfL Wolfsburg auffiel, sah man bei den Crailsheimerinnen ab. Und landete am Ende trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb? – vor den Wölfinnen.

Stattdessen wurde eine Mannschaft, die über die Jahre gewachsen war, zielgerichtet um sowohl erfahrene als auch junge, hungrige Spielerinnen verstärkt. Die Stammspielerinnen wie etwa Daniela Held, Kapitänin Ramona Treyer, Claudia Nußelt oder Carolin Hörber spielen schon seit mehreren Jahren für den TSV, haben allesamt das erste Bundesligajahr vor zwei Jahren miterlebt. Dort haben sie ihre Erfahrungen gemacht und konnten gleich im Jahr darauf mit Spielerinnen wie Anna Bornhoff (mit 11 Toren erfolgreichste Torschützin), Martina Honecker, Carina Breunig und der neuseeländischen Nationaltorfrau Rachel Howard den erneuten Aufstieg feiern.

Starke Abwehr als Fundament

Die Leistungsträgerinnen bildeten denn auch in dieser Saison das Grundgerüst der Mannschaft um den neuen Trainer Günther Wörle. Hinzu kamen im Sommer 2006 die mit dem VfL Sindelfingen abgestiegenen Karin Burger und Nadine Beck als stabile Eckpfeiler einer Abwehr, die sich lediglich 37 Tore eingefangen hat – das ist Platz sechs. Zum Vergleich: die vor ihnen platzierten Bad Neuenahr (45) und Essen-Schönebeck (42) mussten mehr Gegentreffer hinnehmen. Auch ein Verdienst der beiden Torfrauen: Rachel Howard und Stefanie Kübler, die schon seit 2001 das Crailsheimer Tor hütet und beispielsweise im Aufstiegsjahr nur ganze acht Gegentore kassierte.

Gesunde Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Elan

Schließlich verlieh des Trainers Tochter Tanja Wörle, die nach einem halben Jahr beim Hamburger SV aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlegen musste, dem Mittelfeld neue Impulse und wurde schnell zur Stammspielerin. Ein Status, den die 19-jährige Julia Manger noch nicht ganz erreicht hat. Doch auch in ihrem jungen Alter war sie fast in jedem Spiel dabei, oftmals stand sie sogar in der Startformation. Mangers Qualitäten wurden zuvor in der 2. Mannschaft des 1. FFC Frankfurt offensichtlich, doch den Weg in die 1. Liga ebnete ihr dann der TSV.

Diese gute Personalpolitik findet ihren Ausdruck in einer bemerkenswert konstanten Mannschaftsaufstellung. Bis auf ein bis zwei Positionen blieb diese viele Spieltage lang äußerst stabil. Das war die Grundlage für gute Ergebnisse, durch die die Schwarz-Gelben nie mit dem Abstieg zu tun hatten. Die Saison begann mit einem Paukenschlag: 3:0 beim in der vorletzten Saison so starken SC Freiburg. Drei Spieltage später 3:0 gegen den VfL Wolfsburg.

Der Abstieg war nie ein Thema

„Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, sollte es nach diesem Spiel wissen: Der Liganeuling TSV Crailsheim wird mit dem Abstiegskampf nichts zu tun bekommen. Das Team um Trainer Günther Wörle fällt in keiner Weise gegenüber den anderen Teams aus dem Mittelfeld der Liga ab“, schrieb am 8. Spieltag Tom Schlimme bei FanSoccer nach dem Crailsheimer Gastspiel in Frankfurt. Nur einen Spieltag später beim 3:2 gegen Rheine untermauerten die Crailsheimerinnen dies erneut.

Während andere Vereine Abstiegssorgen hatten, konnten die Crailsheimerinnen trotz eines kleinen Durchhängers in der Mitte der Rückrunde noch einmal einige überraschende Erfolge feiern. So gewannen sie etwa in Essen mit 2:0, führten am vorletzten Spieltag – Duisburg war da allerdings schon aus dem Meisterschaftsrennen – bis zur 90. Minute gegen Duisburg und schlugen zuletzt den FC Bayern mit 2:1.

Wichtige Verträge verlängert

Die Weichen für die neue Saison wurden auch schon gestellt: Treyer, Held, Hörber, Trainer Wörle, Torfrau Howard, Nußelt, Torfrau Kübler usw. Die Liste ließe sich fortsetzen – sie alle haben schon verlängert. Gespannt darf man sein, wie U17-Nationalspielerin Annika Höß einschlagen wird, die der Verein selbst als „echten Coup“ bezeichnet. Es sieht auf jeden Fall gut aus.

Denn auch abseits des Bundesligafußballs sind die Crailsheimer mit Mädchenfußball-Turnieren, dem alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Hallenturnier oder durch geschickte Werbeaktionen schon oftmals positiv aufgefallen. Und die Homepage dürfte ohnehin zu den besten der Liga gehören, wenn nicht sogar die beste sein. Bildergalerien von jedem Spiel, Mailadressen für jede Spielerin und regelmäßige Neuigkeiten sind dort der Standard. In Crailsheim wächst was – für die Liga kann das nur gut sein. Chapeau, TSV Crailsheim!

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