Die großen Vereine entdecken den Frauenfußball

Von am 13. Juni 2007 – 2.52 Uhr 4 Kommentare

bremen_frauen.jpgAls die Verantwortlichen von Werder Bremen Anfang Februar verkündeten, erstmals seit den 70er-Jahren wieder eine Frauenfußball-Abteilung aufbauen zu wollen, kam dies einer mittleren Sensation gleich.

Doch auch in anderen Ländern sind die Frauen auf dem Vormarsch.

In Frankreich hat Olympique Lyon binnen drei Jahren den Sprung an die Spitze geschafft und nun setzt ein weiterer europäischer Renommierclub auf den Frauenfußball.

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Celtic Glasgow hat in der Vorwoche eine Fußball-Akademie für Mädchen im Alter von 5 bis 19 Jahren ins Leben gerufen – die erste ihrer Art in Schottland. Ab der kommenden Saison wird Celtic zudem mit einer Mannschaft in der schottischen Women’s Premier League antreten. Möglich macht dies der Erwerb des im Osten Glasgows gelegenen Arsenal North Ladies Football Club, der fünf Frauenteams umfasst und einen Startplatz in der Women’s Premier League hält.

Dreigeteilte Struktur

Der Frauenfußball soll eine Lücke in der Struktur der auf verschiedenen Gebieten tätigen Celtic Foundation schließen. Sie hat die Schirmherrschaft über die Akademie, die spiegelbildlich zum Männerfußball aus drei verschiedenen Teilen bestehen wird: der Celtic Girls Community Academy für 5- bis 12-Jährige, der Jugend-Akademie für 13- bis 19-Jährige und der ersten Mannschaft. Die schottische Schauspielerin Elaine C Smith ist die Schirmherrin der Akademie.

Die Heimspiele werden die Celtic Ladies im Glasgower Stadtteil Barrowfield und am neuen rund 18 Millionen Euro teuren Trainingsgelände im nördlich von Glasgow gelegenen Lennoxtown austragen.

Schottlands Spielführerin Julie Fleeting meint: „Es sind tolle Neuigkeiten, dass ein großer Verein wie Celtic sich engagiert. Für die jungen Mädchen ist es sehr wichtig, dass das Spiel in Schottland mehr Aufmerksamkeit bekommt.“

Die Resonanz ist bereits riesig. Schon in den ersten fünf Tagen bekam Celtic mehr als 150 Anfragen von potentiellen Spielerinnen.

Olympique Lyon auf dem Weg nach oben

In Frankreich hat Jean-Michel Aulas, der umtriebige Präsident von Olympique Lyon, das Potenzial des Frauenfußballs bereits vor einigen Jahren erkannt. Im Jahr 2004 entstand die Frauenfußball-Abteilung und binnen drei Jahren gelang der Sprung an die nationale Spitze. Wer Aulas kennt, kann über die Entwicklung nicht überrascht sein, denn alle seine Projekte sind von Enthusiasmus und Ernsthaftigkeit geprägt. Schritt für Schritt ist das Team gewachsen, hat Fortschritte gemacht und sich nach vorne gearbeitet.

Am vergangenen Wochenende schloss das Team eine mehr als erfolgreiche Saison mit dem ersten Meistertitel ab. Mit einer gewaltigen Finanzkraft im Rücken hat man zahlreiche Top-Spielerinnen verpflichtet, wie etwa die Brasilianerin Katia oder die französischen Nationalspielerinnen Hoda Lattaf, Sonia Bompastor und Camille Abily.

Zur kommenden Saison sollen unter anderem auch noch die Nationalspielerinnen Laura Georges und Elodie Thomis dazu stoßen, denn die Zielsetzung ist klar: Lyon will der erste französische Verein werden, der den UEFA-Pokal gewinnt. „Lyon wird dort ein guter Vertreter Frankreichs sein“, ist sich Nationaltrainer Bruno Bini sicher.

Doch das Wachstum bringt auch erste Probleme. Ähnlich wie in Frankfurt wird in der kommenden Saison vor allem viel Fingerspitzengefühl gefragt sein. In einer Elf, die zu drei Viertel aus Nationalspielerinnen und dazu noch drei Südamerikanerinnen besteht, wird die eine oder andere die ungewohnte Rolle der Bankdrückerin oder gar Zuschauerin auf der Tribüne einnehmen müssen.

Bremen in den Startlöchern

Von derartigen Dimensionen ist man bei Werder Bremen noch weit entfernt, die Franzosen könnten jedoch als Vorbild für die nächsten Jahre dienen. Ab der Saison 2007/2008 wird Bremen zwei Teams an den Start bringen, eine Frauen-Mannschaft und ein B-Juniorinnen-Team. Die Planungen laufen auf Hochtouren.

Trainer der Frauenmannschaft wird Frank Schwalenberg sein, der früher unter anderem die Bundesligamannschaft des FSV Frankfurt trainierte. Es scheint Werder also wahrlich ernst zu sein. „Die Regionalliga oder zweite Bundesliga sollten in den nächsten Jahren realistisch sein“, so Schwalenberg. Als Verantwortliche wurde Birte Brüggemann gewonnen, die die B-Juniorenmannschaft trainieren und den Frauenfußball im Vorstand der Fußballabteilung vertreten wird.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger freut sich über das Engagement und hofft bereits auf mehr. „Ich begrüße diesen Entschluss außerordentlich und freue mich darüber, dass wir neben dem Hamburger SV, dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München dann sicherlich in Kürze einen wirklichen Renommierverein des deutschen Fußballs wohl auch ganz oben erwarten dürfen.“ Und Bremen wird sicherlich nicht der letzte gewesen sein…

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Christina sagt:

    Alles schön und gut, nur durch die Millionen, die bei den Männern eingehen werden die „kleinen“ Vereine wohl ganz aus der 1. Liga verschwinden!

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  • Markus Juchem sagt:

    Mittel- bis langfristig wird sich diese Entwicklung wohl nicht vermeiden lassen, dass finanzkräftige Vereine komplett die Oberhand gewinnen werden. Das muss man nicht unbedingt gut finden, ist aber eine logische Folge. Ich denke, hier wird sich in Zukunft noch einiges tun, was heute noch nicht abzuschätzen ist.

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  • Detlef sagt:

    Wenn man bei den Renomierklubs im FF diese Entwicklung schon jetzt so sieht, kann man sich darauf einstellen!!!
    Entweder man geht den Frankfurter und Wolfsburger Weg, und versucht mit großem finanziellen Aufwand dagegenzuhalten!!! Oder man geht den Duisburger und Potsdamer Weg, und bildet soviel Nachwuchs aus, dass man ihn entweder zur Reife bringt, bzw. ihn auch meistbietend verkaufen kann!!!
    Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die großen Profivereine ernsthaft am FF Interesse zeigen!!! Geld investieren ist die eine Sache, aber im Moment kann man mit dem FF noch keine interessante Rendite erzielen!!!

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  • Los Holstos sagt:

    Der Einstieg von großen Klubs ist sicherlich sinnvoll, das kommt dem Frauenfußball nur zu Gute! Eine Ansammlung von Stars wird auch für eine Belebung bei den Zuschauerzahlen sorgen, wodurch der FF mehr Aufmerksamkeit erlangen sollte…

    Den Weg viel Kohle in einen Verein zu pumpen und zu hoffen, dass sich der Erfolg einstellt mag dabei zwiespältig beobachtet werden. Auch im Sinne der Zukunft der deutschen Nationalmannschaft sollte ein guter Mix aus internationalen Topspielern und eigenen Talenten gelingen. Die Fehler bei den Männermannschaften sollten als warnendes Beispiel gelten.

    Um jedoch schnell nach oben (1. oder 2. Bundesliga) zu kommen, werden sich gewisse finanzielle Investitionen nicht vermeiden lassen…

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1 Pingbacks »

  • […] Dass nun der weltweit bekannteste Fußballverein in Zukunft ernsthaft auf die Karte Frauenfußball setzen will, dürfte auch in anderen europäischen Ländern nicht unbemerkt bleiben und interessiert zur Kenntnis genommen werden. “Es ist eine tolle Sache, wenn sich solch namhafte Klubs auf einmal für den Frauenfußball interessieren”, hatte Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, bereits 2006 gesagt. […]