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Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 5)

Von am 12. Juni 2007 – 11.12 Uhr

jones_orden.jpgVon der gewonnen Europameisterschaft 2005 in England, wo sich das Team nicht einmal durch einen Feueralarm aus der Ruhe bringen ließ, bis hin zum wohl überlegten Abschied nach dem Algarve Cup 2007 schreibt Steffi Jones in Teil 5 der umfangreichen Serie über ihre Nationalmannschaftskarriere.

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Dabei bringt sie ihre Freude über den erfolgreichen Abschied von Tina Theune-Meyer zum Ausdruck und geht im Detail auf die Hintergründe ein, die ihre Entscheidung vom Abschied aus der Nationalmannschaft reifen ließen. 

EM 2005: Mit Lockerheit zum Erfolg

Bei dieser EM haben wir uns zu Beginn auch schwer getan. Wir haben zum Auftakt nur knapp 1:0 gegen Norwegen gewonnen. Das Spiel gegen Frankreich hatte es nicht weniger in sich. Die Französinnen hatten eine Riesenchance und wir hatten Glück, dass nicht auf Foul gegen uns entschieden wurde. Im Gegenzug haben wir dann das Tor gemacht. Die französische Torhüterin hatte einen schlechten Tag, obwohl sie sonst gut gehalten hat. Wir haben dann 3:0 gewonnen.

Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 1)
Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 2)
Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 3)
Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 4)

Die EM war insgesamt wirklich schön, weil wir alle völlig entspannt waren. Für Tina war es ihr Abschiedsturnier und trotzdem war sie total locker. Dann gab es einen Feueralarm im Hotel, wir musste alle nach draußen ins Freie. Wir haben dann die Spielersitzung einfach draußen abgehalten. Die Stimmung innerhalb des Teams war gut, wir haben im Freien Spieleabende gemacht. Für Tina war es ein Super-Abgang. So etwas habe ich mir für sie gewünscht, sie hat als Trainerin so viel für den Frauenfußball getan.

Mein Abschied

2006 habe ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen, der mich zu einer längeren Pause gezwungen hat. Ich bin fast zwei Monate ausgefallen, zuerst dachten wir, es sei nur ein Bluterguss. Und dann hatte ich ständig etwas anderes. Ich kam wieder heran und dann ziepte es wieder an einer anderen Stelle. Im Spiel gegen Hamburg habe ich ein wichtiges Tor gemacht. Ich steige zum Kopfball hoch, erziele den Treffer und dann landet eine HSV-Spielerin auf meinem Knöchel, der dick und blau angelaufen ist. Ich bin also wieder ausgefallen. Dann habe ich mir später auch noch einen Pferdekuss eingefangen, es war immer schwieriger, wieder heran zu kommen.

Damals überkamen mich die ersten Zweifel, die ich Silvia auch mitgeteilt habe. Ich konnte mich anders als früher trotz Extratraining nicht mehr steigern. Es mag sein, dass ich immer noch ein recht gutes Niveau habe. Das mag für die Bundesliga reichen, was nicht abwertend gemeint ist. Aber in der Nationalmannschaft will ich Leistungsträgerin und nicht Mitläuferin sein. Denn dann macht es gleich mehr Sinn, eine junge Spielerin aufzubauen. Das wäre auch nicht fair, da muss man sich selbst gegenüber ehrlich sein.

Um auf WM-Niveau zu kommen, hätte ich noch einmal alles aufgeben und mich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren müssen. Doch dafür bin ich zu alt. Ich hätte mich auch nicht mehr verletzen dürfen, mir war das Risiko einfach zu groß. Ich habe auch meinem Bruder, nachdem das im November passiert war, versprochen, dass ich immer für ihn da bin, wenn er mich braucht. Ich würde aber nicht gerne die WM-Vorbereitung unterbrechen, um kurz in die USA zu fliegen.

Silvia hat gesagt, ich soll den Algarve Cup spielen und mich mit den anderen messen, um zu sehen, wo ich stehe. Sie war sehr fair, sonst wäre ich wohl schon gar nicht mehr nach Portugal gefahren. Ich war mir nicht sicher und hatte auch Angst vor meinem ersten Einsatz wieder in der Nationalmannschaft. Ich war ja fast ein Jahr lang ausgefallen und es kamen jetzt Gegner ganz anderen Kalibers auf uns zu. Ich wollte mich in Portugal von Spiel zu Spiel steigern, aber da wir uns nicht steigern konnten, sondern sogar schlechter wurden oder stagnierten, habe ich für mich selbst die Konsequenz daraus gezogen.

Nach dem Algarve Cup haben alle gesagt, ich sei noch eine der Besseren gewesen. Ich war aber mit mir selbst unzufrieden und habe gemerkt, dass ich keine Leistungsträgerin mehr bin. Mir war schon vorher klar, dass ich aufhöre, wenn ich nicht sichtlich zufrieden bin. Es standen ja auch dann schon bald wieder EM-Qualifikationsspiele an, ich konnte also nicht lange überlegen und traf eine wohl überlegte Entscheidung.

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