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Frauenfußball-Bundesliga: Appetit auf mehr

Von am 10. Juni 2007 – 23.58 Uhr 1 Kommentar

ffc_hsv.jpgEin Blick auf die Bundesliga-Abschlusstabelle könnte vermuten lassen, die Frauenfußball-Fans hätten eine langweilige Saison erlebt. Doch dem war nicht so. Der 1. FFC Frankfurt holte sich zwar verdient und am Ende souverän den sechsten Meistertitel, doch so mancher Sieg war härter erkämpft, als man das vorher gedacht hätte.

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Lange hielt der FCR 2001 Duisburg den Druck aufrecht, in den direkten Duellen musste man aber die Überlegenheit der Frankfurterinnen anerkennen. Doch Spielführerin Sonja Fuss verspricht:  „Nächste Saison holen wir den Titel!“

Am Ende hatte der 1. FFC Frankfurt neun Punkte Vorsprung auf Vizemeister Duisburg. 19 der 22 Bundesligaspiele wurden gewonnen, drei Spiele endeten remis. Grund genug, am 50. Geburtstag von Manager Siegfried Dietrich ausgelassen das Double zu feiern. Die „Frankfurter Rundschau“ bewertet die Meisterschaft als „logischen Titel“ und befürchtet, dass das Team der Konkurrenz in der kommenden Saison weiter enteilen wird.

Doch ganz so einfach dürfte es für die Frankfurterinnen nicht werden. Neuzugänge wie etwa Conny Pohlers werden die Konkurrenzsituation beleben, aber auch für eine gewisse Unruhe im Team sorgen. Hier wird das Fingerspitzengefühl des Trainers gefragt sein. Hinzu kommt die Mehrbelastung der Nationalspielerinnen durch die Weltmeisterschaft in China. Auch eine erfolgreiche UEFA-Cup-Teilnahme könnte für zusätzlichen Kräfteverschleiß sorgen.

Duisburg stark, aber ohne Titel

In Duisburg bilanzierte Trainer Thomas Obliers: „Der Makel ist allein, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben, einen Titel zu holen. Deshalb müssen wir in der nächsten Saison noch härter arbeiten.“ Vor allem oft Obliers, dass seine Spielerinnen in allen Partien den nötigen Biss zeigen.

Turbine Potsdam spielte nach der verkorksten Hin- eine gute Rückrunde. „Sicher hat sich die Mannschaft noch zu unkonstant in ihrer Leistung gezeigt, aber in jedem Fall konnte man bereits sehen, dass wir eine Mannschaft der Zukunft haben“, so Trainer Bernd Schröder. Ob man allerdings ausschließlich mit jungen Spielerinnen eine erfolgreiche Saison wird bestreiten können, bleibt abzuwarten.

In München durfte man sich über einen guten vierten Platz freuen. Gegen die Topteams der Liga gab es allerdings nur wenig zu holen. Mehr erwartet hätte man sich in Bad Neuenahr, doch angesichts der Verletztenmisere ist der fünfte Platz immer noch recht positiv zu werten. In Essen hatte man sich im dritten Bundesligajahr mehr erhofft als Platz 6, doch auch hier konnte das Team verletzte Spielerinnen nicht adäquat ersetzen.

Crailsheim überrascht

Freuen darf man sich bei Aufsteiger Crailsheim über den starken siebten Platz, den man mit dem 2:1-Sieg in München am letzten Spieltag eroberte. Allerdings dürfte die kommende Saison durch die fehlende Aufstiegseuphorie deutlich schwieriger werden. In Wolfsburg hätte man sich sicherlich mehr erwartet als Platz 8, doch mit der klaren Niederlage gegen Essen am letzten Spieltag vergab man die Chance auf eine bessere Platzierung, die nun in der neuen Spielzeit angepeilt wird.

Die Teams aus Hamburg und Freiburg sicherten sich bereits einige Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt, so dass man frühzeitig mit den Planungen für die neue Saison beginnen konnte. Im Norden will man den Frauenfußball zur Chefsache erklären, im Süden durfte man sich über die wichtige Vertragsverlängerung von Nationalspielerin Melanie Behringer freuen.

Die Traditionsvereine aus Rheine und Brauweiler mussten den Gang in die 2. Liga antreten und es deutet sich an, dass langfristig nur noch finanzstarke Teams dauerhaft die Ligazugehörigkeit werden halten können. So werden der VfL Wolfsburg und möglicherweise auch der Hamburger SV in Zukunft den Abstand zu den oberen Tabellenregionen verringern können. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen die Bemühungen Werder Bremens mittelfristig auf die Bundesliga haben werden. Möglicherweise werden auch andere Großklubs nachziehen und Frauenfußball-Abteilungen aufbauen, was das Gesicht der Liga nachhaltig verändern könnte.

Rekordkulisse in Augsburg

Das Saisonhighlight schlechthin fand in Augsburg statt. 4.256 Zuschauer sorgten beim Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FFC Frankfurt im Rahmen der WM-Bewerbung für einen Saisonrekord und zeigten wie groß das Potenzial ist, wenn mit gezielten PR-und Marketing-Maßnahmen die Zuschauer ins Stadion gelockt werden.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bilanzierte: „Die Entwicklung des Frauenfußballs ist riesig. In der Spitze entwickelte sich der Frauenfußball bereits zum Schlagschiff des DFB, ich hoffe, dass es auch in der Breite der Fall sein wird. Und ferner hoffe ich, dass es weiter so erfolgreich geht und wir auch mehr TV-Zeiten bekommen werden.“

Doch mit Hoffen alleine ist es nicht getan. Der DFB sollte verstärkt versuchen seinen Einfluss geltend zu machen und auf die Rechteinhaber ARD und ZDF einzuwirken, um die TV-Berichterstattung vor allem auf regionaler Ebene zu finanziell tragbaren Konditionen zu ermöglichen. Eine höhere TV-Präsenz verbunden mit dem gezielten Aufbau von Idolen wäre ein wichtiger Schritt, um die Bundesliga für ein breiteres Publikum attraktiv zu machen. Denn sportlich hat die abgelaufene Saison die Vorfreude auf die neue bereits geweckt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    Ich fand diese Saison eher mäßig!!!
    Als TURBINE-Anhänger, war ich natürlich enttäuscht, wie „meine Mädel“ die Hinrunde vergeigt haben!!! Somit war, trotz toller Rückrunde, nur noch Platz 3 möglich!!! Wie Markus, bin auch ich eher vorsichtig optimistisch, ob Potsdam, ohne erfahrene Führungsspielerinnen, eine komplette Saison erfolgreich bestreiten können!!! Aber die guten Leistungen der Rückrunde, lassen uns Fans einiges hoffen!!!
    Am meisten haben mich aber die Löwinnen aus Duisburg enttäuscht!!! So eine Riesenchance, wie in der abgelaufenen Saison, auf Titel und Pokalgewinn, werden sie wohl so schnell nicht mehr bekommen!!!
    Für mich waren sie die vollkommenste Mannschaft der Liga!!!
    Gegen schwächelnde Mitkonkurrenten, war es für sie ein absolutes MUSS gewesen, das Double zu holen!!! Aber in den entscheidenden Spielen haben ihre Nerven versagt, und so war es erneut „nur“ Platz ZWEI!!! Am Ende sind sie sogar noch eingebrochen, und haben gegen TURBINE verloren, und in Crailsheim beinahe!!!
    Das die Frankfurterinnen, ohne Niederlage, und nur mit 3 Remis den Meistertitel gewannen, ist für mich kaum zu glauben!!! Wenn man dann noch sieht, gegen wen diese TOP-Elf sechs Punkte einbüßte, ist es eigentlich schon verwunderlich!!! Die Meisterschaft verlief wie der Pokal-Erfolg, es gab keinen echten Gegner!!! Selbst grottenschlechte Spiele, konnte man noch gewinnen, oder spielte unentschieden!!!
    Keine Mannschaft der Bundesliga, konnte in dieser Saison, die Frankfurter Schwäche richtig bestrafen!!! Deshalb stimmt wohl die These der „Frankfurter Rundschau“, dass es ein „logischer Titel“ war!!!
    Nur am Tabellenende, war es richtig spannend!!! Bis Rang 7, mussten alle Teams noch lange zittern, bis sich der zweite Absteiger herauskristallisierte!!! Hier konnte Jeder, Jeden schlagen!!!
    Einzig Schlusslicht Brauweiler Pulheim, zeigte sich als nicht Erstliga-reif!!! Das sie am Ende gar keinen Punkt gewinnen können, hätte wohl vor der Saison niemand geglaubt!!!

    Am Ende möchte ich nochmal zwei Klubs lobend erwähnen!!!
    Der erste ist Bayern München!!! Sie haben eine hervorragende Saison gespielt, und können mit Rang 4 sicher hochzufrieden sein!!!
    Mit etwas mehr Konstanz, könnten sie im nächsten Jahr sogar auf dem Treppchen landen!!!
    Der zweite Klub ist der TSV Crailsheim!!!
    Es gab nicht wenige „Experten“, die die Mädels aus Hohenlohe, am Anfang der Saison, als sicheren zweiten Absteiger auf der Reihe hatten!!! Aber sie machte es dieses Mal wesentlich besser, als in der letzten Erstliga-Saison!!! Schon in der Hinrunde, sammelten sie etliche Punkte!!! Auch in Hälfte zwei, der Saison, ging es so weiter, und sie konnten so manchem Ligakonkurrenten einen DREIER abringen, der doch klar besser zu sein schien!!! Gratulation an die Wörle-Elf, lasst Euch nichts einreden, Ihr seid gut genug für diese Liga!!!

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