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Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 4)

Von am 8. Juni 2007 – 11.51 Uhr

jones_portrait_2.jpgDie Europameisterschaft 2001 in Deutschland und die emotionale Achterbahnfahrt bei der Weltmeisterschaft in den USA 2003 stehen im Mittelpunkt des vierten Teils der Serie „Mein Leben in der Nationalmannschaft“.

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In ihm gewährt Steffi Jones für Womensoccer.de weitere Einblicke in ihre Nationalmannschafts-Karriere.

Claudia Müllers Trikotlupfer

Die Europameisterschaft 2001 in Deutschland war auch sensationell. Mein jüngerer Bruder aus den USA kam extra zu Besuch und auch meine Mutter sowie Freunde sind mitgereist. Das war schon eine tolle Sache. Alle waren dann auch beim Endspiel in Ulm. Es hat die ganze Zeit aus allen Wolken geschüttet, aber das Stadion war voll und die Zuschauer haben uns die ganze Zeit angefeuert. Ich muss heute noch lachen, wenn ich an das Golden Goal von Claudia Müller denke, das war sensationell. Wie sie ihr Trikot hoch zieht und es nicht gleich wieder herunter bekommt. Das passte irgendwie, das war ein unglaublicher Moment. Im Endspiel wurde ich wieder zur besten Spielerin gewählt.

Steffi Jones: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 3)
Steffi Jones: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 2)
Steffi Jones: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 1)

Maren (Meinert) und Doris (Fitschen) haben ja dann auf der Pressekonferenz offiziell ihren Rücktritt verkündet. Auch ich hatte mich inoffiziell und innerlich bereits verabschiedet. Aber ich habe nichts gesagt, weil ich noch so im Freudentaumel war. Ich wollte meinen Abgang einfach nicht mit diesem Endspiel verknüpfen. Ich empfand mich auch nicht so wichtig, als das ich diese hätte tun müssen. Ich habe dann aufgehört, zwei Jahre in den USA genossen und Erfahrungen in der Profiliga WUSA gesammelt. Dann bin ich zur WM 2003 hin nach Deutschland zurückgekommen.

Die bittere Verletzung bei der WM 2003

Ich bin der Meinung, dass wir vom Teamgeist her bei dieser Weltmeisterschaft die stärkste Mannschaft hatten. Dabei haben wir uns am Anfang schwer getan. Nicht nur gegen Kanada, sondern auch gegen Japan. Danach haben wir uns aber nach dem Argentinien-Spiel in einen Rausch gespielt. Gegen Argentinien ist es passiert. Ich habe sofort gemerkt, dass es schlimmer war. Es war viel zu schmerzhaft, als dass es nur eine Lappalie hätte sein können. Alle sagten, das kann nicht möglich sein, denn ich habe 15 Jahre auf hohem Niveau gespielt und nie eine große Verletzung gehabt. Keiner wollte es deswegen wahr haben, doch es war ein Kreuzbandriss. So eine Verletzung stärkt einen entweder oder sie zieht einen runter.

Was ich schön fand, war, dass Mia Hamm und Abby Wambach mich auf dem Weg ins Krankenhaus angerufen haben. Sie hatten im Fernsehen gesehen, dass ich mich verletzt hatte und es wohl etwas Schlimmeres war. Sie wünschten mir alles Gute. Das war eine tolle Geste, dass sie mich extra gemeldet haben. Als ich vom Hotel abreisen musste, kamen auch alle anderen Spielerinnen und wünschten mir nur das Beste. Über die Jahre hat sich zwischen den Mannschaften eine Freundschaft entwickelt. Meine Teamkolleginnen haben mich auch im Krankenhaus angerufen und mir gesagt, dass sie den Pott holen werden. Sie wollten mich ja auch wieder in die USA einfliegen lassen, aber ich musste gleich operiert werden, weil die Zeit ja wegen Olympia 2004 drängte.

Zurück zum Sportlichen: Wir hatten bei dieser WM Spielerinnen dabei, die die anderen Mannschaften einfach nicht auf der Karte hatten. Kerstin Garefrekes hat einfach alle platt gespielt und Maren hat Dinge drauf, die einfach nur Spaß machen. Sie war eine geniale Fußballerin und es war schön, sie als Mitspielerin zu haben. Sie war so torgefährlich und genauso wie Bettina Wiegmann war sie bescheiden, obwohl sie Weltklasse waren. Ich fühle mich aber nicht richtig als Weltmeister, wie die anderen. Natürlich war ich ein Teil der Mannschaft, aber ich kann nicht mit der Medaille herumrennen und sagen, ich bin Weltmeister. Es wäre anders gewesen, wenn ich nicht schon in der Vorrunde ausgefallen wäre.

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