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Kick it like Ramona – eine 16-Jährige auf dem Weg nach oben

Von am 7. Juni 2007 – 11.51 Uhr 5 Kommentare

bachmann_uefa_finale.jpgDie Schweizer Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal nennt sie „Botschafterin des Schweizer Frauenfußballs“, Umeås Trainer Andrée Jeglertz sagt schon jetzt: „Es gibt nur wenige in der schwedischen Liga, die ihre Qualität haben“ und Vereinsboss Roland Arnquist prophezeit: „In zwei oder drei Jahren wird sie eine Weltklassespielerin sein“.

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Eine Menge Vorschusslorbeeren für die erst 16-jährige Ramona Bachmann. Womensoccer.de stellt das Ausnahmetalent vor.

Schon im Kinderwagen schnupperte die kleine Ramona erstmals Fußballluft. Vater Martin, früher selbst ein passabler Fußballer beim Schweizer Zweitligisten SC Kriens, nahm sie immer mit, wenn er unweit von Luzern im Heimatort Malters die Jungenmannschaft des lokalen Fußballvereins trainierte. „Als ich dann laufen konnte, war ich immer als Maskottchen dabei“, erinnert sich Bachmann. Im Alter von fünf Jahren begann sie selbst mit dem Fußball spielen, bis zu den C-Junioren immer in Jungenmannschaften. „Ich fand das positiv, dort lernt man am meisten.“

Verstärkte Bemühungen des Schweizer Verbands

Bachmann war in den vergangenen Jahren eine der ersten, die von den verstärkten Bemühungen des Schweizer Verbands in Sachen Frauenfußball profitierte. Im Sommer 2004 wurde das Ausbildungszentrum in Huttwil eröffnet, Bachmann war die jüngste in der ersten Ausbildungsgruppe.

Ein Jahr lang glänzte sie als mit Abstand jüngste Spielerin in der 2. Liga, dann ging es direkt zum Schweizer Meister SC LUwin. „Ich habe dort die Torschützenliste angeführt und eine super Halbsaison gespielt. Es ist gut gelaufen, darum habe ich den Schritt ins Ausland gewagt.“

Seit 1. März steht Bachmann nun beim schwedischen Meister und UEFA-Cup-Finalisten Umeå IK unter Vertrag. Ein Karrieresprung sondergleichen. „Ich habe im Februar ein Probetraining absolviert und dann ging alles ganz schnell. Ich wurde von der Mannschaft sehr gut aufgenommen und wohne in einer Gastfamilie, in der Deutsch gesprochen wird.“

„Fußball ist mein Leben“

Nach drei Monaten bringt sie ihren Trainer schon jetzt auf Schwedisch zum Lachen: „Jag kan bättre spela fotbol än Andrée“ (Ich kann besser Fußball spielen als Andrée). Auf einer Sprachenschule lernt sie Schwedisch und Englisch – eine Bedingung der Eltern für den Wechsel ins Ausland. Sie unterstützen ihren Schützling hundertprozentig und sind so überzeugt, dass ihre Tochter sogar die Lehre bei der Post abbrechen durfte. „Sie wissen, dass Fußball mein Leben ist. Ich bin sehr froh, dass sie mich so unterstützen. Ich habe täglich Kontakt zu Ihnen per Telefon und E-Mail“, freut sich die 1,64 Meter große Spielerin.

Schnell hat sich Bachmann an das hohe Niveau der schwedischen Liga gewöhnt und die Nervosität abgelegt. „Das Spiel läuft viel schneller als in der Schweiz. Die Pässe kommen genauer an, die Mitspielerinnen sind viel besser. Ich kann viel von ihnen lernen. Beim ersten Spiel war das schon komisch. Es ist plötzlich nicht mehr eine Schweizerin neben Dir auf dem Feld, sondern Marta und Hanna Ljungberg.“

Im zweiten UEFA-Cup-Finale bei Arsenal deutete sie als Einwechselspielerin ihr Potenzial bereits eindrucksvoll an. „Ich hatte drei, vier gute Chancen und es war jedes Mal knapp, vor allem beim Pfostenschuss.“ In der Liga hat sie bereits einen sehenswerten Treffer im Spitzenspiel in Malmö erzielt, bei dem sie drei Spielerinnen aussteigen ließ und dann den Ball kraftvoll und platziert mit Hilfe des Innenpfostens ins Tor beförderte.

Angebote aus Deutschland, Schweden und den USA

Gleich mehrere Vereine buhlten vor dem Wechsel nach Umeå um ihre Dienste. „Ich hatte Angebote aus Deutschland, z. B. wäre der SC Freiburg eine Möglichkeit gewesen. Es gab Anfragen von Indiana und Djurgården. Ich hatte mehrere Möglichkeiten, aber mir war dann schnell klar, dass ich nach Umeå gehe. Hier wurde ich herzlich empfangen und ich fühlte mich gleich wohl. Die Betreuung ist hoch professionell und der Verein super geführt.“

Das nächste Karriere-Highlight steht für sie bereits bevor, denn erstmals wurde Bachmann in die A-Nationalmannschaft berufen. „Ich spiele hier mit den besten Fußballerinnen in der Welt, dann schaffe ich es auch in der Schweizer Nationalmannschaft“, gibt sie sich selbstbewusst.

In der Freizeit geht der Teenager gerne mit Freunden aus. „Wir schauen oft Filme an und waren auch schon beim Minigolfspielen und beim Essen. Sonst bin ich viel am Computer und habe Kontakt mit meinen Freunden in der Schweiz.“

Ihre Teamkollegin Marta ist ihr großes Vorbild. „Wegen ihrer Technik und ihrer Schnelligkeit. Wir haben ähnliche Qualitäten, hat unser Trainer gesagt. Wir haben beide einen großen Willen, sind kampf- und laufstark und hoch motiviert.“ Und sie ergänzt voller Ehrgeiz: „Sie ist Weltfußballerin und dieses Ziel möchte ich auch noch erreichen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • teyssier jean-luc sagt:

    Eines vorweggenommen:
    Ich freue mich das eine unserer CH – Spielerinnen so viel Erfolg hat.
    Als NLA-Trainer in der Schweiz, Vater einer begabten Spielerin(U14 Regioauswahl) und Berufschullehrer frage ich mich aber, ob eine Berufslehre vor einem Transfer ins Ausland nicht besser gewesen wäre.
    …Oder stehen in nächster Zeit goldene Frauenfussball-Zeiten bevor, wo Frauen auch etwas Geld verdienen können…

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  • Markus Juchem sagt:

    Schöne Grüße nach Thun. Da gebe ich ihnen schon Recht. Bei allem Talent ist es schon ein gewagter Schritt, ganz auf die Karte Fußball zu setzen. Das kann natürlich funktionieren, es kann aber auch schief gehen. Man denke dabei auch an nicht auszuschließende Verletzungen.

    Ich denke schon, dass man in Zukunft wieder verstärkt auch vom Frauenfußball leben kann (Stichwort Profiliga USA). Das gilt aber sicherlich nur für die absoluten Topspielerinnen. Grundsätzlich hätte ich es aber auch für besser gehalten, wenn vorher eine Lehre abgeschlossen worden wäre.

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  • Michael S. sagt:

    Ich habe dieses Megatalent im Spiel gegen Arsenal gesehen! Überall zu finden, immer anspielbar, technisch saustark,lauffreudig und Schußstark. Erstklassig! Eine Spielerin die ein Spiel in Zukunft alleine entscheiden kann und wird. Im Übrigen ein mutiger Schritt ins Ausland zu wechseln. Hut ab!

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  • Detlef sagt:

    Na da darf man sicher gespannt sein, wie sich die junge Schweizerin weiter entwickeln wird!!! Da scheint nach Vanessa Bürki gleich noch eine Topspielerin der Eidgenossen „nachzuwachsen“!!!

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  • Rainer sagt:

    Ich habe Ramona jetzt dreimal „live“ in Stockholm gesehen und sie ist wirklich ein Ausnahmetlent. Umeås Coach Andrée Jeglertz sprach schon vor der Saison davon, Ramona Bachmann könne eine „neue Marta“ werden. Sie hat das unglaublich gut geschafft, ist quirlig und agressiv in den Zweikämpfen, bekam zuletzt zwei gelbe Karten gegen Hammarby und beim Pokalfinale gegen AIK.
    Ich gebe aber den väterlichen Mahnern Recht – mit 16 hat sie noch keinen höheren Schulabschluss und keine Ausbildung – das ist riskant, wenngleich die herausragenden Stars wie Marta oder Lotta Schelin inzwischen leidlich gut verdienen.

    Die Summen werden grösser. Pavlina Scasna, die in Deutschland noch gut bekannt ist, wird in der nächsten Saison Örebro verlassen und für einen noch nicht genannten Verein in Schweden spielen, obwohl Örebro ihr nach Aussage des Präsidiums den höchstdotierten Vertrag in der Geschichte des Vereins angeboten hat. Selbst die 30-Jährige Victoria Svensson wird ganz aktuell von einem anderen Club umworben und reizt wohl nur ein höheres Angebot des eigenen Clubs aus.

    Ich werde Ramona Bachmann demnächst sprechen und mich mal über die Hintergründe informieren. Offensichtlich ist die Betreuung durch den Verein in jeder Hinsicht erstklassig und sie ist jung genug, um die noch fehlende Ausbildung auch in Schweden zu machen…

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