Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 3)

Von am 4. Juni 2007 – 0.50 Uhr

wambach_jones.jpgIm dritten Teil der Serie „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ schreibt die 111-fache Nationalspielerin exklusiv für Womensoccer.de über eine ganz besondere Erfahrung.

Ihre großartigen Erlebnisse bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 und einen historischen Moment in Athen 2004, der ihr die Tränen in die Augen trieb.

Olympische Spiele Sydney 2000

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Nach der aus meiner Sicht verpatzten WM 1999 habe ich weiter an mir gearbeitet. In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sydney habe ich bei der Männermannschaft der Leverkusener Amateure mittrainiert. Vor Sydney hatten wir die längste und beste Vorbereitung, die wir je in der Nationalmannschaft hatten. Tragischerweise sind wir dort mit einem Eigentor ausgeschieden. Dabei hätten wir es wirklich verdient gehabt, weil wir bis dahin die beste Mannschaft im Turnier waren.

Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 2)
Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 1)

Jedes Spiel in meiner Karriere war einzigartig, aber es gab natürlich Momente, die waren höher anzusiedeln als andere, weil sie außergewöhnlich waren. Und zu einem solchen gehörten sicherlich die Olympischen Spiele von Sydney. Der schönste Moment war das Auftaktspiel gegen Australien. Ich hatte eine unglaubliche Gänsehaut, als wir ins Stadion einliefen. Es war extrem heiß und es waren fast 70.000 Zuschauer im Stadion, man hat sein eigenes Wort nicht verstanden. Ari (Hingst) und ich, wir haben uns immer angeschrieen. Es war so wichtig, dass wir das erste Spiel gut bestreiten. Wir steigern uns ja immer im Turnierverlauf, manchmal fangen wir sogar nur mit einem Remis an und werden dann von Spiel zu Spiel besser. Am Ende haben wir gerade einmal 1:0 gewonnen.

Ich erinnere mich noch an eine Szene, als ein Kind aufsteht und ruft: „Aussie, Aussie, Aussie“ – und das ganze Stadion hat mitgeschrieen. Mir ist es eiskalt den Rücken herunter gelaufen, so ein geiles Gefühl war das. Ich habe immer wieder in die Zuschauerränge geschaut und musste mich dann wieder aufs Spiel konzentrieren. Ich habe wirklich gestaunt, als ich das so mitbekommen habe.

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Ich denke, dass in den Jahren danach die Arbeit der Trainerinnen immer mehr gefruchtet hat. Sie hatten ihre Formation über viele Jahre aufgebaut, wir spielten seit langem zusammen und waren eingespielt. Das Grundgerüst der Elf stand, außer dass mal eine Spielerin gefehlt hat. Dann kannst Du dich einfach darauf verlassen und musst es nur immer wieder abrufen. Auf die EM 2001 und die WM 2003 komme ich aber erst im nächsten Teil zu sprechen, habt also etwas Geduld ;-).

Olympia 2004 in Athen

Nach meiner schweren Verletzung bei der WM 2003 habe ich Tina und Silvia versprochen, dass ich die Olympischen Spiele in Athen auf jeden Fall noch mitnehme. Deswegen musste ich alles tun, und letztendlich habe ich es geschafft. Im ersten Spiel gegen China war ich  extrem nervös, weil ich nicht wusste, wo ich stehe. Ich kenne meine Stärken und Schwächen sehr genau und dann ging es gegen diese kleinen, wuseligen Spielerinnen. Ich wusste, dass ich schnell, aber nicht die Schnellste bin. Ich erinnere mich an die erste Aktion. Eine Chinesin machte eine Finte, spielte mich aus und schoss zum Glück am Tor vorbei. Oft hadert man nach solchen Situationen, aber ich habe mich sofort gefangen und konnte mich dann von Spiel zu Spiel steigern.

Das Spiel gegen Nigeria im Viertelfinale war ein schmaler Grat. Aber als ich dann auch noch ein so wichtiges Tor gemacht habe, hat es mir noch mal einen Schub gegeben. So viele Tore schieße ich ja auch nicht. Es war eine schöne und gute Zeit. Doch es fehlte uns dieser letzte Wille, auch einmal Gold zu holen. Unser kämpferischer Einsatz und unsere Laufbereitschaft im Halbfinale waren enorm, aber spielerisch hatten wir gegen die USA an diesem Tag keine Chance. Vielleicht war der Knackpunkt, dass wir nach der WM Maren Meinert und Bettina Wiegmann nicht adäquat ersetzen konnten, das hat dann nur noch für Europa gereicht. Auch wenn wir nur Bronze geholt haben, war ich glücklich. Warum?

Ich fand es toll, dass die fünf U.S.-Pioniere (Mia Hamm, Julie Foudy, Brandi Chastain, Kristine Lilly, Joy Fawcett) noch einmal Gold geholt haben, obwohl die Mannschaft im Endspiel schlechter als Brasilien war und es nicht verdient hatte. Aber es war ein typisch amerikanisches Happy End. Ich war so gerührt und hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so für diese Spielerinnen gefreut habe. Sie haben nämlich wirklich viel für den Frauenfußball getan und waren immer Vorbilder.

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