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Mal wieder das Thema Schiedsrichter und Videobeweis…

Von am 3. Juni 2007 – 9.41 Uhr 6 Kommentare

Eigentlich ging es mir mehr um die Leistungen der Spielerinnen, als ich vor einigen Tagen die „Kicker„-Benotungen der Pokalfinal-Protagonisten zur Diskussion stellte. Doch auch Schiedsrichterin Moiken Jung mit ihren Assistentinnen kam natürlich nicht ungeschoren davon. Anlass für mich, einige Reaktionen nochmal aufzugreifen.

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Gleicher Maßstab für alle

Kann man bei zwei eklanten Fehlentscheidungen noch eine 3,5 geben? „Rainer 48“ verneint dies, während „Denker“ fordert, die Schiedsrichterleistung ins Verhältnis zu der Benotung der fehlpassanfälligen Spielerinnen zu setzen. Eine Ansicht, die ich teile. Die Leistungen der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter stehen ebenso im Fokus des Beobachters wie die Leistungen der SpielerInnen. Ich plädiere dann aber auch dafür, an alle Beteiligten die gleichen Maßstäbe anzulegen und sie sachlich und fair zu bewerten.

Schade ist es dann, wenn etwa „werkselfe“ die Benotung der Schiedsrichterin schlicht als „Frechheit“ bezeichnet, ohne uns darüber aufzuklären, ob sie die Unparteiische besser oder schlechter als der Kicker gesehen hat. Bei dem Dauerfeuer, das die Schiedsrichterinnen derzeit auszuhalten haben, vermutlich eher schlechter. Muss man sich wohl dazu denken. Falsch vermutet? Dann nehme ich Widerspruch gerne entgegen!!!

Videobeweis am Beispiel American Football

Unser Leser „schmidt“ schließlich eröffnet das Thema Videobeweis und verweist auf den American Football, bei dem Kameras das Schiedsrichter-Team bei ihrer Arbeit unterstützen. „Das Spiel wird unterbrochen, bei der TV-Life-Übertragung werden pfiffige Werbespots kurz eingespielt. Dann folgt in Großaufnahme der Hauptschiedsrichter, der kurz und klar und richtig kompromißlos seine getroffene Entscheidung verkündet und begründet. Die Fernsehanstalten wiederholen die zur Entscheidung herangezogenen Bildausschnitte und das Spiel wird wieder fortgesetzt“, schreibt „schmidt“.

Ich persönlich halte es für utopisch, dem Gedanken anzuhängen, man könne strittige Schiedsrichterentscheidungen in Zukunft gänzlich vermeiden. Inwieweit Videoaufzeichnungen Abhilfe schaffen können, um Fehlentscheidungen zu minimieren, ist eine kontroverse, schwierig zu beantwortende Frage.

Auch vorm Fernseher gibt es hitzige Diskussionen

Abgesehen davon, dass dem Frauenfußball die finanziellen Mittel für derlei Technik fehlen, vertrete ich die Ansicht, dass auch mit einem Videobeweis die Meinungen über einzelne Szenen weit auseinander gehen würden. Beispielhaft dafür war doch gerade das Pokalfinale am Samstag. Da gibt es Fernsehaufzeichnungen, dennoch ist der Elfmeterpfiff für Frankfurt in der 3. Minute keinesfalls unumstritten.

Als sinnvoll sehe ich die Videoaufzeichnungen allerdings für die Nachbetrachtung für die jeweiligen Unparteiischen und bei Schiedsrichterseminaren an. Hier kann mit Hilfe von Bildmaterial wesentlich systematischer an Schwächen gearbeitet werden.

Kontingentierter Videobeweis überlegenswert

Allenfalls die Einführung eines begrenzen Videobeweises analog zum Tennis, bei dem seit vergangenem Jahr pro Satz jeder Spieler zwei Mal pro Satz die Möglichkeit hat, eine Linienrichterentscheidung per Computer überprüfen zu lassen, ist eine Überlegung wert. Dadurch, etwa ein Beweis pro Team und Halbzeit, könnten die Unterbrechungen auf ein gesundes Maß begrenzt werden. Abschließend möchte ich auch noch die Frage in den Raum stellen, ob mit dem Videobeweis im American Football wirklich in erster Linie dem Sport gedient werden soll, wenn die Unterbrechungen an den spannendsten Stellen von Werbeblöcken verziert werden.

Denn auch im Tennis ist diese Beweismethode, wie der Kritik Roger Federers zu entnehmen ist, keinesfalls unumstritten. So banal es klingt: Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht. Von allen Beteiligten. Sich damit zu arrangieren, wäre der wichtigste Schritt. Insbesondere für den Frauenfußball, der sich noch über jede einzelne Kamera freuen muss, die überhaupt in den Stadien zu sichten ist.

Lieber die Schiedsrichterinnen mehr fördern

Was nicht heißt, dass keine Notwendigkeiten zur Verbesserung der Schiedsrichterleistungen bestehen. Die sind vorhanden, ohne Zweifel. Auch, weil die Schiedsrichterinnen ihre Aufgaben in ihrer Freizeit erledigen und dafür großen zeitlichen wie psychischen Aufwand betreiben müssen. An dieser Stelle etwas Geld zu investieren, dürfte erfolgsversprechender sein, als vom Königsweg Videobeweis zu träumen.

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6 Kommentare »

  • werkselfe sagt:

    also, ich habe in dem thread geantwortet, aber irgendwie ist meine antwort da verschwunden.

    die note der schiedsrichterin ist eindeutig zu gut. aus der buli kennt man ja schon katastrophale lininenrichterentscheidungen, und was frau jung da im finale so gepfiffen (oder auch nicht) hat, hat sich dem nahtlos angeschlossen.

    sie hat für duisburg wirklich fast alles laufen gelassen, längert muss nach 2 minuten vom feld fliegen. bender hat ihre gelbe karte ziemlich spät bekommen. ich meine, sie hat gut gespielt, aber immer ein bißchen über der grenze des legalen. was frau lingor auf die socken bekommen hat, da muss ein schiri die spielerin auch schon mal schützen.

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  • @ werkselfe

    „also, ich habe in dem thread geantwortet, aber irgendwie ist meine antwort da verschwunden“

    Hm, das kann ich mir nicht erklären. Wird auf einen meiner Beiträge geantwortet, erhalte ich als Hinweis für mich eine Nachricht und der Kommentar erscheint sofort – ohne Freischaltung – im Blog. Da muss es technische Probleme gegeben haben. Schreib‘ uns in solchen Fällen doch bitte einfach schnell eine Mail oder sende den Kommentar nochmal ab. Ansonsten kann ich mich für das technische Problem nur entschuldigen.

    Selbstverständlich kannst du deine Meinung zur Schiedsrichterin auch jetzt noch in den alten Thread stellen.

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  • Satine sagt:

    Ich lese zwar den Kicker, aber mir sind die Noten, die dort (und anderswo) verteilt werden, so ziemlich egal. Fußball ist schließlich Mannschaftssport und wenn einer schlecht spielt, spielen die anderen eben genauso schlecht.
    Schlimmer noch finde ich diese neumodisch Marotte einen Mann (bzw. eine Frau) des Spiels zu küren. Hier geht es doch nur darum, den Marktwert einzelner Spieler zu erhöhen und die Seiten der Zeitung zu füllen.

    Damit sei auch gesagt, dass ich Fehler verzeihen kann. Jeder – der beste Spieler, der aufmerksamste Schiri – macht sie. Den Videobeweis einzuführen wäre sicherlich tödlich für das Spiel.

    Ich habe noch nicht oft American Football gesehen, aber das, was ich gesehen habe, reicht, um den Videobeweis nicht zu mögen. Ein Fußballspiel für mehrere Minuten zu unterbrechen, dabei auch noch Werbung zu schalten und dann zu erwarten, dass die Zuschauer weiterhin ins Stadion gehen oder sich den Zirkus im TV anschauen, wird hoffentlich nie möglich sein.

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  • Markus Juchem sagt:

    Persönlich fände ich den Videobeweis in Ausnahmefällen schon eine Bereicherung. Zumindest bei der strittigen Frage „Tor oder kein Tor?“. So wird das z. B. in Deutschland im Eishockey seit Mitte/Ende der 90er-Jahre erfolgreich gehandhabt. So hätte das Phantom-Tor von Thomas Helmer gegen Nürnberg etwa schnell entlarvt werden können.

    Ich bin allerdings auch dagegen, dass per Videobeweis jede Abseits- oder Foulentscheidung nachträglich diskutiert wird, das würde das Spiel sicherlich zerhacken. Aber auch bei Tätlichkeiten und der Frage „Rot oder nicht rot?“ wäre es schon ein sinnvolles Hilfsmittel.

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  • Detlef sagt:

    Meine Meinung dürfte ja vielen hier bekannt sein!!! Ich bin absolut für eine Videoaufzeichnung der Spiele!!! Aber ich halte sie vor allem für die Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung der Schiedsrichterinnen für ERFORDERLICH!!! KLAR könnte man da auch Spiele der Herren nehmen!!! Aber um den Damen in schwarz, ihre oftmals eklatanten Fehler selbst vor Augen zu führen, wären solche Aufnahmen GOLD WERT!!! Sinnvoll wären sie aber auch bei Protesten, gelben und roten Karten, und bei groben Fouls, die das Schierigespann „übersehen“ hat!!! Hier könnte der DFB NACH DEM SPIEL, kontrollierend eingreifen!!!
    Sollten die Fehler der Unparteiischen so katastrophal gewesen sein, dass eine klar ersichtliche Benachteiligung eines, oder beider Teams erkennbar ist, könnte das Spiel dann auch wiederholt werden!!!
    Während des Spieles, würde ich keine Videokonsultationen zulassen, weil sonst mit der Auswertung von fraglichen Entscheidungen (auch Toren) der Spielfluss abhanden kommt!!!
    Wie ich schon im FF-Forum schrieb, kann so ein Videobeweis auch der Spielleiterin recht geben!!!

    Ein sicher sinnvoller Nebeneffekt solcher Videobilder wäre, dass beide Teams im Nachhinein auch ihre eigene Leistung analysieren könnten!!! Denn gerade im FF-Vereinsbereich, könnten den Trainern anhand von Videoaufnahmen, so wertvolle Unterstützung zu teil werden!!!

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  • Detlef sagt:

    Sorry, eine Sache hab ich noch vergessen!!!
    Der Volksmund dichtet; „WAS NICHTS KOSTET; DASS IST AUCH NICHTS“
    Es steckt hier sicher ein Körnchen Wahrheit drin!!! Also warum zahlt der DFB den Schiedsrichterinnen nicht ein „angemessenes“ Honorar???
    Mit Hilfe der Videoanalyse, ließe sich dann auch feststellen, ob sie diesen Betrag am Ende auch wert sind!!! So könnte man auch die Referees in den unterklassigen Ligen dazu motivieren, mit guten Leistungen in den Genuss von „angemessenen“ Zuwendungen zu kommen!!!

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