Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 2)

Von am 1. Juni 2007 – 3.06 Uhr

steffi_trommel.jpgIm zweiten Teil der Serie „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ schreibt die ehemalige Nationalspielerin über ihren großen Durchbruch bei der Europameisterschaft 1997 in Norwegen/Schweden.

Darüber hinaus erzählt Steffi Jones, wie sie aus den negativen Erfahrungen der Weltmeisterschaft 1999 dennoch Positives gezogen hat.

Nach meiner kurzen Pause bin ich 1996 in die Nationalmannschaft zurückgekehrt. Die Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Atlanta habe ich mitgemacht, doch ich wurde nicht nominiert. Durch einen Zufall – ich glaube, Doris Fitschen hatte sich verletzt – kam ich dann auf die Libero-Position und habe die EM 1997 in der Abwehr gespielt, Doris dann als Vorstopperin, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

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Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 1)

Ich wurde bei der EM viermal zur Spielerin des Spiels gewählt. Und das als Abwehrspielerin, das war schon toll. Man muss allerdings sagen, dass Mannschaften wie Norwegen oder Dänemark damals noch ausschließlich mit langen Bällen gespielt haben. Ich musste die Bälle einfach alle raus hauen, die auf mich zukamen. Da war es nicht schwer, beste Spielerin zu werden, da waren keine kreativen Elemente gefragt. Dieses Turnier war mein Durchbruch, dort habe ich mir die Anerkennung erspielt.

Ich kann mich noch erinnern, dass Tina sich immer einen Spaß daraus gemacht hat, weil ich vor Nervosität ständig auf die Toilette musste. „Geh lieber noch mal“, hat sie oft zu mir gesagt, das war schon lustig. Ich muss sagen, Tina und auch Silvia hatten immer ein Händchen dafür, mit Spielerinnen umzugehen, sie zu motivieren und richtig einzustellen.

Der Rückschlag bei der WM 1999

Dann kam ja schon bald die WM 1999 in den USA. Die anderen Mannschaften hatten einen wahnsinnigen Respekt vor uns, denn unsere Abwehr war das Prunkstück, auf das wir alles aufgebaut haben. Wir waren fast unschlagbar. Doch bei diesem Turnier haben die Medien mein Spiel negativ beeinflusst.

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Denn die Geschichte mit meinem Vater, der in den USA lebt, wurde hochgespielt. Weil ich Englisch sprechen konnte, musste ich von Beginn an oft Interviews geben und ich habe natürlich nicht Nein gesagt, weil es schön war, im Rampenlicht zu stehen. Die amerikanischen Journalisten wollten daraus ein richtiges Spektakel machen, eine Vater-trifft-Tochter-Story. Ich habe mich einfach ablenken lassen und kein gutes Turnier gespielt. Ich wurde zu Recht kritisiert. Ich war nicht extrem schlecht, aber ich war nicht der gewohnte Rückhalt.

Ich habe diese WM in meiner Erinnerung ziemlich verdrängt und gar nicht mehr so präsent. An viele Spielszenen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, obwohl ich sogar ein Tor geschossen habe. Das Spiel gegen die USA im Viertelfinale war ein einziges Auf und Ab. Wir gingen in Führung, dann fiel der Ausgleich. Dann lagen wir wieder vorne, doch am Ende haben wir noch verloren. Das war wirklich schlimm, und wenn man dann auch noch schlecht spielt, verdrängt man so ein Turnier einfach und hakt es ab.

Aber auch diese Erfahrung war wichtig und hat mich einen Schritt weiter gebracht. Ich war mir sicher, dass ich dies nicht auf mir sitzen lassen würde. Ich habe nie aufgegeben, an mir zu arbeiten. Wir kamen zurück und mein damaliger Trainer in Bad Neuenahr, Iraklis Metaxas, hat mich aus der Schusslinie genommen und mir die Zeit gegeben, wieder zu mir zu finden. Das hat mir sehr gut getan und mir für die anstehenden Aufgaben geholfen.

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