Warum Australien bei der WM ein heißer Außenseiter ist

Von am 31. Mai 2007 – 1.29 Uhr 1 Kommentar

In den vergangenen Jahren gehörte Australien bei großen Frauenfußball-Turnieren traditionell zu den unbequemen Gegnern. Mit viel Einsatz und Leidenschaft gingen die Australierinnen zu Werke, am Ende gab es dennoch nicht allzu viel zu holen. Viele glauben, dass dies bei der WM im September in China wieder ähnlich sein wird. Doch manches spricht dafür, dass die „Quantas Matildas“ diesmal zu den großen Überraschungen gehören könnten.

„Wenn wir unser bestes Spiel zeigen, können wir die Welt schocken“, sagte Australiens Trainer Tom Sermanni nach der WM-Auslosung. Purer Größenwahn? Mitnichten. Wer den kantigen, grauhaarigen Schotten kennt, weiß, dass er nicht zu Wahnvorstellungen neigt. In der U.S.-Profiliga WUSA wurde er zu einem der drei besten Trainer gewählt, von 1993 bis 1997 war er schon einmal für die australischen Fußballfrauen verantwortlich.

Seit damals sind zehn Jahre verstrichen, der Frauenfußball in Australien hat sich enorm weiterentwickelt. Die heutigen Nationalspielerinnen verfügen nicht nur wie früher über athletische und kämpferische Qualitäten, sondern auch über bessere technische Grundlagen. Hinzu kommt, dass es Sermanni seit dem Amtsantritt im Dezember 2004 gelungen ist, seinem Team eine Siegermentalität einzuimpfen. Früher war Australien damit zufrieden, eine gute Leistung zu zeigen, heute betritt man den Rasen, um zu gewinnen.

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Teamgeist und mannschaftliche Geschlossenheit

Seit fast zweieinhalb Jahren spielt ein Großteil der Mannschaft zusammen, die Elf ist zu einer festen Einheit gewachsen. Eine Stabilität, die in Australien keine Selbstverständlichkeit ist, denn jahrelang hat genau diese Kontinuität gefehlt. Spielerinnen konnten oft nicht lange im Frauenfußball gehalten werden, die Auswirkungen sind noch heute zu spüren. Bei der WM im September wird Australien erneut einen der jüngsten Kader haben.

Die Gruppengegner aus Norwegen, Kanada und Ghana werden dennoch gut daran tun, die Australierinnen trotz des Mangels an Erfahrung nicht zu unterschätzen. Denn anders als noch bei der WM 2003 kann das Team heute etwa schnell von Abwehr auf Angriff umschalten, die Spielerinnen sind unter Druck weniger fehleranfällig als früher.

„Wir haben eine Gruppe von Spielerinnen beisammen, die sich durch Teamgeist auszeichnen. Sie haben keine Angst, egal gegen welches Team wir spielen“, skizziert der Trainer die Vorzüge seiner Mannschaft. Zu einzelnen Überraschungserfolgen ist die Elf allemal fähig, zwei Drittel der Fans trauen ihrem Team in einer Umfrage sogar die WM-Halbfinalteilnahme zu.

Härtetests gegen Nordkorea

Die ersten sieben Partien des Jahres 2007 gewann man erwartungsgemäß gegen leichte Gegner, dennoch bestach das Team vor allem beim 10:0-Sieg auf Taiwan durch sein gepflegtes Aufbau- und präzises Passspiel. Stürmerin Kate Gill erzielte zuletzt 13 Tore in drei Spielen und war dennoch unzufrieden. Beleg für den großen Ehrgeiz, der die Spielerinnen gepackt hat.

Am Sonntag kommt es zum Härtetest, wenn das Team in Pjöngyang zum ersten der beiden entscheidenden Spiele in der Olympia-Qualifikation gegen Nordkorea antreten muss. Eine Woche später folgt im australischen Coffs Harbour das zweite Duell.

„Ich denke, die Olympia-Qualifikation ist für uns eine gute Vorbereitung auf die WM“, so Sermanni, der vor den Spielen gegen den Weltranglisten-5. vor Selbstbewusstsein strotzt: „Zuerst dachte ich, wir sollten defensiv spielen, aber ich denke, das wäre eine kontraproduktive Botschaft, die ich an meine Spielerinnen aussende, wenn man die Entwicklung des Teams im vergangenen Jahr betrachtet.“

Zu den Spielen gegen Nordkorea wird auch Sally Shipard in den 18-er Kader zurückkehren. Die 19-Jährige hatte wegen einer Fußverletzung seit dem Asien-Cup im Juli 2006 nicht mehr für die Nationalmannschaft gespielt. Auch die erfahrene Mittelfeldspielerin Alicia Ferguson wird seit dem Peace Cup in Südkorea im vergangenen November erstmals wieder zum Kader gehören.

Angeführt von der routinierten Spielführerin Cheryl Salisbury will man zunächst die Weichen für die Olympia-Teilnahme stellen, um dann bei der WM den Großen das Fürchten zu lehren.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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