Torhüterinnen-Wechsel: Misslungener Schachzug

Von am 27. Mai 2007 – 8.40 Uhr 2 Kommentare

Berlin – Duisburgs Trainer Thomas Obliers musste das unglücklich verloren gegangene Pokalfinale erst einmal für sich verdauen. Mutterseelenallein stand er in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und gönnte sich ein paar kräftige Züge an seiner Zigarette. Zu aufwühlend waren die Ereignisse des Tages und der gesamten vergangenen Woche gewesen. Zudem musste er sich eingestehen, dass der Einsatz von Ersatztorhüterin Lena Hohlfeld für Kathrin Längert nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte.

Im Handball ist es gang und gäbe, bei Siebenmetern den Torhüter auszuwechseln, um das gegnerische Team zu verunsichern, im Fußball hat man derlei Vorgehensweise bisher nur selten gesehen, etwa zuletzt im Viertelfinale des DFB-Pokals bei den Männern, als Nürnbergs Trainer Hans Meyer Ersatztorhüter Daniel Klewer für die Nummer 1 Raphael Schäfer zum Elfmeterschießen einwechselte. Mit Erfolg.

Obliers hatte mit seiner Entscheidung weniger Glück. „Wir haben vor dem Pokalfinale Elfmeterschießen trainiert, da hat Lena Hohlfeld den besseren Eindruck gemacht“, rechtfertige er die Maßnahme. „Wir haben uns kurzfristig, knapp zehn Minuten vor Schluss, für den Wechsel entschieden. Ich kann verstehen, dass Kathrin Längert enttäuscht ist. Wenn man am Ende verliert, hat sich dieser Wechsel natürlich nicht gelohnt“, musste Obliers einräumen. „Aber ich stehe für diese Entscheidung gerade.“

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Hohlfeld schien im Elfmeterschießen vor allem Probleme zu haben, sich an die Witterungsverhältnisse anzupassen und Halt auf dem rutschigen Rasen zu finden. Gleich mehrfach rutschte sie bei ihren Abwehraktionen aus.

Unter den Duisburger Spielerinnen schien man nicht gerade begeistert über den Torhüterinnenwechsel zu sein. „Da müssen Sie den Trainer fragen“, so die trockene Reaktion von Annike Krahn.

Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks meinte: „Lena Hohlfeld ist größer, vielleicht war das der Grund für den Wechsel. Meine Spielerinnen haben aber die richtige Antwort gegeben.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Rainer48 sagt:

    Schwierige Geschichte. Grundsätzlich mag eine solche AKtion gelegentlich was einbringen, aber sein Stammtorhüterin in einem DFB-Pokalfinale ohne NOt auszuwechseln ist schon eine harte Sache. Sportlich zumindest zweifelhaft, menschlich definitiv eine ungute Entscheidung.

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  • Claudia sagt:

    Trifft’s IMO sehr gut:
    NRZ-Artikel

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