Pokalheldin Holl: „Es ist ein schöner Abschied für mich“

Von am 27. Mai 2007 – 7.54 Uhr

Holl_WarmupBerlin – Viel wurde im Vorfeld spekuliert, welche der Stürmerinnen wohl für die Entscheidung im 27. DFB-Pokalfinale sorgen würde.

Doch am Ende entschied eine Torhüterin das Spiel, die nur noch kurze Zeit in den Reihen des 1. FFC Frankfurt zu finden sein wird.

Die Schlüsselszene des nicht immer hochklassigen, aber dafür umso spannenderen Finales spielte sich im Elfmeterschießen bereits beim zweiten Elfmeter ab. Wie ein Raubtier, das seine Beute anvisiert, beobachtete Uschi Holl hoch konzentriert, wie die junge Duisburgerin Vanessa Martini zum Elfmeter anlief.

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Kraftvoll drückte sich die 24-Jährige vom Boden ab, sprang intuitiv in die richtige Richtung und parierte den wahrlich nicht schlecht getretenen Ball. „Ich habe mich spontan für diese Ecke entschieden“, so Holl nach dem Spiel. Nach dem zuvor sicher verwandelten Elfmeter von Birgit Prinz zum 1:0 war der psychologische Druck auf Duisburg nun immens, der Bundesliga-Spitzenreiter wieder obenauf.

Als Holl dann auch noch einen zweiten Elfmeter hielt, war den Frankfurterinnen der sechste Pokalerfolg nicht mehr zu nehmen. „Es war schon ein Riesengefühl, zweimal richtig zu liegen.“ Die nur durch die Verletzung von Silke Rottenberg zu einem Stammplatz gekommene zweite Torhüterin des FFC bewies zum Abschluss ihrer Zeit in Frankfurt noch einmal, wie wertvoll sie ist.

FFC-Manager Siegfried Dietrich war ob der Leistung seiner Torhüterin ein wenig wehmütig. „Es tut weh, sie gehen zu lassen, aber wir haben mit Stephanie Ullrich auch eine sehr gute Torhüterin geholt. Für Holl haben wir aber immer schon sehr viele Sympathien gehabt, sie hat uns in vielen Szenen immer wieder geholfen.“

Holl empfiehlt sich für höhere Aufgaben

„Es ist ein schöner Abschied für mich, mit dem Pokalsieg und vielleicht sogar der Meisterschaft abzutreten, aber für mich steht jetzt bald eine neue Herausforderung an.“ Nach Saisonende wechselt Holl nach Bad Neuenahr, ein Entschluss, der in der Hinrunde reifte. Nicht länger wollte sie sich mit dem Reservistendasein hinter der Nummer 1 zufrieden geben.

„Es gab noch zwei, drei andere Angebote, aber ich habe mich für Bad Neuenahr entschieden, weil ich dann wegen der Nähe zu Frankfurt nicht umziehen muss. Ich habe eine Vereinbarung mit dem Trainer, dass ich zwei- bis dreimal die Woche nach Bad Neuenahr fahre.“

Mit der tollen Leistung im Pokalfinale vor den Augen der Nationaltrainerin Silvia Neid dürfte Holl auch kräftig Pluspunkte im Kampf um ein WM-Ticket gesammelt haben. „Mit guten Leistungen kann man sich immer für die Nationalmannschaft empfehlen, aber so ein Elfmeterschießen findet ja nur selten statt. Ich will jetzt noch zwei, drei gute Spiele im Verein machen und dann in der WM-Vorbereitung zeigen, was ich drauf habe. Das wird entscheidend sein. Und dann fahre ich hoffentlich mit zur WM nach China.“

Doch vor den nächsten Aufgaben war am Abend erst einmal Partyzeit angesagt. „Ich feiere gerne und mache auch gerne Stimmung, deswegen werde ich sicherlich einige Lieder zum Besten geben.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.