Erinnerungen: „Ich war dabei!“

Von am 26. Mai 2007 – 11.19 Uhr

Achtmal in Folge stand der 1. FFC Frankfurt im Finale des DFB-Pokals. Vom ersten Finale am 12. Juni 1999 bis zum achten Finale am 29. April 2006 erinnern sich Beteiligte an fünf traumhaft schöne Momente, doch auch an drei bittere Niederlagen.

12. Juni 1999: FCR Duisburg – 1. FFC Frankfurt 0:1

Nia Künzer: „Es war unser erstes DFB-Pokalendspiel, daher werde ich es nie vergessen. Der 1. FFC Frankfurt war erst wenige Monate alt und wir haben gleich das Double geholt. Unser Team bestand aus Routiniers wie Doris Fitschen und Küken wie Katrin Kliehm. Ich war damals 19 Jahre jung und hatte bereits den zweiten Kreuzbandriss hinter mir. Bis zuletzt wusste ich nicht, ob ich zur Anfangself gehören würde. Dann bekam ich die Aufgabe, Torjägerin Inka Grings zu bewachen. Obwohl es in Strömen regnete war die Kulisse im Berliner Olympiastadion gigantisch. Es stand 0:0. Als ich mit links aus der Drehung abzog, ging mir durch den Kopf, dass Doris Fitschen besser postiert war und ich lieber gepasst hätte. Der langsame Ball ging aber ins Netz zum 1:0-Sieg für uns. Ein insgesamt verdienter Erfolg für unsere Mannschaft. Und nach meinem Tor stand ich plötzlich und überhaupt nicht vorbereitet im Fokus der Medien. Die Rückreise ins Hotel war feuchtfröhlich, es wurde unheimlich viel gesungen und hinterher bis in die Morgenstunden gefeiert.“

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6. Mai 2000: 1. FFC Frankfurt – Sportfreunde Siegen 2:1

Doris Fitschen: „Schon vor meiner Zeit bei Siegen und Frankfurt bin ich jedes Jahr als Fan zum Pokalendspiel nach Berlin gefahren. Im Mai 2000 ging es dann mit dem FFC gegen meinen früheren Verein. Es war etwas Besonderes, gegen die ehemaligen Kolleginnen zu spielen. Unterschiedlicher hätte es kaum sein können. Mit Siegen übernachteten wir in einer Jugendherberge am Wannsee. Mit dem 1. FFC Frankfurt in einem Luxushotel mitten in der City, abends waren wir alle gemeinsam im Friedrichsstadtpalast, die Pokalfeier im Hotel ging bis 4.30 Uhr und nach nur zwei Stunden Schlaf ging es zum Flughafen. An das Spiel habe ich schmerzliche Erinnerungen. Ich war verletzt, wollte mir dieses Highlight aber nicht entgehen lassen und ließ mich fit spritzen. Trotzdem musste ich später ausgewechselt werden. Aber als Renate Lingor mit einem tollen Heber Silke Rottenberg überwand und wir danach aus der Hand des Bundespräsidenten  Johannes Rau den Pokal bekamen, waren die Schmerzen vergessen.“

26. Mai 2001: 1. FFC Frankfurt – FFC Flaesheim-Hillen 2:1

Renate Lingor: „Ein Großteil der Zuschauer stand an diesem Tag hinter Flaesheim-Hillen, da nach uns die Männer von Schalke 04 spielten und sich als Trikotsponsor der nur 30 Kilometer entfernt beheimateten Frauenmannschaft engagierten. Mit der Unterstützung der Fans wuchs der Gegner über sich hinaus. Wir waren haushoher Favorit, taten uns aber schwer. Sekunden vor der Halbzeit erzielte der Gegner mit seinem ersten Angriff überhaupt sogar die Führung. Nach der Pause bekamen wir deutlich mehr Tempo in die Partie, was sich in der Folge auszahlen sollte. Schon drei Minuten nach Wiederanpfiff konnte ich den Ball durch die Beine der Torhüterin von Flaesheim-Hillen spielen, den Birgit Prinz zum 1:1 abstaubte. Eine Viertelstunde vor Schluss wurde Jennifer Meier angespielt, die daraufhin für die Entscheidung zu unseren Gunsten sorgte. Die Atmosphäre war einfach riesig. Unsere Pokalfeier fiel allerdings etwas kürzer aus als sonst, weil wir schon am Tag darauf zur Nationalmannschaft reisen mussten.“

11. Mai 2002: 1. FFC Frankfurt – Hamburger SV 5:0

Birgit Prinz: „Dieses Endspiel habe ich gerne in Erinnerung behalten, weil der Titelgewinn damals der Auftakt zum erfolgreichsten Jahr in der der Vereinsgeschichte des 1. FFC Frankfurt war. Nach dem Gewinn des DFB-Pokals folgte eine Woche später der Sieg im UEFA-Pokal im Waldstadion, bevor wir schließlich auch noch die Deutsche Meisterschaft holen konnten. Das Spiel gegen einen unglaublich defensiv eingestellten HSV entschieden wir deutlich mit 5:0 für uns. Nachdem wir den Hamburger Abwehrriegel das erste Mal geknackt hatten, ließ die Gegenwehr immer mehr nach. Drei Tore konnte ich damals zu diesem Erfolg beisteuern, der durch Treffer von Renate Lingor und Nia Künzer abgerundet wurde. Da der DFB-Pokalsieg der erste Titelgewinn 2002 war, feierten wir ausgelassen. Das letztlich sogar das „Triple“ in diesem Jahr heraussprang, konnten wir ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.“

31. Mai 2003: 1. FFC Frankfurt – FCR 2001 Duisburg 1:0

Pia Wunderlich: „letzte Minute dieses Endspiels werde ich wohl nie vergessen. Vor diesem Finale erlitt ich einen Muskelfaserriss. Der war zwar ausgeheilt, aber ich war noch nicht hundertprozentig fit, um von Anfang an spielen zu können. Bei der Mannschaftsbesprechung wurde ausgemacht, dass ich im Falle, dass es eng wäre, eingewechselt werde. Eine Viertelstunde vor Schluss stand es immer noch 0:0, da kam ich als Stürmerin rein. Es war heiß und wir machten uns bereits Gedanken über das „Nachsitzen“. Ich sehe das Bild vor meinen Augen: Idgie zirkelte erneut einen Freistoß. Ich stieg hoch, mit mir Martina Voss, die ihr letztes Spiel für Duisburg bestritt. Und sie köpfte den Ball unglücklich ins eigene Tor. 30.000 Zuschauer schrien und klatschten. Und ich musste immer wieder jedem sagen, dass ich es gar nicht war. Die Rückreise nach Kleinmachnow war triumphal. Und bei der tollen Pokal-Fete ließen die Sponsoren immer wieder den 45 cm hohen Pott mit Wodka-Red-Bull füllen.

29. Mai 2004: 1. FFC Frankfurt – 1. FFC Turbine Potsdam 0:3

Steffi Jones: „So paradox es klingen mag: Wir hatten in diesem Jahr trotz des „Leverkusen-Syndroms“ die beste Stimmung innerhalb der Mannschaft. Nur auf dem Spielfeld waren wir physisch wie mental platt, wollten sehr, konnten es aber nicht umsetzen. Und so verloren wir alle drei Endspiele. In Berlin war es ganz drastisch: Potsdam hatte einfach klasse gespielt, war uns derart überlegen, dass wir hinterher nicht einmal wehmütig vom Platz gegangen sind, sondern ausgiebig feiern konnten. Obwohl wir überhaupt die erste Pokal-Niederlage nach 29 gewonnenen Partien hinnehmen mussten, war die Fete im Hotel in Kleinmachnow die vielleicht gelungenste Feier aller Berlin-Reisen. Ganz toll fand ich auch das Programm in Berlin. Dieses traditionelle Rahmenprogramm wurde nach der zweiten Pokal-Niederlage ein Jahr später abgeschafft. Schade, aber irgendwie auch verständlich, denn es war schon auch anstrengend und wir wollten baldmöglichst im Olympiastadion wieder gewinnen.“

28. Mai 2005: 1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 3:0

Klaus-Peter Müller (Commerzbank-Chef): „Kurz nach dem Beginn unserer bisher sehr erfolgreichen Zusammenarbeit stand gleich das erste Großereignis im Berliner Olympiastadion an. Der erste Blick ins Olympiastadion war überwältigend und wer noch nie auf dem heiligen Rasen dieser traditionsträchtigen Arena stand, bekommt zwangsläufig eine Gänsehaut. Mir erging es nicht anders. Es war schrecklich heiß, ein Hitze-Kessel, der von den Spielerinnen alles abverlangte. Der 1. FFC verlor am Ende gegen eine starke und glücklichere Mannschaft. Das meinten auch die vielen ehemaligen Nationalspieler, die im VIP-Bereich das Frauenspiel analysierten. Auf der Heimfahrt ins Hotel herrschte Grabesstille, die Niedergeschlagenheit war groß. Aber schon bei der Players Night hatten sich alle gefangen und feierten bestimmt nicht schlechter als die Sieger.“

29. April 2006: 1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 2:0

Bodo Adler (Sponsor/Förderer): „Als wir zum Spiel fuhren und kurz vor der Stadioneinfahrt vom Turbine-Bus überholt wurden, ahnte ich nichts Gutes. Und genauso kam es. Wir waren die bessere Mannschaft, verloren aber mit 0:2. Ich hatte dennoch Grund zur Freude: Nicht jeder kann sich rühmen, dass ihm der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin die Hand geschüttelt haben. Der Rückflug war ein Abenteuer. Wir wurden dreimal von Schalter zu Schalter gejagt. Und als wir endlich eingecheckt hatten, entdeckten wir, dass die Eintracht, die mit uns gleichzeitig am Flughafen eintraf, längst durch die Kontrolle war.“

(Auszüge aus dem FFC-Special zum DFB-Pokalfinale 2007. Mit freundlicher Genehmigung des 1. FFC Frankfurt)

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.