Tina Wunderlich: „Ich habe immer noch ein Kribbeln im Bauch“ (Teil 2)

Von am 25. Mai 2007 – 10.02 Uhr

Im zweiten Teil des Interviews mit Womensoccer.de spricht Tina Wunderlich über ihr großes Vorbild und ihre Pläne für die Zeit nach dem Fußball.

Womensoccer.de: Ist denn die Stimmung im Team besser als im Vorjahr?

Tina Wunderlich: Ich denke, dass wir uns irgendwo zusammengerauft haben. Der Erfolg hat da geholfen. Wir unternehmen mit der Mannschaft auch einmal Dinge abseits des Trainings. Wir waren beim Eishockey bei den Frankfurt Lions und auch mal Schlittschuhlaufen. Diese Saison haben wir einen guten Teamgeist.

Anzeige

Tina Wunderlich: „Ich habe immer noch ein Kribbeln im Bauch“ (Teil 1)

Womensoccer.de: In den Medien fällt Ihr Name eher selten, ärgert Sie das?

Tina Wunderlich: Dieses Problem haben alle Abwehrspielerinnen. Steffi Jones ist eine Ausnahme. Ich gönne ihr das und sie vertritt uns in den Medien auch sehr gut. Für mich ist es nicht wichtig, im Mittelpunkt zu stehen, das ist nicht unbedingt meine Welt. Steffi und auch Renate (Lingor) fühlen sich eher wohl dabei, ganz im Gegensatz zu Birgit (Prinz). Ich würde mich auf einer Skala zwischen Steffi und Birgit eher Richtung Birgit einstufen (lacht).

Womensoccer.de: Sie kommen gerade von der Arbeit. Wie lebt es sich mit der Doppelbelastung?

Tina Wunderlich: Ich habe eine 80-Prozent-Stelle am Flughafen in der Personalabteilung von Fraport. Ich werde immer freigestellt, von daher kann ich sehr zufrieden sein. Man muss beides vereinbaren können. Ich bin nicht mehr die Jüngste und auch nach dem Fußball gibt es noch ein Leben. Trainerin möchte ich nicht werden, man muss sehen, was sich entwickelt. Ich bin aber auf einem guten Weg, meine Zukunft zu planen, vielleicht geht es ja Richtung Marketing. Auch unabhängig vom Finanziellen ist mir dieses zweite Standbein wichtig.

Womensoccer.de: Haben Sie denn einen Lieblingsverein, mit dem Sie fiebern?

Tina Wunderlich: Ich bin Stuttgart-Fan, seit ich ein junges Mädchen bin. Das liegt an Jürgen Klinsmann, der damals beim VfB spielte und bis heute mein Vorbild ist. Ich habe ja im Sturm angefangen. Man hat ja auch bei der WM gesehen, was er geleistet hat und wie er den Fußball lebt. Leider habe ich ihn noch nicht persönlich kennen gelernt.

Warum haben junge Mädchen oft Spieler und nicht Spielerinnen als Vorbild?

Tina Wunderlich: Es ist ganz normal, dass unsere Generation noch männliche Vorbilder hatte. Als ich ein junges Mädchen war, stand der Frauenfußball noch nicht so im Mittelpunkt, ich werde ja bald 30. Bei den Kindern heute ist das aber anders, die würden eher Lingor, Jones, Meinert oder Wiegmann sagen.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.