Tina Wunderlich: „Ich habe immer noch ein Kribbeln im Bauch“ (Teil 1)

Von am 24. Mai 2007 – 9.26 Uhr

wunderlich_itw1.jpgAls einzige Spielerin hat Tina Wunderlich nicht nur alle acht Frankfurter Endspiele im DFB-Pokal bestritten, sondern stand sogar in jedem Finale über volle 90 Minuten auf dem Platz.

Im ersten Teil des Interviews mit Womensoccer.de spricht sie über den besonderen Reiz des Pokalfinales und die Chancen auf den Titelgewinn.

In Teil 2 erfahren wir morgen, wer ihr großes Vorbild ist und wie ihre Pläne für die Zeit nach dem Fußball aussehen. Womensoccer.de: Sollen wir Ihnen wirklich glauben, dass Ihnen gar nicht bewusst war, dass sie alle Pokalendspiele bestritten haben?

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Tina Wunderlich: Das schon, aber mir war nicht bewusst, dass ich die einzige Spielerin bin, die in all diesen Spielen jeweils 90 Minuten auf dem Platz stand. Das war überraschend für mich, denn wir haben ja viele Spielerinnen, die schon lange dabei sind.

Womensoccer.de: Können Sie sich denn noch an jedes einzelne Finale erinnern?

Tina Wunderlich: Ich könnte nicht mal mehr alle Begegnungen aufzählen und ich habe auch keine Ergebnisse im Kopf.

Womensoccer.de: Gab es denn eines, das ganz besonders für Sie war?

Tina Wunderlich: Ein tolles Erlebnis war das Finale gegen Siegen, weil ich gebürtig aus der Gegend dort komme. Aber sonst hatten alle fünf Siege ihren eigenen Reiz. Auch die Niederlagen haben Geschichte geschrieben und Spuren hinterlassen, aber die Siege stehen im Vordergrund.

Womensoccer.de: Erklären Sie uns den besonderen Reiz des Pokalfinales.

Tina Wunderlich: Es ist immer noch das Ereignis schlechthin im Frauenfußball, auch wenn die Meisterschaft durch die Teilnahme am UEFA-Cup in den letzten Jahren aufgewertet wurde. In Berlin ist die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball am höchsten. Die Leute erinnern sich eher an die Finalisten des Pokalfinales, als an den Deutschen Meister. Für uns ist es natürlich ein Highlight, vor so vielen Zuschauern in einem derart großen Stadion zu spielen.

Womensoccer.de: Hat sich über die Jahre für Sie etwas verändert?

Tina Wunderlich: Man ist vor jedem Pokalendspiel nervös, alleine wenn man ins Stadion kommt und es schon relativ gut gefüllt ist. Ich habe immer noch ein Kribbeln im Bauch, das hat sich über die Jahre nicht abgenutzt.

Womensoccer.de: Und das Drumherum?

Tina Wunderlich: Da hat sich alleine durch die Medienpräsenz eine Menge verändert. Die Spielerinnen stehen insgesamt mehr im Mittelpunkt, auch junge Spielerinnen geraten ins Rampenlicht, wie Isabell Kerschowski im letzten Jahr, die keiner kannte und die plötzlich in aller Munde war. Das ist schon ein großer Gegensatz zu 1999, wo wir das erste Mal im Finale standen.

Womensoccer.de: Kommen wir zur aktuellen Situation.

Tina Wunderlich: Wir wollen den Pott wieder nach Frankfurt holen, darauf ist unsere Vorbereitung ausgerichtet. Wir haben mit der Mannschaft eine gute Saison gespielt, auch wenn ein paar dumme Remis dabei waren. Ich verstehe mich in der Innenverteidigung mit Steffi (Jones) gut, die Kommunikation klappt und deswegen haben wir auch nicht viele Gegentore kassiert.

Womensoccer.de: Ist es ein psychologischer Vorteil, Duisburg in der Bundesliga zweimal geschlagen zu haben?

Tina Wunderlich: Das kann auch ein Nachteil sein, das ist immer schwer zu sagen. Man muss sehen, wie sich die jungen Spielerinnen im Duisburger Team in diesem großen Stadion zurechtfinden. Viele spielen dort das erste Mal, deswegen glaube ich schon, dass wir einen kleinen Vorteil haben, weil wir schon zwei- oder dreimal komplett mit der Mannschaft in Berlin gespielt haben, auch jüngere Spielerinnen wie Meike Weber. Aber ich kann schwer einschätzen, wie nervös Duisburg sein wird. Sie haben ja auch erfahrenen Spielerinnen wie Inka Grings im Team. Aber von unserem Denken her ist das egal. Wir müssen unsere Leistung bringen, um zu gewinnen.

Teil 2 des Interviews folgt morgen

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.