“Es ist mein drittes Pokalfinale, aber es ist immer wieder herrlich!”

Von am 23. Mai 2007 – 8.51 Uhr 7 Kommentare

Gerd Gottlob (Copyright NDR/Marcus Krüger)Wenn die ARD am Samstag über sechs Stunden von den DFB-Pokalfinals aus Berlin berichtet, dann werden die Zuschauer beim Frauen-Finale die Stimme von Gerd Gottlob zu hören bekommen. Nicht zum ersten Mal, denn Gottlob ist schon lange dabei und kommentiert regelmäßig auch die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft.

Im Gespräch mit womensoccer.de spricht Gottlob über seine journalistische Frauenfußball-Vita, den Stellenwert des Frauenfußballs, das bevorstehende Pokalfinale und die deutsche Nationalmannschaft.

Womensoccer: Seit wann kommentieren Sie Frauenfußball-Spiele?

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Gottlob: Ziemlich genau seit 10 Jahren, 1997 bei der EM in Schweden/Norwegen habe ich die ersten Frauen-Länderspiele kommentiert. 1995 bei der WM war ich als Redakteur schon mit dabei.

Womensoccer: Wie haben Sie zuvor den Frauenfußball wahrgenommen?

Gottlob: In meinem Heimatverein spielte die Frauen-Mannschaft am Sonntag immer nach der A-Jugend und vor den Herren, und die Frauen waren richtig gut. Das war so Anfang der 80er. Also, Frauenfußball war mir nicht unbekannt, stand in der Prioritätenliste aber nicht ganz oben, um ehrlich zu sein. Den Gewinn des EM-Titels in Osnabrück mit der ersten großen TV-Übertragung habe ich aber dann schon als (schreibender) Journalist einzuordnen gewusst.

Womensoccer: Hat sich Ihre Sicht auf den Frauenfußball geändert, seit sie die Spiele als Reporter begleiten?

Gottlob: Es hat sich einfach eine große Selbstverständlichkeit entwickelt, mit der über Frauenfußball berichtet wird, und das ist bei mir nicht anders. Frauenfußball ist überhaupt nichts Außergewöhnliches mehr, sondern ein völlig natürlicher Bestandteil der Fußball-Szene.

Womensoccer: Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs seit ihrem ersten Spiel (national wie international)?

Gottlob: Sehr positiv, da hat sich meiner Meinung nach enorm viel getan. Technik, Taktik, Athletik sind sehr viel besser geworden. Was immer noch negativ auffällt, ist in der Bundesliga die Diskrepanz zwischen den wenigen Topteams und den nachfolgenden Vereinen. Dass Brauweiler mit 0 Punkten aus der Liga geht, ist schon sehr bitter.

Womensoccer: Wer waren die ersten Kontaktpersonen, über die Sie Informationen zum Frauenfußball bezogen haben?

Gottlob: 1993 kommentierte Gerhard Delling für die ARD die Frauenspiele bei der EM in Italien, und ich war sein Assistent. Da haben wir vor allem viel mit dem damaligen Trainer Gero Bisanz gesprochen und natürlich mit seiner Assistentin und Nachfolgerin Tina Theune-Meyer.

Womensoccer: Wie bereiten Sie sich auf die Spiele vor und woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Gottlob: Die beste Vorbereitung ist natürlich, Spiele der Teams vor Ort zu sehen. Die beiden Halbfinals habe ich mir schon auf DVD angesehen, und dann werde ich natürlich auch mit den Trainern sprechen. Zeitnah zum Spiel, also wahrscheinlich am Freitag, und ich gehe noch mal zum Training. Und natürlich lese ich viel über die Teams, da ist das Internet natürlich ein Segen im Vergleich zu früher.

Womensoccer: Wie unterscheidet sich die Vorbereitung auf ein Frauenspiel von der auf ein Männerspiel?

Gottlob: Da gibt es eigentlich keinen Unterschied, zumindest nicht bei mir.

Womensoccer: Vielfach wird das familiärere Umfeld beim Frauenfußball und die größere Offenheit der Beteiligten hervorgehoben – können Sie das aus eigener Erfahrung bestätigen?

Gottlob: Absolut. Ich habe ja vor allem mit der Nationalmannschaft zu tun, und dort geht es uns gegenüber sehr offen und herzlich zu. Was nicht ausschließt, dass man mal auch unterschiedlicher Meinung sein kann in der Bewertung von Spielen und Leistung einzelner Spielerinnen.

Womensoccer: Bei der deutschen Nationalmannschaft lief es in diesem Jahr noch nicht so rund wie gewohnt. Welche Erklärung haben Sie dafür und wie schätzen Sie die Chancen der Neid-Elf bei der WM ein?

Gottlob: All die Spiele, die nicht so toll gelaufen sind in diesem Jahr, habe ich nicht gesehen, deshalb fällt mir da ein Urteil aus der Ferne schwer. Als es um etwas ging, war die deutsche Mannschaft ja da und gewann klar und deutlich. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, den „Hänger“ jetzt zu haben. Silvia Neid weiß ja sehr genau, wo sie hin will und das wird schon noch besser als zuletzt, ganz sicher. Der Weg ins Halbfinale ist zwar schwer, aber unter die ersten Drei wird Deutschland kommen.

Womensoccer: Werden wir Sie auch bei der WM in China als Kommentator erleben?

Gottlob: Nein, dort wird Bernd Schmelzer vom Bayerischen Rundfunk für die ARD kommentieren.

Womensoccer: Ist es für Sie etwas Besonderes, Reporter bei einem solchen Großereignis wie dem Pokalfinale zu sein?

Gottlob: Absolut, es ist ja schon mein drittes Frauen-Pokalfinale, aber es ist immer wieder herrlich. Frankfurt – Duisburg hatte ich vor vier Jahren ja schon mal, damals die Duisburger Niederlage durch ein Eigentor von Martina Voss in ihrem letzten Spiel.

Womensoccer: Wie sehen Sie die Entwicklung der beiden Finalisten im Laufe der Saison, speziell auch nach der Vorentscheidung in der Meisterschaft am vergangenen Sonntag?

Gottlob: Es war ja wunderbar spannend oben, bis Frankfurt auch das Rückspiel gegen Duisburg gewann. Aber klasse, wie Duisburg mit dieser jungen Mannschaft gegen hielt. In der Meisterschaft wird sich die Leistungsdichte der Frankfurterinnen ja durchsetzen.

Womensoccer: Haben Sie einen Tipp für das Finale am Samstag?

Gottlob: Natürlich nicht! Ich freue mich auf ein schönes Spiel mit vielen Toren bei toller Stimmung!

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7 Kommentare »

  • Christina sagt:

    Bernd Schmeltzer wird für die ARD die WM in China kommentieren. Das is schön. Also wirds wenigstens übertragen!!!! *freu*

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  • Markus Juchem sagt:

    Wir haben schon mehrfach bei der ARD-Pressestelle angefragt, die offizielle Sprachregelung lautete bisher immer „die Verhandlungen laufen noch“.

    Soweit mir bekannt ist, wurden die Verträge aber inzwischen unterzeichnet. Allerdings ging es wohl „nur“ um die Spiele der deutschen Mannschaft.

    Man kann nur hoffen, dass mit Eurosport eine Einigung zustande kommt, so dass wir auch ein paar Spiele der anderen Teams im Fernsehen zu sehen bekommen…

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  • Christina sagt:

    Mir reicht, wenn die deutsche Mannschaft übertragen wird! *g* Die Zeiten sind ja 11:00 Uhr und 14:00 Uhr…. also ganz passabel, nur wenn man arbeitet nicht!

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  • Julia sagt:

    Also ich würde schon gerne mehr als nur die Spiele der deutschen Mannschaft sehen. Das gehört doch zu einer WM dazu, ist ja keine deutsche Meisterschaft. 😉

    Hoffentlich überträgt da Eurosport was, ähnlich wie bei der Handball-WM.

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  • Claudia sagt:

    War doch ganz okay der Kommentar von Gottlob.

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  • schmidt sagt:

    Gottlobs Kommentar war nicht so ausgewogen, wie er hätte sein können. Seine Parteilichkeit, seine eigenen Einschätzungén zum Spielverlauf und seine Spielanalyse waren sicherlich nicht nur mir allein auffallend und meist mehr auf Seiten des 1. FCC Frankfurt. Warum war es dem Sender nicht auch im Ladies-Finale wichtig dem sympathischen Herrn Gottlob ein kompetentes Gespann zur Seite zu stellen, wie es ihm mit Herrn Delling und Herrn Netzer beim Gentlemen-Finale möglich und wertvoll war.

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  • Claudia sagt:

    „Ladies-Finale“ und „Gentlemen-Finale“ – klingt lustig.

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