Der Irrweg der Inka Grings

Von am 13. Mai 2007 – 17.09 Uhr 11 Kommentare

Mit 22 Toren in 13 Spielen der Frauenfußball-Bundesliga ist Inka Grings in der laufenden Saison die treffsicherste deutsche Stürmerin. Ihr Ärger über die Nichtnominierung für die Nationalmannschaft ist aus sportlicher Sicht nachvollziehbar. Doch einmal mehr hat die 28-Jährige nun den falschen Weg gewählt, um ihren Unmut zu kanalisieren. Und sich damit wohl endgültig ins Abseits befördert.

Im Interview mit der NRZ (Neuen Ruhr Zeitung/Neue Rheinzeitung) sagt sie über ihre Nicht-Berücksichtigung: „Inzwischen ist es nicht mehr vertretbar.“ Was sie als selbstbewusste Aussage einschätzt, ist nicht weniger als die öffentliche Bloßstellung von Bundestrainerin Silvia Neid. Mit der sie Neid in die Ecke drängt und sich in den Kompetenzbereich der Trainerin einmischt. Denn was „vertretbar“ ist oder nicht, hat allein die Bundestrainerin als Verantwortliche der Nationalmannschaft zu entscheiden.

„Wir müssen in Kürze ein Gespräch führen, um zu wissen, worum es geht. Das hat jeder verdient“, sagt Grings. Doch warum hat sie dieses Gespräch mit Neid – das letzte liegt fast ein Jahr zurück – nicht gesucht, bevor sie den Weg über die Öffentlichkeit ging?

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Will Neid ihr Gesicht und ihre Autorität wahren, kann sie der Duisburgerin nun kaum noch die Tür öffnen. Denn die Signalwirkung auf andere Spielerinnen wäre fatal: Man muss sich nur öffentlich beschweren, dann entwickeln sich die Dinge schon im eigenen Sinne. Genau diese Art von Unruhe ist es, die Neid bei einer Weltmeisterschaft am allerwenigsten gebrauchen kann.

Wie schon im vergangenen Jahr beim Machtkampf mit Duisburgs Trainer Dietmar Herhaus hat Grings in der Sache möglicherweise Recht, in der Wahl ihrer Mittel hat sie sich leider jedoch erneut vergriffen. Und ein Happy-End ist diesmal mehr als fraglich.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • werkselfe sagt:

    bisher fand ich den blog hier echt gut, aber so langsam ändert sich meine einschätzung. sie wird ja wohl kaum zur nrz gerannt sein und dem reporter die fragen in den mund gelegt haben. die ecke, in die der artikel inka rückt, gefällt mir gar nicht und bei aller objektivität müsst ihr euch wohl auf kritik einrichten, kritik, die ich hiermit eindeutig äußere.

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  • Goldfinger sagt:

    Ich finde nicht, dass Inka Grings sich in der Wahl ihrer Mittel vergriffen hat, und schließe mich dem Kommentar meines Vorredners an.

    Anstelle zur Abwechslung auf Inka Grings herumzureiten, würde mich eine Analyse der Arbeit der Bundestrainerin viel mehr interessieren, vor allem warum sie ein Jahr lang nicht mit einer ihrer verdienten Spielerinnen gesprochen hat.

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  • HellenSarsch sagt:

    Da es mir am Allerwertesten vorbeigeht, ob Frau Grings nun nominiert wird oder nicht, kann ich mir ein objektives Urteil wohl erlauben. Ich denke Herr Juchem hat Recht! Jemandes Autorität zu untergraben führt zu nichts, außer dem Beweis des Autoritätsuntergrabenem, dass er weiterhin in Besitz selbiger ist. Es IST der falsche Weg gewesen. Und das hat rein gar nichts damit zu tun, wer nun wem die Fragen untergeschoben hat, oder nicht. Die Antwort hätte diplomatischer ausfallen müssen!

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  • Jo sagt:

    100 % agree @Werkselfe & Goldfinger

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  • Kurze sagt:

    Ich schließe mich werkselfe an. Wenn die Bundestrainerin nicht schafft auf Inka zuzugehen um mit ihr zu reden, muss Inka dies nunmal tun. Nach dem DFB-Pokal-Halbfinale gab es dieses „Gespräch“ über Umwege, ich finde es ehr eine Schwäche von Neid zu sagen sie nominiert nach Leistung, um dann die momentan beste Stürmerin der Liga zu Hause zu lassen. Ich denke Inka hat das Interview auf eine vernünftige Art und Weise geführt. Der Vergleich mit der Auseinandersetzung zu Herhaus hint für mich und meiner Meinung nach sollte ein Journalist auch das Alte mal ruhen lasse und nicht wieder irgendwo was rauskramen, um eine Inka Grings mal wieder schlecht dastehen zu lassen!

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  • Katja Öhlschläger sagt:

    @Kurze

    Wenn die Bundestrainerin nicht schafft auf Inka zuzugehen um mit ihr zu reden, muss Inka dies nunmal tun.“

    Ja, aber doch nicht erst über die Presse. Insofern teile ich die Einschätzung, dass Grings aus der Herhaus-Geschichte nichts gelernt hat. Ich halte auch nichts davon, alte Geschichten (inhaltlich) neu aufzuwärmen, aber die Person Inka Grings hätte daraus lernen können, dass es der falsche Weg ist, öffentlich Druck auf einen Trainer oder eine Trainerin aufzubauen.

    Und ihr muss auch klar sein, dass sie in einem Interview Fragen zur Nationalmannschaft gestellt bekommt. Ich halte die Vorstellung, Grings sei im Interview überrumpelt worden, für reichlich naiv. Darauf musste sie vorbereitet sein – gewählt hat sie den Weg der Konfrontation. Ihre Chancen kann das wegen der angesprochenen Signalwirkung nicht erhöhen – völlig unabhängig davon, wie man Silvia Neids Verhalten beurteilt.

    @werkselfe

    Blogs sollen Medien sein, in denen aufs Heftigste diskutiert und leidenschaftlich – sachlich – gestritten wird. Sinn und Zweck ist es nicht, den Leser in seinen Meinungen zu bestätigen. Wäre auch irgendwie langweilig, oder? Also, nur zu mit den Meinungen.

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  • Satine sagt:

    Herr Juchem, ich bin ganz Ihrer Meinung.

    Die Sache erinnert doch stark an den Dortmunder Abwehrspieler Wörns, der sich vor der Männer-WM in der Presse ausgeheult hat und dachte, Klinsmann nimmt ihn so in den Kader auf.

    Ich gebe zu, dass mir Spieler besser gefallen, die auch mal vom Leder ziehen können und nicht immer die gleichen platten Phrasen ins Mikro/Notizbuch rotzen, aber es ist – wie gesagt – nicht der richtige Weg, um sich in die Nationalmannschaft zu schieben.

    Dennoch, im Zeifelsfalle für den Angeklagten. Gut möglich, dass die NRZ die Aussagen Grings‘ zugespitzt hat. Schließlich werden so Zeitungen verkauft.

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  • Rainer48 sagt:

    Schade, dass Inka Grings gestern nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war. So konnte sie kaum Werbung in eigener Sache betreiben..

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  • oliist sagt:

    Zum einjährigen Bestehen dieses Artikels 🙂

    Ein Jammer,daß dieses ganze Schlamassel bis heute aus zwischenmenschlichen Gründen heraus anhält und wohl unabänderlich ist.Zumindest ich trauere einer Grings nämlich immer noch nach. 🙁
    Aber manchmal im Leben haben dumme Entscheidungen bzw. Äusserungen eben ultimative Konsequenzen.

    RIP Nationalspielerin Inka Grings.

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  • mandy73 sagt:

    Zum über 2 jährigen Bestehen des Artikels 😉

    Nix RIP – she is back und wie 😉

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  • Amanda Eneman sagt:

    Lang lebe die Expertenmeinung. 3 x Hoch!!!
    Die alte Frau Inka schiesst sich derweil von Torrekord zu Torrekord…..

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