Bundesliga-Endspurt wird zum Psychoduell

Von am 12. Mai 2007 – 14.59 Uhr

Meisterkampf FFC Frankfurt und FCR Duisburg„Gerade im Frauenfußball liegt vieles im psychologischen Bereich“, sagte uns Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks vor rund sechs Wochen im Vorfeld des Spitzenspiels gegen Duisburg. Und dachte nach dem lockeren 3:0 gegen den schärfsten Verfolger wohl nicht daran, dass der Meistertitel noch einmal in Gefahr geraten könnte.

Doch seit dem vergangenen Sonntag hat sich die Ausgangslage auf dem Papier und vor allem in den Köpfen verändert. Der FFC hat sich durch den unerwarteten Punktverlust gegen Potsdam selbst noch einmal in eine prekäre Situation gebracht, Verfolger Duisburg wittert bei nur noch zwei Punkten Rückstand Morgenluft.

Noch immer spricht vieles für Frankfurt, wie etwa das leichtere Restprogramm und auch das bessere Torverhältnis. Dennoch: Schon ein einziger weiterer Patzer in den verbleibenden vier Spielen könnte ein herber Rückschlag sein für die Frankfurterinnen und ihre Zielsetzung, sich in der europäischen Spitze zu etablieren.

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Hinzu kommt: In psychologischen Ausnahmesituationen wie dieser haben sich im Fußball in der Vergangenheit schon oft die scheinbar leichten Gegner als die schwierigsten erwiesen. Doch genau jetzt kann der FFC beweisen, dass er nicht nur sportlich, sondern auch mental für höhere Aufgaben gerüstet ist.

Tritschoks versprüht Optimismus

Tritschoks bleibt optimistisch: „Wir haben im Kampf um die deutsche Meisterschaft nach wie vor die Nase vorn und können unser Ziel aus eigener Kraft erreichen.“

Am Sonntag steht die erste der lösbaren Aufgaben an. Der FFC tritt bei Aufsteiger Crailsheim an und erwartet eine defensiv kompakte Mannschaft, die mit konsequentem Zweikampfverhalten dagegen halten wird. „Wir müssen einfach und schnörkellos spielen, gut kombinieren und den Ball laufen lassen“, so Tritschoks über den starken Bundesliga-Neuling.

Für Crailsheims Trainer Günther Wörle ist die Meisterfrage bereits entschieden: „Frankfurt besitzt bei einem Torverhältnis von 69:16-Treffern den besten Angriff und die stärkste Abwehrreihe. Wir werden versuchen, uns gegen den kommenden deutschen Meister achtbar aus der Affäre zu ziehen.“

Essen will Zünglein an der Waage spielen

Und was machen die Duisburgerinnen? Dort ist es in dieser Woche erstaunlich ruhig geblieben, Sticheleien und Störfeuer in Richtung Frankfurt sind ausgeblieben, wohl um den Gegner nicht zusätzlich zu motivieren und die eigene Konzentration auf das schwere Spiel in Essen zu bündeln.

„Wir können nur auf uns schauen. Und unsere Spiele gewinnen“, sagt Duisburgs Stürmerin Inka Grings. Aus eigener Kraft ist der Meistertitel nicht mehr zu erobern. Um überhaupt noch eine Chance zu haben, müssen die Duisburgerinnen die nächsten schweren Aufgaben gegen Essen und Potsdam erst einmal fehlerfrei bewältigen, sprich sechs Punkte holen. „Das wird nicht einfach“, so Trainer Thomas Obliers.

Wie hart man sich einen Sieg in Essen erarbeiten muss, bekam Duisburg bereits im Pokalhalbfinale zu spüren, als man sich erst in der Verlängerung durchsetzte. Vor zwei Wochen wäre auch der FFC fast in Essen gestolpert beim 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand.

Dort will man nun am Sonntag den Lokalrivalen aus Duisburg zu Fall bringen und dessen Träume von der Meisterschaft zunichte machen. „Wir wollen Duisburg die Meisterschaft versauen“, nimmt Essens Trainer Ralf Agolli kein Blatt vor den Mund. Der Stachel des verloren gegangenen Pokalhalbfinales (1:5) scheint noch tief zu sitzen.

Der psychologische Vorteil im Meisterkampf liegt zumindest an diesem Spieltag auf Seiten der Duisburgerinnen. Man darf gespannt sein, wer am Ende die Nase vorne haben wird.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.