Locker und lässig zu drei Punkten

Von am 11. Mai 2007 – 1.39 Uhr 2 Kommentare

Linda BresonikEs ist schon eine etwas seltsame Geschichte. Einerseits, das bestreitet eigentlich niemand, waren die Waliserinnen gestern nicht mehr als ein Sparringspartner. Das ist nicht respektlos gemeint, entspricht aber den Tatsachen. Rückschlüsse auf das derzeitige Leistungsvermögen der DFB-Elf lässt diese Partie daher nicht zu. Dennoch wurden und werden auch in den nächsten Tagen wieder Stimmen laut, diese und jene Spielerin fehle in der Aufstellung und mit ihr wäre viel mehr Dynamik ins Spiel gekommen. Das ist paradox, versucht man es an dieser Partie festzumachen.

Sicherlich, es mag gute Gründe dafür geben, den Einsatz der ein oder anderen aktuell nicht berücksichtigten Spielerin zu fordern. Inka Grings oder Simone Laudehr – bei der in fast schon penetranter Weise vergessen wird, dass sie es selber war, die Neid um Nichtberücksichtigung bis Mai bat – erfreuen sich dabei eines besonders großen Kreises an FürsprecherInnen.

Ja, es gibt einige Personalien, über die man trefflich streiten kann. Ebenso über Taktisches. Wir haben das auf womensoccer.de regelmäßig getan und werden auch weiterhin einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Nationalmannschaft werfen. Doch heute macht es wenig Sinn, vier Monate vor dem ersten Anpfiff bei der WM in China eine Wasserstandsmeldung zur Form des Teams abzugeben. Zu offen stand die walisische Abwehr oftmals, zu leicht konnten die deutschen Spielerinnen zum Strafraum vordringen und sich in selbigem relativ unbedrängt die Bälle zuspielen. Die elf Roten standen zwar massiert in ihrer Hälfte, aber ein „Bollwerk“, wie Neid es bezeichnete, war es sicher nicht.

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Chance zum Testen blieb mangels Konsequenz ungenutzt

So kann denn auch das Fazit der Bundestrainerin, sie sei „sehr zufrieden“ mit ihrer Mannschaft und sie habe auch in der zweiten Halbzeit eine „hohe Laufbereitschaft“ ausgemacht, nur als gelungene Ironie bezeichnet werden. Mehr war nicht nötig, und wer die nächsten Bundesliga-Spiele sowie das Pokalfinale im Hinterkopf hat, es zudem noch in Strömen regnet und die Atmosphäre im Stadion auch nicht gerade einen Adrenalinstoß auszulösen vermochte, der rennt nicht mehr nach jedem Ball.

Schade, dass somit die Gelegenheit ungenutzt blieb, völlig befreit und ohne Druck an der Konsequenz im Abschluss zu arbeiten – die große Schwachstelle der letzten Monate. Doch das lag nicht daran, dass diese elf Spielerinnen gestern auf dem Platz standen, sondern schlicht an der Konstellation.

Babett Peter

Wer Pluspunkte gesammelt hat:

Heben wir zur Abwechslung daher mal lieber das Positive hervor, das es in den beiden „Post-Algarve-Spielen“ zu beobachten gab. Da ist zum einen Bianca Rech auf der linken Abwehrseite, die mit viel Elan, gutem Zweikampfverhalten und effizientem Offensivspiel überzeugt. Dieser lange Zeit vakante Platz scheint nun besetzt – mit Sandra Minnert kämpft außerdem dem noch eine sehr erfahrene Spielerin auf dieser Position um ihr rechtzeitiges Comeback.

Da ist eine Babett Peter (Foto rechts), die in der Innenverteidigung und auf den Außenverteidiger-Positionen allemal eine Alternative ist. Zumal sich die beiden Stamm-Innenverteidigerinnen Ariane Hingst und Annike Krahn zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.

Da ist eine Renate Lingor, die auf dem Weg zurück zu alter Fitness und Präsenz ist, auch wenn ihre Mittelfeld-Partnerin Linda Bresonik (Foto oben) gestern der Aktivposten im zentralen Mittelfeld war. Eben jene Bresonik ist der letzte Pluspunkt, der hier zu nennen ist. Gerade gestern, wo die DFB-Elf dazu gezwungen war, das Spiel aufzuziehen, wurde die gute spielerische Chemie zwischen der Essenerin und der Frankfurterin sichtbar. Da kamen blind gespielte Pässe an und wirkte das Abwechseln zwischen Defensive und Offensive wohldurchdacht.

Ein Schritt nach dem Algarve Cup, nämlich weitere Positionen fester zu besetzen, scheint damit gemacht. Es sind nicht wenige, die noch folgen müssen. Aber Rückschritte jedenfalls sind nicht auszumachen. Im Gegenteil, es gibt eine Basis, auf der aufzubauen durchaus erfolgsversprechend ist. Jenseits jeglicher Schwarz-Weiß-Malerei.

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2 Kommentare »

  • Julia sagt:

    Rückschritte nicht, aber auch keine Fortschritte. Abenteuerlich, wie die Abwehr bei den wenigen Angriffen der Waleserinnen ins Schwimmen kam. Gegen andere Gegner geht das nicht gut.

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  • @Julia

    In der Tat hat die deutsche Abwehr bei den wenigen Vorstößen der Waliserinnen nicht sehr sattelfest gewirkt. Die Abwehr ist sicherlich die größte Problemzone im deutschen Spiel, aber nicht nur die deutsche Mannschaft hat das große Problem, dass ihre Abwehr in der Mehrzahl der Spiele nur sehr wenig gefordert wird.

    Darüber hinaus beginnt die Abwehr meinem Fußballverständnis nach nicht erst bei den vier Spielerinnen, die die Abwehrkette bilden, sondern mindestens im Mittelfeld. Mit gezieltem Forechecking kann die Abwehr deutlich entlastet werden, was allerdings viel Laufarbeit erfordert.

    Ich denke, die Testspiele im Sommer gegen Dänemark und Norwegen werden erst wirklich Aufschluss darüber geben, wie anfällig die deutsche Defensive im Vergleich mit den Abwehrreihen der Gegner ist und welche Fortschritte die DFB-Elf im gemeinsamen Defensivverhalten gemacht hat.

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