Conny Pohlers: „Es ist schon eine blöde Situation für mich“

Von am 4. Mai 2007 – 10.21 Uhr 9 Kommentare

pohlers_itw_1.jpgDie Erfolgsgeschichte von Conny Pohlers in den vergangenen Jahren liest sich wie der Weihnachts-Wunschzettel einer Nachwuchsspielerin – Weltmeisterin, Europameisterin, UEFA-Cup-Siegerin, mehrfache Meisterin, Pokalsiegerin und Torschützenkönigin. Doch derzeit durchläuft die 28-jährige Potsdamerin eine schwierige Phase.

Im Interview mit Womensoccer.de spricht sie über das bevorstehende Spiel bei ihrem zukünftigen Verein 1. FFC Frankfurt, über ihre Situation bei Turbine Potsdam und ihre Chancen auf eine WM-Teilnahme.

Womensoccer.de: Frau Pohlers, beim Spiel einer FIFA-Weltauswahl vor einigen Wochen in China waren Sie eine der besten Spielerinnen und haben sogar ein Tor erzielt. In der Bundesliga wurden Sie in Crailsheim zuletzt erst in der Schlussphase eingewechselt. Wie verkraftet man diese emotionale Achterbahnfahrt?

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Conny Pohlers: Man kann das Spiel in China nicht mit der Bundesliga vergleichen. Aber ich arrangiere mich ganz gut mit der Situation. Ich versuche trotzdem, immer 100 Prozent zu geben, denn ich will die Saison gut zu Ende bringen, bevor ich nach Frankfurt wechsle.

Womensoccer.de: Am Sonntag treten Sie mit Turbine bei ihrem zukünftigen Verein an. Ist das ein besonderes Spiel für Sie?

Pohlers: Klar ist es etwas Besonderes, aber ich denke nicht, dass ich auch nur eine Minute spielen werde. Der Trainer wird mich wohl nicht einsetzen.

Womensoccer.de: Eine äußerst unbefriedigende Situation…

Pohlers: Bernd Schröder sagt, er will bereits das Team für die kommende Saison einspielen lassen. Er stellt die Mannschaft auf, und danach muss ich mich richten. Das Problem ist, dass ich dadurch die WM verpassen könnte. Ich kann nur hoffen, dass Silvia Neid die momentane Lage in Potsdam berücksichtigt.

Womensoccer.de: In der Nationalmannschaft wurden Sie für das EM-Qualifikationsspiel in Wales nur auf Abruf nominiert.

Pohlers: Ich bin froh darüber. Letztes Mal wurde ich ja nachnominiert und ich war sehr glücklich, weil ich beim Algarve Cup gar nicht dabei war. Mein Ziel ist es, unbedingt in den Kreis von 24 oder 25 Spielerinnen zu kommen, aus denen sich der WM-Kader zusammensetzen wird.

Womensoccer.de: Wie wollen sie es trotz der aktuellen Situation noch zur WM schaffen?

Pohlers: Ich hoffe, dass ich nach dem Frankfurt-Spiel wieder ein paar Minuten mehr spielen darf. Schröder hat selber gesagt, er wäre kein Sportsmann, wenn er mir und Navina Omilade die WM-Teilnahme versauen würde. Ich hoffe, dass ich meine Einsatzzeiten bekommen werde. Es ist schon eine blöde Situation für mich. Vor allem, wenn man zehn Jahre in Potsdam gespielt hat, ist das nicht so nett.

Womensoccer.de: Auch andere Topstürmerinnen, wie Inka Grings, werden derzeit nicht für die Nationalmannschaft berücksichtigt. Gibt es einfach ein Überangebot im Sturm?

Pohlers: Das Überangebot ist wirklich vorhanden. Es wäre schön, wenn es in der Defensive ein paar mehr Spielerinnen geben würde, das ist leider nicht so. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Silvia muss entscheiden, wer am besten in die Mannschaft passt. Bei einer WM braucht man gute Mannschaftsspieler, gute Typen, die auch von der Art ins Team passen. Ich denke, für eine Trainerin ist die Nominierung das Schwierigste, was es gibt.

pohlers_niederlande_120407.jpgWomensoccer.de: Gab es denn zwischen den Teams bei der WM 2003 und der EM 2005 atmosphärische Unterschiede?

Pohlers: 2003 war das Highlight schlechthin. So etwas von Teamzusammengehörigkeit habe ich nie vorher und seitdem auch nicht wieder erlebt. Nur so sind wir Weltmeister geworden. Da hat jeder für den anderen gekämpft, und alle im Kader waren hundertprozentig bei der Sache, es gab keine Neider.

Womensoccer.de: Was denken Sie über die kritischen Stimmen zu Ihrem Wechsel nach Frankfurt?

Pohlers: Ich hatte ja schon ein paar Mal in den vergangenen Jahren die Gelegenheit, nach Frankfurt zu wechseln, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, und ich will noch einmal oben mitspielen. Ich bin 28 und suche eine neue Herausforderung, obwohl das sehr schwer werden wird, das weiß ich von vornherein. In Frankfurt gibt es tolle Stürmerinnen und Mittelfeldspielerinnen. Ich denke aber, dass Frankfurt Meister wird und dann wieder im UEFA-Cup mitspielen wird. Es werden also viele gute Spielerinnen gebraucht.

Womensoccer.de: Und wenn Sie sich nicht durchsetzen können?

Pohlers: Wenn es nicht klappen sollte, kann ich immer noch zu einem anderen Verein wechseln. Vielleicht kann ich auch noch mal ins Ausland gehen, die Möglichkeiten sind da.

Womensoccer.de: Sie meinen z. B.  in die USA, wo 2008 eine neue Profiliga ins Leben gerufen wird?

Pohlers: Das wäre noch einmal ein Traum von mir. Aber nächstes Jahr werde ich mich erst einmal für Frankfurt reinhängen und hoffe, oben mitzuspielen.

Womensoccer.de: Ein Wort zu Turbine – wie hat sich das Team nach der enttäuschenden Hinserie wieder gefangen?

Pohlers: So richtig habe ich keine Erklärung dafür. Das Selbstvertrauen ist bei einigen Spielerinnen wieder zurückgekehrt. Es läuft einfach gerade, man kann das aber an nichts Speziellem fest machen.

Womensoccer.de: Hat sich das Niveau in der Bundesliga denn verbessert?

Pohlers: Es sind immer vier, fünf Mannschaften, die ein gutes Niveau haben. Für die anderen Vereine ist es auch finanziell oft nicht einfach und es gibt auch gar nicht so viele Topspielerinnen. Frankfurt verfolgt eine andere Philosophie als Potsdam oder Duisburg, die mehr mit jungen Spielerinnen arbeiten, Frankfurt holt sich lieber die gestandenen Spielerinnen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Satine sagt:

    Erstaunlich, dass Pohlers noch so nett zu ihrem Trainer ist, wo es doch offensichtlich sein sollte, dass ihre Kurzeinsätze keine sportlichen Ursachen haben.
    Mal sehen, wie sie in der nächsten Saison von ihrem alten Verein und ihrem alten Trainer reden wird.

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  • Markus Juchem sagt:

    Soo nett fand ich es jetzt auch nicht, was sie gesagt hat. Aber es kann schon gut sein, dass sie sobald sie in Frankfurt ist, nachträglich ein paar Giftpfeile Richtung Potsdam feuern wird.

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  • schmidt sagt:

    Herr Juchum!Polemik oder Vermutungen, „was schon gut sein könnte“, schafft kein gutes Klima Herr Juchem. Der Ladies-Fußball und auch die Verdienste und die Aussagen von Frau Pohlers haben es m.E. verdient, positiv zu denken, zu reden und zu schreiben. Klare und ehrliche Antworten sind mir lieber als das was Sie „unter was sein kann“ verstehen.

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  • schmidt sagt:

    Entschuldigen Sie bitte Herr Juchem, ich habe versehentlich Ihren persönlichen Namen in meinem Beitrag falsch geschrieben.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ich verstehe Ihre Kritik nicht ganz. Was an meiner Aussage war polemisch? Und warum sollte ich nicht basierend auf Pohlers‘ Aussagen und aus dem, was „zwischen den Zeilen“ zum Ausdruck kommt, spekulieren?

    Pohlers hat ja allen Grund sauer zu sein, wenn sie offenbar aus Gründen, die keinen oder zumindest keinen hundertprozentigen sportlichen Hintergrund haben, häufig auf die Ersatzbank verbannt wird und deswegen möglicherweise die WM verpasst.

    Natürlich will sie derzeit nicht mehr Öl als nötig ins Feuer gießen und ihre Zeit in Potsdam mit Würde zu Ende bringen. Aber „Satine“ hat ja nicht unrecht, dass Pohlers‘ Aussagen schärfer ausfallen könnten, wenn sie erst einmal aus Potsdam weg ist.

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  • Catherine sagt:

    Hi again– it’s me, the American Pohlers fan whose German is no longer so good. I get the general point of this article, but if anyone thinks that there are important details I may be missing, I’d appreciate anything translated to English.

    I started to like Pohlers when she was here with Atlanta, so I am excited that she might come back if we have a league again; however, I am not sure that saying so now will make Frankfurt very pleased!

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  • Markus Juchem sagt:

    Hi Catherine

    Here is a quick summary on the Pohlers interview.

    Pohlers is not satisfied with the current situation in Potsdam, as she is not a regular anymore, as Potsdam coach Bernd Schroder already wants to build up a new young team for the upcoming season.

    She says she can’t do anything against it, as the coach is responsible for taking the decisions, but she hopes she can play again on a more regular basis, as she is afraid sitting on the bench will weaken her chances to be part of the world cup team.

    After not being nominated for the Algarve Cup in March she is happy to be at least on call for the European qualifier in Wales on Thursday.

    She is praising the 2003 world cup winning team for its team spirit and says she has never again and not before been part of a team with such a professional approach, where all the players were completely focussed on the target to win the tournament.

    Pohlers rates Frankfurt as a new challenge, though she admits it’s gonna be very tough for her to be successful. If she fails, she would consider to play again in the USA: “That would be a dream” she says.

    She reflects as well on the quality of the German Bundesliga saying that only four or five clubs have a good level. She points out that there aren’t enough good players for all the clubs and smaller clubs also lack money to be competitive.

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  • Catherine sagt:

    Vielen dank! I hope everything works out well for her. True, the national team is heavy with forwards, but I still think she ought to be one of them.

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  • schmidt sagt:

    Akzente setzen, Impulse geben und Aufmerksamkeit erhaschen, das wollen vielleicht alle
    – unsere Spielerinnen auch Conny Pohlers,
    – unsere Meinungsschreiber,
    – die Interviewer
    – und Autoren.
    Ich verstehe jede Sichtweise und weiss auch sie zu schätzen, was gemeint und spekuliert wird.
    Vielleicht können wir jede Meinung auch annehmen.

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