4.256 Augsburger sagen „Ja“ zum Frauenfußball

Von am 1. Mai 2007 – 19.09 Uhr 1 Kommentar

Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV), und Dr. Paul Wengert, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, waren sichtlich zufrieden. 4.256 Augsburger bevölkerten bei strahlendem Sonnenschein am 1. Mai das Ernst-Lehner-Stadion, um sich die Bundesligapartie zwischen Bayern München und dem 1. FFC Frankfurt anzuschauen.

Die Zuschauerbestmarke in der laufenden Bundesligasaison rundete eine gelungene PR-Aktion ab, mit der die Augsburger fleißig Pluspunkte sammelten, im Bestreben, bei der WM 2011 einer von möglicherweise nur sechs WM-Austragungsorten zu werden.

Eine 118-seitige Bewerbung samt daumendickem Anhang wurde am Tag zuvor beim DFB eingereicht. In ihr versucht man, die Vorzüge eines bayerischen Austragungsorts hervorzuheben. Koch gibt sich kämpferisch: „Wir wollen es dem DFB schwer machen, sich gegen einen bayerischen Standort zu entscheiden.“

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Am morgigen Mittwoch werden auf einer Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) in Frankfurt die Namen der Städte bekannt gegeben, die sich um die Ausrichtung der WM 2011 beworben haben. Am 10. Mai wird dann das WM-Organisationskomitee tagen, am 11. Mai das DFB-Präsidium die Vorauswahl der WM-Städte bestätigen.

Augsburg einziger bayerischer WM-Kandidat

Unter ihnen wird Augsburg der einzige bayerische Vertreter sein, der die volle Rückendeckung des BFV genießt. Andere potentielle Kandidaten, wie etwa Bayreuth, hatten sich auf Bitte des BFV zugunsten Augsburgs zurückgezogen.

Unabhängig von der WM-Kampagne freute man sich beim DFB über die gelungene Aktion. „Das ist ein tolles Projekt für die Frauenfußball-Bundesliga, ein solches Spiel in der Stadt eines etablierten Zweitligisten auszutragen“, so Willi Hink, DFB-Direktor für Frauenfußball. Er machte sich vor Ort ein Bild und war beeindruckt von der geschlossenen Unterstützung des BFV für Augsburg.

Kostspielige Bewerbung

Der DFB weiß, dass die WM-Bewerbung kein Selbstläufer wird, gibt es doch in Kanada, Frankreich und Australien gleich drei ernst zu nehmende Wettbewerber. So verschlingt alleine die Erstellung der rund 400 Seiten umfassenden Bewerbung eine halbe Million Euro.

Doch es gilt schließlich die FIFA davon zu überzeugen, dass Deutschland die richtige Wahl für die Ausrichtung der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 ist, gleich ob mit 16 oder mit 24 Mannschaften.

Diplomatisches Geschick gefragt

„Es wird für die FIFA sehr schwer, an Deutschland vorbei zu gehen“, ist Hink überzeugt. „Wir wollen uns erneut als innovatives, weltoffenes Land präsentieren und wir verstehen den Fußball als Plattform der Integration.“

Wenn es alleine um die Bewerbung ginge, hätte man beim DFB möglicherweise bereits jetzt die Nase vorne, doch es gilt vor allem auf sportpolitischer Ebene starke Fürsprecher zu finden.

Pakt mit Frankreich?

So will man etwa bis zum 1. August, der Frist für die Einreichung der definitiven Bewerbung, auf Frankreich einwirken, zugunsten von Deutschland seine WM-Bewerbung zurück zu ziehen. Im Gegenzug dafür erhielte der französische Fußballverband (FFF) dann die Unterstützung des DFB bei der Bewerbung um die EM 2013.

Und auf einen setzt man bei der deutschen WM-Bewerbung ganz besonders die Hoffnungen: Franz Beckenbauer, der Ende Mai in das 24-köpfige FIFA-Exekutivkomitee aufrücken wird, das am 31. August über das Ausrichterland der WM 2011 entscheidet.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • schmidt sagt:

    Mehr als 4256? Mehr Club-Maskottchen? Mehr Sportsponsoring ? More Events wie beim American Football? Einfach mehr Zuschauer und Fans wie es uns der FC Bayern München in Augsburg schaffte. Warum stagnieren die Zahlen. Jeder erklärt, dass nur Topspiele Fans in Scharen ins Stadion locken.

    Ist es ein Geheimnis, wie die Zuschauerzahlen zu steigern sind?

    Beste Promotion und Werbung für den Ladies-Fußball wird vom DFB und allen anderen gewünscht, aber sie steckt noch in den Kinderschuhen!
    Was in Augsburg am 1.Mai beim Bundesliga-Spiel FC Bayern München – 1. FFC Frankfurt mit dieser Top-Zuschauerkulisse gelang, war kein Zufallsprodukt. Das muss für jeden Club endlich erklärtes Ziel sein!

    Die Entwicklung der Zuschauerzahlen aller Spiele muss nicht nur statistisch erfasst werden, sondern Schritt für Schritt analysiert, neue Ideen und Strategien entwickelt und mutig, aktiv und gemeinsam von den Clubs mit dem DFB unterstützt umgesetzt werden. Die aktuellen bekannten Umfragen unter der Schirmherrschaft des DFB in allen Bundesliga-Stadien sollen hier vielleicht der erste Schritt sein. Sie werden nur halbherzig und nicht mit dem richtigen Impuls an die Fans herangetragen. Die Bundesligisten und die Nationalteams im “Ladies- Fußball” haben ein besseres und wirkungsvolleres Sportsponsoring, eine klasse Pressearbeit, etc. verdient.

    Die richtigen Impulse könnten auch von den Fans ausgehen.

    Die Veranstaltungen könnten vielleicht wie im American Football vorbereitet, organisiert und zelebriert werden.
    Zum Beispiel: Ein wichtiger kleiner Beitrag könnten die bekannten FAN-Maskottchen hier leisten. Ein Beispiel hier erwähnt: Der Club des FCR 01 Duisburg steht jetzt ohne sein 6 Jahre in Aktion tätiges Löwen-Maskottchen da.

    Der FCR Duisburg ohne Löwe?

    Viele können sicher hier mitfühlen. Der Club scheint auf sein in den ersten Jahren liebevolles Löwen-Maskottchen nicht mehr zu bauen. Jetzt stehen Pokal, Meisterschaft und Torjägerschale im Fokus. Duisburg hat
    aktuell den “Wir Gedanken” ausgerufen, will neue Mitglieder gewinnen, die Erfolgsleiter weiter hoch steigen, muss aber auch auf kritische Betrachtungen reagieren und klare Entscheidungen treffen. Jede Fehlentscheidung muss eingestanden, entschuldigt, wieder revidiert werden und Kompromisse gesucht und gefunden werden.

    Jeder Ladies-Fußball-Club will  und muss “ein Club der Herzen seiner Fans” sein und sich im Zentrum aller Fans bewegen. Niemanden zur Seite zu schieben, der positiv wirken will und sich ehrenamtlich engagieren will.

    Wichtig ist es, Fragen stellen zu dürfen und auch gleich die Frage nach der Bedeutung und der Funktion eines Club-Maskottchens bei Heim- und Auswärtsspielen, für den Club, für die Sponsoren, für alle jungen und alten FANS, für alle Sportstadien ?
    Unsere Maskottchen als “niedlich” allein zu bezeichnen ist zu wenig.
    ……
    Es geht um Anerkennung und Wertschätzung nicht nur “gut, niedlich und kuschelig” zu wirken. Es gebührt mein höchstes Lob als Maskottchen

    -selbstbewusst aufzutreten,
    – der Glückbringer der Clubs zu sein,
    – Freude und Leid mit allen zu teilen,
    – skeptische und ruhige Fans und Offizielle mit ganzem Herzen mitzureißen,
    – Berührungsängste nicht zu kennen,
    – immer zu lächeln,
    – Freude auszustrahlen
    – Hände zu schütteln,
    – auch mal mit jungen und alten Fans zu kuscheln,
    ja das können unsere Maskottchen. Sie sollten uns nicht verloren gehen.
    Viele wollen sie nie missen. Pokal-Spiele hin oder her, die Statuten des DFB wollen sie für den Innenraum der Stadien jetzt nicht mehr zulassen. Ist das der richtige Weg? Wichtig ist, dass eine “Maskottchen-Begeisterung” Erfolge und Sympathie von innen entstehen und nach außen alle ansteckt und erfasst. Sie hätten es besser verdient und könnten der Impuls und das Körnchen sein, das Ziel von 4256 Zuschauern wie in Augsburg überall zu erreichen.

    Es gibt sicher kein Geheimnis…

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