Brasilien: Umdenken zum Wohle des Frauenfußballs

Von am 30. April 2007 – 22.59 Uhr 2 Kommentare

Bei den vergangenen Turnieren überzeugte die brasilianische Frauenfußball-Nationalmannschaft mit ihrer attraktiven Spielweise, wie etwa im Finale des Olympischen Fußballturniers 2004, als man den späteren Olympiasieger USA in einem packenden Finale bis in die Verlängerung zwang.

Eine systematische langfristige Einspielphase gab es für die Spielerinnen jedoch weder vor Olympia 2004 noch vor der Weltmeisterschaft 2003 in den USA, umso erstaunlicher war die damalige Leistung der Brasilianerinnen. 

Doch diesmal scheint man in Brasilien erkannt zu haben, dass auch eine Weltfußballerin Marta alleine kein Spiel gewinnen kann. So versammelte man sich in den vergangenen zwei Wochen erstaunlich früh zum ersten Trainingslager.

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Vom 16. April bis heute traf sich das Team zwei Wochen lang zu einem ersten Vorbereitungslehrgang und bereitete sich auf das erste große Ziel vor: die Panamerikanischen Spiele vom 13. bis 29. Juli in Rio de Janeiro. Dort will man sich den Feinschliff und die nötige Form für die WM im September holen.

Optimale Trainingsbedingungen

Im idyllisch gelegenen Trainingszentrum von Granja Comary in Teresópolis, knapp 100 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, mit seinen perfekten Einrichtungen wie Sporthotel, Fitnessraum, Schwimmbad und diversen Trainingsplätzen, fanden die Spielerinnen optimale Bedingungen vor.

Trainer Jorge Barcellos freut sich: „Die Spielerinnen haben in ihren Vereinen meist nicht halb so gute Bedingungen. Das ist das Beste, was ihnen passieren kann. Hier verbessern sie sich gleich enorm.“

Und Konditionstrainer Jairo Port lobt sogar: „Das Trainingszentrum ist eines der besten auf der Welt“. Womit er versucht, die Bedenken zur Seite zu wischen, der brasilianische Verband CBF tue nicht genug für den Frauenfußball.

Und tatsächliche hat im CBF ein erstes Umdenken eingesetzt. Früher war es nicht unüblich, dass sich die Frauenfußball-Nationalmannschaft gerade einmal einen Monat lang auf ein wichtiges Turnier vorbereitete.

Vor allem die 0:2-Niederlage gegen Argentinien bei der Südamerika-Meisterschaft hat die Verantwortlichen im Verband wach gerüttelt, denn die Vormachtstellung im südamerikanischen Frauenfußball will man nicht leichtfertig an den Erzrivalen abgeben.

Ob die längere Vorbereitungszeit aber die mangelnde Spielpraxis der vergangenen Jahre wettmachen kann, ist zumindest fraglich. Und einen weiteren Vorteil wird das Team bei der Weltmeisterschaft nicht mehr haben – den Überraschungseffekt, mit dem man 2003 und 2004 die Weltelite durcheinander wirbelte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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