Umeå, UEFA-Cup-Sieger der Herzen?

Von am 29. April 2007 – 15.37 Uhr 1 Kommentar

Wer seine Chancen nicht nutzt, darf sich am Ende nicht beklagen, wenn er nicht gewinnt. Diese banale Weisheit bekamen die Frauenfußballerinnen von Umeå IK im Rückspiel des UEFA-Cup-Finales in Borehamwood nordwestlich von London zu spüren.

In der zweiten Halbzeit ließen die Weltfußballerin Marta und die eingewechselte Ramona Bachmann gegen Arsenal beste Gelegenheiten ungenutzt. Am Ende reichte das 0:0 nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel nicht zum Titelgewinn.

Bereits acht Tage zuvor hatte es die Schwedinnen nicht verstanden, ihre optische Überlegenheit in Tore umzumünzen. Doch war es wirklich nur Pech, was Umeå am UEFA-Cup-Sieg hinderte?

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Was die Schwedinnen über weite Strecken des Rückspiels zeigten, verdiente nicht das Etikett europäische Spitzenklasse. Die Chinesin Ma Xiaoxu fand keine Bindung zum Spiel und enttäuschte bis zu ihrer Auswechslung restlos, die stets bemühte Marta war zu sehr auf sich allein gestellt und bekam nur wenig Unterstützung von ihren Mitspielerinnen, glänzte aber zumindest bei ein, zwei Einzelaktionen.

Stürmerin Hanna Ljungberg ist weit von ihrer Bestform entfernt und man hat ihr und ihrem Team mit einem Einsatz über 90 Minuten keinen Gefallen getan. Auch Lise Klaveness bestach trotz guter Ansätze mehr durch Harmlosigkeit.

UIK-Trainer Andrée Jeglertz hat es bisher nicht verstanden, aus starken Einzelspielerinnen ein eingeschworenes Team zu formen. Die schweren UEFA-Cup-Finalspiele kamen für die Elf offensichtlich zu früh.

Fehlpass-Festival

Unzählige Fehlpässe zogen sich wie ein roter Faden durch das Spiel des schwedischen Meisters. Arsenal reichte eine durchschnittliche Leistung und köperbetontes Spiel, um UIK über weite Strecken nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

In der zweiten Halbzeit hatte das Team von Vic Akers allerdings auch reichlich Glück, wie etwa bei Martas Freistoß an die Latte, dem Pfostenschuss von Ramona Bachmann oder drei weiteren hochkarätigen Chancen der Schweizerin.

Apropos Bachmann: Das 16-jährige Supertalent war die große Gewinnerin des Spiels. Erst für die letzten 20 Minuten eingewechselt, sorgte sie für mehr Schwung, als alle ihre Teamkolleginnen zuvor zusammen.

Mit etwas mehr Abgeklärtheit hätte sie das Spiel im Alleingang entscheiden können, doch wer will ihr beim ersten großen Auftritt die Nervosität verdenken?

Arsenal ist bei allem Glück ein würdiger UEFA-Cup-Sieger, denn wer in zwei Spielen keinen Gegentreffer erhält und die wenigen Torchancen effizient nutzt, hält am Ende verdient die Trophäe in den Händen.

Das Team ist das erste außerhalb Deutschlands oder Schwedens, das den Titel gewann. Herzlichen Glückwunsch!

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Antje sagt:

    Dieser Sieg ist ein weiterer Meilenstein fuer den aufstrebenden englischen Frauenfussball. Schade fuer Ari Hingst, denn Djurgarden wird nun nicht am naechsten UEFA-Cup teilnehmen. Dafuer sind statt dessen zwei englische Teams vertreten. Ist die Zeit der deutsch-schwedischen Dominanz vorbei?

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