Analyse der WM-Gruppen, Teil 4

Von am 28. April 2007 – 10.44 Uhr 1 Kommentar

daenemark_225.jpgNach der Vorrundengruppe B ist die letzte der von uns vorgestellten Gruppen um Gastgeber China auf den ersten Blick sicherlich die, in der um die Teilnahme am Viertelfinale am heftigsten zu ringen sein wird und die aufgrund der Beteiligung von Gastgeber China zusätzlich an Brisanz gewinnt.

Doch allein von den klangvollen Namen Chinas, Brasiliens oder Dänemarks sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn welche Mannschaft – abgesehen von den zuletzt überzeugenden Däninnen – kann denn von sich behaupten, gute Leistungen gezeigt und ausreichend Spielpraxis gesammelt zu haben?

Es steht daher zu erwarten, dass es mit Ausnahme von Dänemark in dieser Gruppe tatsächlich nur um die Qualifikation für das Viertelfinale gehen wird – aber nicht um mehr.

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Neuseeland – Im Konzert der weltweit Besten mitmischen

Dabeisein ist alles – dieser Spruch ist zwar alt, manchmal aber doch ganz passend. Für Neuseeland – alles andere käme einem mittelschweren Erdbeben gleich – kann es bei seiner zweiten WM-Teilnahme nach 1991 nur darum gehen, außerhalb Ozeaniens Erfahrungen zu sammeln und sich mit den Weltbesten messen zu können. Der 23. der aktuellen Weltrangliste ist nach dem Ausscheiden Australiens der unangefochtene Primus in der ozeanischen Konföderation, was ein Torverhältnis von 21:1 und ein 7:0 im „Finale“ gegen Papua-Neuguinea beim OFC-Qualifikationsturnier vor knapp einem Monat eindrucksvoll unterstreicht.

Analyse der WM-Gruppen, Teil 3
Analyse der WM-Gruppen, Teil 2
Analyse der WM-Gruppen, Teil 1

Doch diese Zahlen zeigen schon, wie wenig diese Spiele als Gradmesser für eine Weltmeisterschaft dienen können. „Dieses Turnier ist für uns vor allem zum Lernen gedacht“, sagte denn auch Neuseelands Frauenfußball-Leiterin Michelle Cox in einer ersten Reaktion nach der Auslosung in Wuhan. Lernen, um weitere Schritte nach vorne zu machen und auch, um nicht erneut wie 1991 mit drei Niederlagen – übrigens auch gegen China und Dänemark – im Gepäck die Heimreise antreten zu müssen.

Die letzten Resultate gegen Teams außerhalb der OFC allerdings machen wenig Hoffnung – gegen Australien wurde Anfang Februar mit 0:6 und 0:1 verloren, im November gab’s gegen China ein 0:4 und ein 0:3. Bleibt den Neuseeländerinnen nur zu hoffen, dass die Konkurrenten ins Straucheln kommen oder sich in Unentschieden verheddern. Dann ist bekanntlich mit einem einzigen Sieg oftmals einiges möglich.

Wo steht Brasilien? – das große Fragezeichen

Konkurrenten wie Brasilien beispielsweise, deren Lage mit der der „Kiwis“ durchaus vergleichbar ist. Ihr letztes Länderspiel bestritt die Truppe von Trainer Jorge Barcellos im November 2006, als man im südamerikanischen Qualifikationsturnier ohne die Stars Marta und Katia gegen Argentinien 0:2 verlor, sich als Zweiter aber ebenso für China qualifizierte. Seitdem: kein Länderspiel, kein Trainingslager. Erst die Panamerikanischen Spiele im Juli in Rio de Janeiro können daher ein Fingerzeig sein, wohin die Reise für Brasilien gehen wird.

Dass diese kurze Vorbereitung die mangelnde Spielpraxis über Monate hinweg wird ersetzen können und ähnliche Erfolge wie bei den Olympischen Spielen in Athen – Zweiter hinter den USA – eingefahren werden können, darf stark bezweifelt werden. Sich auf eine so großartige Einzelspielerin wie Weltfußballerin Marta zu verlassen, wäre töricht. Das böse Erwachen folgt dann schnell. Bestes Beispiel am letzten Samstag: Umeå IK im UEFA-Cup-Finale bei Arsenal London.

China – neuer Antrieb durch schwedisches Trainerinnenduo?

Für wen die WM schon nach der Vorrunde beendet ist, wird daher stark davon abhängen, wie gut es den neuen schwedischen Trainerinnen Marika Domanski-Lyfors und Pia Sundhage gelingt, aus den Spielerinnen des Gastgebers China wieder eine Einheit zu formen und der an sich starken Mannschaft neues Leben einzuhauchen.

Denn die Partien vor dem desaströs verlaufenen und vom Trainer-Wirbel überschatteten Algarve Cup – nur Zehnter nach einer 1:4-Niederlage gegen Island – waren so schlecht nicht. Beim Vier-Nationen-Turnier im Januar gab es ein überzeugendes 2:0 gegen England, ein Unentschieden gegen Deutschland und im Februar ein 2:1 gegen Russland.

Das Potenzial ist also durchaus da, auch wenn Chinas Frauenfußball-Ikone Sun Wen kürzlich noch meinte, die Mannschaft könne sich erst „in drei bis fünf Jahren“ mit den besten Teams der Welt messen. Ich habe allerdings meine Zweifel, dass den Chinesinnen nach dem Chaos der letzten Monate in so kurzer Zeit und unter dem Druck, unter dem sie vor ihrem Heimspiel stehen, in so kurzer Zeit ein Neuaufbau gelingt.

Auch der Spielort Wuhan, der wegen der zu erwartenden Hitze als „Ofen Chinas“ gilt, dürfte ihnen dabei nur wenig helfen. Einzig die Skandinavierinnen aus Dänemark könnten eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen, was den Chinesinnen als deren Auftaktgegner in die Karten spielen könnte.

Für Dänemark gilt es, den Erwartungen gerecht zu werden

Aber Dänemarks neuer Trainer Kenneth Heiner-Møller macht nicht den Eindruck, als würde er diese Herausforderungen nicht meistern können. Zumal er bekennt, mit China nach dem verheerenden 0:6 beim Algarve Cup 2006 noch eine „Rechnung offen“ zu haben. Unter seiner Regie haben die Däninnen im März den erfolgreichsten Algarve Cup seit langem bestritten, als sie erst im Finale den USA unterlagen. Am 29. Juli dürfen sich auch die deutschen Fans nochmal ein Bild von den starken Skandinavierinnen um die Frankfurterin Louise Hansen machen. Da empfängt nämlich die deutsche Nationalmannschaft in Magdeburg den derzeitigen Weltranglistensechsten.

So gut die Vorzeichen stehen und so viel man in Dänemark und von Dänemark nach den letzten Resultaten auch erwartet, so schwer vorherzusagen ist das tatsächliche Abschneiden, wenn es hart auf hart kommt. Schon 2005 waren die Däninnen mit großen Hoffnungen zur Europameisterschaft nach England gereist, um dann schließlich – obwohl Gruppenerster vor dem letzten Spieltag – schon nach der Vorrunde die Sachen packen zu müssen. Insofern kommen ihnen die Problemchen und Sorgen der Kontrahenten sicherlich entgegen. Diesmal, das wage ich zu prognostizieren, sollte es reichen für Platz 1, was bedeuten könnte, Norwegen im Viertelfinale noch aus dem Weg zu gehen.

Tipp:

1. Dänemark
2. Brasilien
3. China
4. Neuseeland

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1 Kommentar »

  • Rainer48 sagt:

    Also ich glaub nicht, dass Brasilien die Vorrunde übersteht. Seit Olympia haben die ja kaum noch miteinander gespielt und viele Spielerinnen haben nicht mehr die Form von 2004. Ich denke eher, China und Dänemark werden die nächste Runde erreichen.

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