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Analyse der WM-Gruppen, Teil 3

Von am 27. April 2007 – 17.05 Uhr

nordby_norway.jpgIm dritten Teil beschäftigt sich Womensoccer.de mit Gruppe C, wo ein spannender Kampf um die beiden Plätze für das Viertelfinale zu erwarten ist.

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Besonders reizvoll wird das Duell zwischen Kanada und Norwegen sein, wenn Kanadas norwegischer Trainer Even Pellerud auf das Team treffen wird, das er jahrelang betreut hat.

Neben Gruppe D gehört diese Gruppe zu denen, deren Ausgang sich am schwersten vorhersagen lässt. Als Topfavorit gilt allgemein Vizeeuropameister Norwegen, das sich unter Trainer Bjarne Berntsen wieder in den Kreis der Top-Nationen gespielt hat.

Kann Norwegen seine Abschlussschwäche ablegen?

Junge Talente, wie die von der EM bekannte Isabell Herlovsen oder auch Melissa Wiik machen den Routiniers mächtig Dampf, was Berntsen nur recht sein kann. Mit der Auslosung ist er zufrieden: „Es hätte schlimmer kommen können.“
Der norwegische Verband hat die finanzielle Unterstützung der Spielerinnen vor einigen Monaten kräftig aufgestockt, so dass die Nationalspielerinnen in und um Oslo schon jetzt ihr Trainingspensum erhöht und ihre beruflichen Verpflichtungen zurückgeschraubt haben.

Analyse der WM-Gruppen, Teil 2
Analyse der WM-Gruppen, Teil 1

„Wir müssen mehr trainieren als früher, wenn wir in China mithalten wollen“, so Berntsens Devise. Vor allem ein Manko gilt es bis zu den Titelkämpfen im September auszumerzen – die mangelnde Chancenverwertung und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Sollte dies gelingen, gehört Norwegen sicherlich zum Kreis der Titelanwärter, denn nur wenige andere Teams sind in allen Mannschaftsteilen derart ausgeglichen besetzt, wie die Norwegerinnen.

Wiedersehen mit Even Pellerud

Gleich im Auftaktspiel kommt es zum Aufeinandertreffen mit Even Pellerud, dem norwegischen Trainer der Kanadierinnen. „Norwegen ist Gruppenfavorit. Ich habe es noch nie geschafft, sie zu schlagen“, so Pellerud, der aber sogleich hinzufügt: „Sie sind nicht unschlagbar.“

Kanadas bestes Ergebnis gegen Norwegen in acht Spielen ist ein 1:1, zuletzt gab es 2005 eine 0:3-Niederlage. Pellerud hatte Norwegen zum Vizeweltmeistertitel 1991 und zum Weltmeistertitel 1995 geführt. „Das ist mein altes Team, Ich habe dieses Programm entwickelt. Das wird ein interessantes Spiel”, ist er sich sicher.

Hinter dem Potenzial der Kanadierinnen steht ein großes Fragezeichen. An guten Tagen kann man selbst mit Teams wie den USA mithalten, wie das Gold-Cup-Finale 2006 bewies. Dort verlor man erst nach Verlängerung durch ein Elfmetertor in der letzten Minute gegen den Weltranglistenersten.

Doch zuletzt gab es mächtig Unruhe um drei suspendierte Spielerinnen. Es bleibt fraglich, wie das Team diese Querelen langfristig wegstecken wird und auch mit den mentalen Strapazen des mehrmonatigen Trainingslagers umgeht, denn Lagerkoller scheint vorprogrammiert.

Australien will die Fußballwelt schocken

Ein ähnlicher Spielstil wie Kanada weist das Team Australiens aus, das sich in den vergangenen fünf Jahren konstant verbessert hat. Unter Trainer Tom Sermanni und zuvor schon Adrian Santrac haben sich die Australierinnen in allen Mannschaftsteilen verbessert.

Und Sermanni ist von seinem Team, angeführt von der erfahrenen Spielführerin Cheryl Salisbury, mehr als überzeugt: „Wenn wir unser bestes Spiel zeigen, können wir die Welt schocken.“ Er sieht sich auf Augenhöhe mit den Gruppenfavoriten: „Kanada und Norwegen haben einen ähnlichen Stil und unser Leistungsniveau ist ähnlich.“

Mit jungen hungrigen Stürmerinnen wie Kate Gill, die in den vergangenen beiden Länderspielen in der Olympia-Qualifikation zehn Tore erzielte, und einem Kader, der eine gute Mischung aus Jugend und Erfahrung bereithält, wird Australien ein ernst zu nehmender Gruppengegner sein.

„Die Auslosung war in Ordnung für uns, es hätte besser, aber auch schlechter kommen können. Wir müssen uns einfach gut vorbereiten, so dass wir unser ganzes Leistungspotenzial abrufen können, um uns gegen die starken Gegner durchzusetzen“, so Sermanni.

Ghana die große Unbekannte

Wie stark ist Ghana wirklich? Diese Frage dürften sich alle anderen drei Trainer direkt nach der Auslosung gestellt haben. „Die afrikanischen Länder haben meistens erstaunliche athletische Fähigkeiten, sind technisch sehr versiert und talentiert“, so Sermanni stellvertretend.

Doch wie auch für Nigeria gilt es auch für Ghana vor allem, eine optimale WM-Vorbereitung zu absolvieren. Was in der Vergangenheit selten gelungen ist. Doch diesmal soll alles anders werden.

Auf dem Universitätsgelände von Hull mit seinen hoch modernen Trainingsplätzen und seinem frisch eingerichtetem Sportszentrum findet das Team optimale Bedingungen für seine WM-Vorbereitung vor. So verfügt das Zentrum auch über sportwissenschaftliche Einrichtungen, so dass Spielerinnen individuelle maßgeschneiderte Trainingsprogramme mit modernen Trainingsmethoden zusammen gestellt bekommen können.

Im Rahmen des Aufenthalts in England werden die Black Queens unter anderem auch ein Testspiel gegen Leeds United bestreiten. Trainer Isaac Paha setzt vor allem auf die Einbindung von Spielerinnen, die im Ausland tätig sind.

„Wir brauchen erfahrene Spielerinnen, um uns bei der WM gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Die Spielerinnen, die bei der Afrika-Meisterschaft im Einsatz waren, waren ohne Erfahrung.“ Im Finale verlor man nur mit 0:1 gegen die Nigerianerinnen. Dennoch dürfte die WM-Gruppe für die Afrikanerinnen eine Nummer zu groß sein.

Tipp:

1. Norwegen
2. Australien
3. Kanada
4. Ghana

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.