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Analyse der WM-Gruppen, Teil 2

Von am 25. April 2007 – 16.30 Uhr 2 Kommentare

lilly_portrait.jpgIn Gruppe B prallen gleich drei der besten fünf Teams der Weltrangliste aufeinander. USA, Schweden und Nordkorea. Dazu kommt Nigeria. Die vier Mannschaften kennen sich gut, trafen sie doch in identischer Zusammensetzung bereits bei der Weltmeisterschaft 2003 in den USA zusammen.

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Was in der martialischen Sprache mancher Berichterstatter immer wieder unschön Assoziationen mit dem Ableben weckt, ist nichts anderes als das reizvolle Aufeinandertreffen von vier Teams mit ganz unterschiedlichen Spielsystemen. Mit dennoch zwei klaren Favoriten und einem möglichen Überraschungsteam, wie Womensoccer.de denkt.

Der Weltrangliste-1. aus den USA dürfte sich wohl kaum von seinen Gruppengegner aus dem Konzept bringen lassen, egal wie stark sie auch sein mögen. So freut sich etwa Rekordnationalspielerin Kristine Lilly: „Ich bin sehr aufgeregt, was diese Auslosung angeht. Es ist nicht so wichtig, wer in unserer Gruppe ist, es gibt sowieso keine einfachen Spiele.“

Analyse der WM-Gruppen, Teil 1

USA: Variabler Kader mit vielen Alternativen

Die USA dürften bei der WM in China das Maß aller Dinge sein. Trainer Greg Ryan hat seit seiner Amtsübernahme von April Heinrichs gute Arbeit geleistet und einen bärenstarken Kader aufgebaut, der erfahrene und junge Spielerinnen vereint.

Unter seiner Führung ist das Team nach wie vor ungeschlagen, sieht man einmal von der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Deutschland beim Algarve Cup 2006 ab.

„Es kommt auf die gesunde Mischung an“, so Ryan, dessen Team bereits beim Algarve Cup in Portugal im März und zuvor beim Vier-Nationen-Turnier in China und dem Peace Cup in Südkorea einen starken Eindruck hinterließ.

Wenngleich das Team durchaus Defizite in der Defensive hat, dürfte es in der Vorrunde keine großen Probleme bekommen. Groß ist die Zahl der Alternativen, die Ryan in allen Mannschaftsteilen zur Verfügung stehen.

Schweden: Fragezeichen hinter den Stürmerinnen

Schweden muss die Abgänge zahlreicher Spielerinnen verkraften, wie etwa Mittelfeldmotor Malin Moström, die dem Spiel der Schwedinnen sichtlich abgeht. Trainer Thomas Dennerby testete beim Algarve Cup verschiedene Alternativen, eine Patentlösung hat er bisher noch nicht gefunden.

Gegen die USA verlor man zuletzt zweimal knapp mit 2:3, beim Algarve Cup war der Abstand zu den USA jedoch deutlich größer, als es das Ergebnis aussagt.

Der Erfolg des schwedischen Teams bei der WM wird in großem Maße davon abhängen, ob das Sturmduo, allen voran Hanna Ljungberg, bis zur WM verletzungsfrei bleibt und zu seiner Topform zurückfindet.

Im ersten UEFA-Cup-Finale war Ljungberg am vergangenen Samstag die lange Pause und fehlende Spielpraxis sichtlich anzumerken. Sollten sie und Victoria Svensson aber ihre Topform in China abrufen können, sind sie eines der wenigen Sturmduos auf der Welt, das auch die U.S.-Verteidigung ins Wanken bringen kann.

Nordkorea: Zu viele Vorschusslorbeeren

Nordkorea wird allgemein als gefährlicher Außenseiter eingestuft, doch den Beweis internationaler Klasse ist das Team bisher schuldig geblieben.

Zwar überraschte man mit dem überzeugenden Titelgewinn bei der U-20-WM, doch es ist unklar, wie viele der jungen Spielerinnen bei der WM einen Platz im A-Kader finden werden. Zudem mangelt es dem Team an internationaler Erfahrung.

Bei der Asien-Meisterschaft unterlagen die Nordkoreanerinnen im Halbfinale gegen China 0:1 und fielen dort am Ende durch unsportliches Verhalten auf. Im Spiel um Platz drei bezwang man Japan 3:2.

Technisch versiert und laufstark gleichermaßen müssen die Nordkoreanerinnen jedoch erst einmal bezwungen werden. Auf jeden Fall sind sie mit Topstürmerin Ri Kum Suk ein unangenehmer Gegner.

Athletik und Einsatzwillen stimmen ebenfalls, doch oft mangelt es an der Chancenverwertung. Für das Team dürfte die Gruppe eine zu hohe Anforderung stellen.

Nigeria: Uwak soll für Tore sorgen – Hoffen auf Akide

Bei der Afrikameisterschaft im vergangenen Jahr bewiesen die Nigerianerinnen eindrucksvoll, dass sie im afrikanischen Frauenfußball nach wie vor das Maß aller Dinge sind.

Ohne größere Mühe holte sich das Team im Finale gegen Ghana erneut den Titel. Zu den Schlüsselspielerinnen im Team gehören vor allem Perpetua Nkwocha und die junge sympathische Stürmerin Cynthia Uwak, für die die WM am liebsten morgen schon beginnen könnte.

Mit ihrer athletischen und technisch gepflegten Spielweise sind die Afrikanerinnen auf jeden Fall ein zu beachtender Gegner. Ein Fragezeichen steht wie immer hinter der WM-Vorbereitung. Denn die lief in der Vergangenheit selten reibungslos.

Doch vielleicht lernt man aus den Fehlern und bereitet diesmal seine Spielerinnen systematischer auf das große Turnier vor. Der Verband hofft, Mercy Akide aus ihrem selbst gewählten Exil zurück zu holen. Seit Olympia 2004 hat sie nicht mehr für die nigerianische Nationalmannschaft gespielt.

Die Fähigkeiten, bei der WM für eine Überraschung zu sorgen, hat das Team allemal, wenn man sich nicht wie in der Vergangenheit zu oft in Einzelaktionen verzettelt und die gelegentlich naive Spielweise ablegt.

Tipp:

1. USA
2. Schweden
3. Nigeria
4. Nordkorea

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Satine sagt:

    Ich sehe wir sind uns einig, was die Platzierungen angeht. 😉 Ich bin wirklich gespannt auf die Analyse der anderen Gruppen, da ich einige Mannschaften überhaupt nicht einschätzen kann.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ich denke, zwischen Schweden und Nigeria wird es ein enges Rennen um Platz zwei in der Gruppe geben. 😉 Die anderen beiden Gruppenanalysen folgen bald.

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