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Analyse der WM-Gruppen, Teil 1

Von am 24. April 2007 – 2.15 Uhr 1 Kommentar

Renate Lingor im Spiel gegen Dänemark beim Algarve Cup 2007.Auf den ersten Blick hat Titelverteidiger Deutschland bei der WM-Auslosung im chinesischen Wuhan am Sonntag eine machbare Gruppe erwischt.

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Argentinien, England und Japan heißen die Gruppengegner des deutschen Teams.

Doch hält die erste oberflächliche Einschätzung auch dem zweiten Blick stand? Womensoccer.de analysiert im ersten von vier Teilen die Gruppe A.

Gruppe A: Lösbare, aber unangenehme Aufgaben für Deutschland
Drei der vier Teams – Deutschland, Japan und Argentinien kennen sich bereits aus der Vorrundengruppe der WM 2003. Zum Auftakt geht es für den Weltmeister im Eröffnungsspiel der fünften Frauen-WM am 10. September in Shanghai gegen Argentinien.

Die Weltranglistenposition 32 des Südamerika-Meisters ist aufgrund der nur wenigen ausgetragenen Länderspiele sicherlich kein Gradmesser für das wahre Leistungspotenzial der Elf. Durch einen souveränen 2:0-Erfolg gegen Brasilien holte sich das Team im vergangenen November die Südamerika-Meisterschaft.

Zugleich qualifizierte man sich als erstes Team neben Gastgeber China für Olympia 2008. Auch wenn den Brasilianerinnen wichtige Spielerinnen wie Marta oder Katia fehlten – der Sieg war ein Meilenstein, markierte er doch das Ende einer Ära.

Argentinien auf dem Weg nach oben

Brasilien hatte bisher in den 15 Jahren zuvor alle vier ausgetragenen Südamerika-Meisterschaften gewonnen und noch nie ein Spiel verloren oder auch nur Unentschieden gespielt. 21:1 hieß Argentiniens Torbilanz am Ende der Qualifikation. In der schnellen und schussstarken Stürmerin Maria Belen Potassa hat das Team zudem einen echten Rohdiamanten.

„Sie ist eine Stürmerin, die immer am richtigen Platz steht. Sie hat eine große Zukunft vor sich“, lobt Trainer Carlos Borello, unter dem die Albiceleste in den vergangenen drei Jahren mächtige Fortschritte gemacht hat. Vorsicht ist also geboten. Denn einen Selbstläufer wie in der Vorrunde der WM 2003 wird es nicht mehr geben.

Japan: Überraschende Angriffsvarianten

„Ich war im Februar auf Zypern und was ich dort von Japan gesehen habe, hat mich schwer beeindruckt“, sagte uns Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller am Rande der Auslosung. Damals gewannen die Japanerinnen 1:0 gegen Norwegen, spielten 2:2 gegen Schweden und gewannen 2:0 gegen Schottland, wobei die skandinavischen Teams noch mitten in der Saisonvorbereitung steckten.

In zwei Play-off-Spielen für die WM setzte sich Japan im März gegen Mexiko durch (2:0 und 1:2), im Rückspiel hatte man Probleme mit der Höhenluft Tolucas.

Die nach einer wild wachsenden, rosafarbenen Nelke benannte Mannschaft Nadeshiko hat unter Trainer Hiroshi Ohashi offenbar die richtige Mischung aus Jugend und Erfahrung gefunden und in Homare Sawa einen echten Star in den Reihen.

Mit einer soliden Abwehr und überraschenden Angriffsvarianten hat das Team gute Chancen, ins Viertelfinale vorzustoßen. Für Japan wird es in China die fünfte WM-Teilnahme in Folge sein. Der Bonus an Erfahrung könnte gegenüber Argentinien und England das Zünglein an der Waage spielen.

England noch zu grün hinter den Ohren?

England wird gemeinhin als härtester Widersacher für Deutschland um den Gruppensieg angesehen. Trainerin Hope Powell hat das Leistungsvermögen des Teams in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, in der WM-Qualifikation hielt man den Weltranglisten-7. Frankreich auf Distanz.

Doch die letzte WM-Teilnahme Englands liegt 12 Jahre zurück, man wird erst noch zeigen müssen, ob man den Anforderungen an eine Weltmeisterschaft gewachsen sein wird. Die Europameisterschaft vor zwei Jahren vor heimischer Kulisse lässt nur bedingt Rückschlüsse zu.

Die beiden Remis gegen Deutschland und die USA beim Vier-Nationen-Turnier haben dem Team mächtig Selbstvertrauen gegeben, überbewerten darf man diese Teilerfolge aber nicht, da die beiden Topteams der Weltrangliste nicht in Bestbesetzung antraten.

Bei einer Länderspielserie im März gab es Licht und Schatten, etwa einen 6:0-Sieg gegen Russland sowie ein 0:1 gegen die Niederlande.

Die Stärke der Engländerinnen liegt in der Defensive, wo man nur selten etwas anbrennen lässt. Doch in der Offensive ist in Sachen Kreativität und Durchschlagskraft noch deutlich Spielraum nach oben. Auch das Kopfballspiel zählt nicht gerade zu den Stärken Englands.

Tipp:

1. Deutschland
2. Japan
3. England
4. Argentinien

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Satine sagt:

    Vielen Dank für diesen interessanten Überblick über die einzelnen Gegner.
    Wer mehr über den Frauenfußball in England erfahren möchte, kann sich mal beim Guardian umsehen.

    Ich bleibe trotzdem bei meinem Tipp und sage Deutschland und England kommen weiter. 🙂

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