Umeå findet kein Rezept

Von am 22. April 2007 – 12.59 Uhr

Die Überraschung ist perfekt: Arsenal London hat seinen Schwung aus der englischen Liga in den UEFA-Cup transportieren und einen unerwarteten 1:0-Sieg bei Gastgeber Umeå IK erkämpfen können. Der Gastgeber konnte zwar Feldvorteile für sich verbuchen, fand gegen die stabile Londoner Abwehr aber nicht die rechten Mittel. Im Gefühl des Erfolgs, den für die Londonerinnen ohne ihre wichtigste Spielerin Kelly Smith schon ein Unentschieden oder eine knappe Niederlage bedeutet hätte, erarbeiten sich die Arsenal Ladies in den Schlussminuten ein klares Übergewicht, aus dem auch der letztlich glückliche Siegtreffer durch Alex Scott resultierte (siehe UEFA-Spielreport).

UIK überlegen, aber ohne Durchschlagskraft

Es wäre trotz des Ergebnisses falsch zu sagen, Umeå sei seiner Favoritenrolle nicht gerecht geworden. Das sind sie im Prinzip schon, denn die größeren Spielanteile konnten sie für sich verbuchen. Das Chancenverhältnis sprach auch eine klare Sprache. Was hinter den nackten Zahlen steckt, erklärt allerdings schon mehr, warum der hohe Favorit bei seinem Heimspiel ohne Torerfolg blieb und heute in einer Woche unter Zugzwang stehen wird.

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Nach den Abgängen von Moström, Mäkinen und Valkonen und mit einer Hanna Ljungberg, die noch sichtlich weit entfernt von ihrer besten körperlichen Verfassung ist, fokussierte sich das schwedische Offensivspiel noch mehr als sonst auf Weltfußballerin Marta. Sie ist das Herz der Mannschaft, weist die mit Abstand meisten Ballkontakte auf und ist an nahezu jeder gefährlichen Szene beteiligt.

Arsenal wird mit zunehmender Spieldauer mutiger

Die Mitspielerinnen, das ist unübersehbar, suchen sie. Obwohl neben der Brasilianerin auch ihre Landsfrau Elaine oder Neuzugang Madeleine Edlund Akzente setzen können, ist das Offensivspiel für die Arsenal Ladies ausrechenbar. Trotz der Ausfälle von Leanne Champ und Yvonne Tracy stand die Abwehr stabil und konnten sich die Gunners auf ihre Torfrau Emma Byrne verlassen, die die Schwedinnen mit ihren Glanzparaden mit zunehmender Spieldauer zur Verzweiflung trieb.

Je länger die Londonerinnen damit erfolgreich waren, desto mutiger wurden sie auch. Der Zugwang, unter dem Umeå stand, eröffnete ihnen bei Balleroberungen Chancen für Konter. Es ist ein Spagat, zu dem die Schwedinnen nun gezwungen sind. Vorne muss ein Tor her, zu Hause darf man sich aber auch kein Gegentor erlauben. Diese Konstellation bestimmt den zweiten Spielabschnitt, in dem sich die Schwedinnen über gute Chancen erneut nicht beschweren können.

Bei Arsenal macht sich Nervosität breit

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Je näher der Abpfiff rückt, desto mehr verwandelt sich jedoch der Elan der Schwedinnen, endlich zu ihrem ersten Tor zu kommen, in Nervosität. Die Fehlpässe auf Seiten Umeås nehmen zu, im gleichen Maße auf der anderen Seite die Torchancen für Arsenal. Yankey und Carney nutzen nun die Freiräume, die sich aus der engen Bewachung ihrer einzigen Sturmspitze Julie Fleeting ergeben. Einzig Marta mit ihrer Athletik und Ballgewandtheit sowie der unermüdlich kämpfenden Edlund gelingt es noch vereinzelt, die Londoner Abwehr in Schwierigkeiten zu bringen. Von Ma ist nach ihrer Einwechslung so gut wie nichts zu sehen. Mehr jedoch gelingt auch ihnen nicht, sodass der Gau für Umeå, nämlich der Siegtreffer durch einen sehenswerten 25-Meter-Schuss von Alex Scott, zu diesem Zeitpunkt dann so unerwartet nicht mehr fällt.

Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation im September hat der englische Frauenfußball in der kommenden Woche nun die große Chance, weiteres Ansehen in diesem fußballbegeisterten Land zu gewinnen. Da sich Umeå gewiss noch lange nicht geschlagen geben wird, können wir also auf ein echtes Frauenfußball-Highlight hoffen. Hoffentlich so spannend und attraktiv, dass irgendwann auch ein Frauenfußball-Reporter einfach „Reporter“ und nicht mehr „Frauenbeuaftragter“ (Eurosport) genannt wird.

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