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Wetten, dass das UEFA-Cup-Finale eine knappe Geschichte wird?

Von am 20. April 2007 – 21.15 Uhr 4 Kommentare

Ginge es nach den Wettanbietern, dann bräuchte man das UEFA-Cup-Finale, das am morgigen Samstag sowie nächsten Sonntag in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, nur noch anpfeifen, damit die Wetten um die Höhe des Sieges von Umeå IK nicht ins Leere laufen. Aber dass der zweifache Titelträger bei seiner vierten Finalteilnahme am kommenden Sonntag nach dem Rückspiel in London den Pokal in die Lüfte wird recken können, scheint für die große Mehrheit der Frauenfußball-Beobachter ausgemachte Sache. Warum eigentlich, können die Arsenal Ladies sich in diesem Jahr nicht etwa schon mit 18 Siegen in Folge brüsten?

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Fragt sich auch Arsenals Spielführerin Jayne Ludlow: „Wir sind zuversichtlich, dass wir einige Leute eines Besseren belehren können. Die Rolle des Underdogs ist ausgesprochen reizvoll und nimmt den Druck von uns.“ Auch ich sehe UIK in der Favoritenrolle, plädiere aber dafür, die starke Mannschaft von Manager und Coach Vic Akers nicht zu unterschätzen. Allein mit der Ehre, der erste Finalist zu sein, der nicht aus Deutschland oder Skandinavien kommt, werden sich die „Gunners“ ganz bestimmt nicht begnügen.

Sicher, die Vorzeichen für die Engländerinnen könnten bessere sein. Nicht nur Regisseurin Kelly Smith (Akers: „Die beste Fußballerin der Welt!“) fehlt wegen ihrer Sperre, die sie provokanten Gesten gegenüber dem dänischen Publikum im Halbfinale gegen Bröndby Kopenhagen zu verdanken hat. Die erst 19-jährige Lianne Sanderson wird ihre Rolle übernehmen. Nein, auch Kapitänin Faye White, die nach einer von einem Kreuzbandriss erzwungenen neunmonatigen Verletzungspause (White: „Eine sehr einsame Zeit“) am Mittwoch im County Cup gegen Millwall zu ihrem ersten Einsatz kam, wird morgen definitiv nicht auflaufen, wie Akers bereits vorab verlauten ließ. Ihre Abwehrkolleginnen Leanne Champ und Yvonne Tracy, ebenfalls verletzungsbedingt einige Zeit abstinent, stehen morgen zumindest im Kader. Ob sie zum Einsatz kommen, ist noch offen.

Doch auch der Gegner aus Schweden ist nicht frei von Sorgen. Vor der kürzlich gestarteten schwedischen Saison vollzog sich beim Meister ein gewaltiger personeller Umbruch (siehe Saisonvorbericht). Die ersten beiden Partien in der Damallsvenskan gegen QBIK (4:0) und Sunnanå SK (3:0) verliefen erfolgreich, gleichwohl gegen Gegner, die sich mit UIK nicht auf Augenhöhe messen können. Arsenal wird das erste Team sein, das die Mannschaft von Trainer Andrée Jeglertz ernsthaft prüfen wird. Morgen wird sich zeigen, wie gut die Schwedinnen vor allem den Verlust ihrer Mittelfeldstrategin Malin Moström verkraftet haben und wie sich der neue Sturm mit der Chinesin Ma Xiaoxu und Madeleine Edlund schlagen wird, falls Hanna Ljungberg – wie in den Ligaspielen – noch nicht in der Startelf stehen wird.

Ljungberg, die schwedische Starstümerin, konnte wegen hartnäckiger Oberschenkelprobleme fünf Monate kein Pflichtspiel bestreiten und wurde in den beiden ersten Saisonspielen immer erst in der Schlussvierstelstunde für Ma eingewechselt. „Wir sind richtig aufgedreht vor dem Finale“, sagt die 28-Jährige. Ab wann sie selber aufdrehen wird? Warten wir es ab. Gespannt kann man auf jeden Fall auf die Chinesin Ma sein, die mit einem Tor gegen QBIK einen guten Start erwischte, sich spielerisch gut integriert fühlt, außerhalb des Platzes wegen massiver Sprachprobleme aber noch nicht die rechte Bindung gefunden hat.

Auch wenn die beiden Mannschaften zum ersten Mal aufeinandertreffen, fremd sind sie sich nicht. In zahlreichen Länderspielen kamen die Protagonistinnen miteinander in Kontakt. Zuletzt die schwedischen Nationalspielerinnen mit Schottlands Sturmass Julie Fleeting, auf der nach dem Ausfall Smith‘ morgen vor vermutlich ausverkauftem Haus die Hoffnungen der „Gunners“ liegen. Fleeting führt derzeit die Torschützenliste im UEFA-Cup mit neun Toren an – die Finalgegnerinnen Hanna Ljungberg (8), Marta (7) und Lise Klaveness (6) dicht auf den Fersen. Karolina Westberg, Abwehrspielerin in Umea und in der schwedischen Auswahl, sagt: „Im Länderspiel war sie auf sich alleine gestellt, aber wenn sie von starken Flügelspielerinnen bedient werden kann (morgen Rachel Yankey und Karen Carney, Anm.), ist sie eine brandgefährliche Sturmspitze.“

Das freilich ist bekannt. Für weitere Details jedoch wusste sich Umeå seinen Vorteil zunutze zu machen, die Londonerinnen im Verlauf ihrer Saison, in der ihnen noch ein Sieg zur Titelverteidigung fehlt, mehrfach beobachten zu können. Eine Chance, die die Engländerinnen nicht hatten. „Videokassetten von den alten Spielen zu schauen, brachte nicht viel“, so Akers. So weiß denn der Premierenfinalist morgen vor der „härtesten Prüfung der 20-jährigen Vereinsgeschichte“ (BBC) nicht ganz genau, was ihn erwartet. Eine Spannung, die sie nicht nur mit ihren Fans und anderen Frauenfußball-Interessierten teilen, sondern auch mit den Fans von Djurgarden Damfotboll, Charlton Athletic und Everton LFC. Die nämlich könnten bei einem Finalsieg ihres Landesvertreters als Vizemeister den zweiten Startplatz wahrnehmen.

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4 Kommentare »

  • nadine sagt:

    Ich drücke in jedem Fall Umeå die Daumen für beide Spiele, damit im Falle des Falles die Mädels von Djurgården in der nächsten Saison auch international spielen können.

    Es ist schwer Mannschaften einzuschätzen, die man eigentlich nicht spielen sieht. Aber was ich im Netz von den UIK-Spielen gesehen habe (svt.se), war soo schlecht nicht, trotz des großen Umbruchs in der Mannschaft. Mit Marta hat UIK eine Ausnahmespielerin, die ggf. ein Spiel mit einer gelungen Aktion allein entscheiden kann.
    Arsenal kann ich gar nicht einschätzen. Bleibt also nur warten und Spiele anschauen.

    Finde ich übrigens herausragend, das Eurosport beide Finalspiele überträgt!

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  • Richtig, kann man nur hoffen, dass dann auch die Einschaltquoten passen. Nochmal als Hinweis: Morgen überträgt Eurosport ab 14 Uhr live, am Sonntag in einer Woche (29. April) ab 13 Uhr.

    Und die von Nadine angesprochenen kleinen Videos zum schwedischen Frauenfußball finden sich hier:

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  • Peter sagt:

    Ich glaube, dass Arsenal international einfach noch zu grün hinter den Ohren sein wird und mangels Erfahrung den Kürzeren ziehen wird. Dass Kelly Smith fehlt, macht die Sache nicht einfacher, vor allem psychologisch. Ich erwarte zwei klare Umea-Siege!

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  • Antje aus London sagt:

    Ich hoffe, dass die Arsenal Ladies zumindest eine gute Figur machen und das Hinspiel so ausgeht, dass es im Rueckspiel noch spannend ist.

    Arsenal hat sicher den Vorteil, eingespielt zu sein, waehrend die schwedische Saison gerade erst begonnen hat. Das Fehlen von Kelly Smith ist vermutlich schwer zu verkraften. Es ist schade, dass eine so gute Spielerin wieder einmal (diemal aber nicht verletzungsbedingt) nicht auf der ganz grossen Buehne des Frauenfussballs glaenzen kann.

    Ich denke dass es fuer die Arsenal-Spielerinnen insofern einfacher ist, weil sie unter viel weniger Druck spielen als sonst. Hier in England gewinnen sie seit Jahren fast jedes Spiel und haben vor der Saison mit Karen Carney und Katie Chapman zwei weitere englische Nationalspielerinnen verpflichtet. Die Spielerinnen haben in den letzten Jahren mit der Nationalmannschaft international einiges an Erfahrung gesammelt und die erfolgreiche WM-Qualifikation hat nochmal einen Motivationsschub gebracht.

    Ich hoffe auf zwei spannende Spiele!

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