Vera Pauw: „Sind glücklich, Deutschland in der Gruppe zu haben“

Von am 11. April 2007 – 9.03 Uhr

Hollands Nationaltrainerin Vera Pauw freut sich auf das Spiel gegen Deutschland. Bild mit freundlicher Genehmigung des KNVB.Seit Vera Pauw im Oktober 2004 die niederländische Frauenfußball-Nationalmannschaft übernahm und bei ihrem ersten Einsatz in Berlin gleich ein 0:0 gegen Deutschland erreichte, hat das Team enorme Fortschritte gemacht.

Zuletzt feierte die Elf drei beachtliche Siege in Folge gegen Russland (5:0), Italien (2:0) und WM-Teilnehmer England (1:0).

Im Interview mit Womensoccer.de spricht Pauw über die Chancen ihres Teams in der EM-Qualifikation, Gegner Deutschland und die Zukunftsaussichten für den Frauenfußball in den Niederlanden.

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Womensoccer.de: Frau Pauw, die Siege gegen Russland, Italien und England müssen doch Begehrlichkeiten geweckt haben.

Vera Pauw: Wir müssen realistisch bleiben. Das waren nur Freundschaftsspiele, Qualifikationsspiele sind etwas ganz anderes. Deutschland ist Weltmeister und als Team weiter entwickelt als wir. Wir werden aber natürlich alles tun, was in unserer Macht steht.

Womensoccer.de: Wie wollen Sie an die Partie herangehen?

Pauw: Ich glaube, es geht nicht so sehr darum, was wir wollen (lacht). Wie auch immer unsere Pläne aussehen, Deutschland wird die Partie diktieren. Sie haben so viele verschiedene Möglichkeiten, ihr Spiel aufzuziehen.

Womensoccer.de: Obwohl sie zuletzt außer Tritt geraten sind?

Pauw: Das macht die Sache für uns nicht einfacher. Für uns wäre es besser gewesen, Deutschland hätte beim Algarve Cup alle Spiele gewonnen. Die Spielerinnen werden sich rehabilitieren und den Zuschauern zeigen wollen, was sie wirklich können. Für das Team ist es gar nicht so schlimm, mal ein paar Spiele verloren zu haben.

Womensoccer.de: Wird der der mentale Faktor eine Rolle spielen?

Pauw: Es gibt eine Menge Spielerinnen in meinem Team, die noch nie gegen Deutschland gespielt haben. Wir waren glücklich, als sie in unsere Gruppe gelost wurden. Für die Entwicklung des Frauenfußballs in Holland ist so eine Partie wirklich wichtig, wir brauchen diese Art von Erfahrung. Aber natürlich ist es auch nicht einfach, gegen die besten Teams der Welt solche Qualifikationsspiele zu bestreiten, wenn man einen solchen Druck gar nicht gewohnt ist. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Womensoccer.de: Wie wichtig war vor allem der Sieg gegen England?

Pauw: Er war enorm wichtig. In Holland wird nun wahrgenommen, dass Dinge in Bewegung sind, und unsere Spielerinnen sich verbessern. Allerdings muss man auch diese Partie realistisch betrachten. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten ordentlich gespielt, aber wir hätten uns auch nicht beklagen dürfen, wenn wir nach zehn Minuten 0:3 hinten gelegen hätten. England hat zudem ein Abseitstor erzielt, das kein Abseits war. Wir hatten also auch Glück.

Womensoccer.de: Ist Ihr Team also noch nicht reif für ein Spiel gegen Deutschland?

Pauw: Ich bin schon sehr zufrieden mit der Entwicklung der vergangenen Jahre, aber ob das für ein Spiel gegen den Weltmeister schon reicht, weiß ich nicht. Ich denke, dass wir noch nicht auf diesem Niveau sind. Aber unser Ziel ist der zweite Platz in der Gruppe, der zur Teilnahme an den Play-off-Spielen berechtigt, über die wir uns für die EM 2009 qualifizieren wollen.

Womensoccer.de: Wohin soll der Weg in den kommenden Jahren führen?

Hollands Nationaltrainerin Vera Pauw. Bild mit freundlicher Genehmigung des KNVB.Pauw: Wir wollen nach und nach die Lücke zu den weltbesten Teams schließen, deswegen strukturieren wir unsere Entwicklungsprogramme um. Wir werden das irgendwann schaffen, da bin ich mir sicher, ob dieses Jahr, nächstes oder das Jahr danach. Wir waren für diese EM-Qualifikation ja auch das erste Mal in Topf zwei bei der Auslosung, allein das ist schon ein Erfolg. Mit dem Potenzial in unserem Team ist mir nicht bange für die Zukunft.

Womensoccer.de: Gibt es junge Spielerinnen, auf die wir besonders achten sollten?

Pauw: Ja, zum Beispiel Sherida Spitse, eine zentrale Mittelfeldspielerin, die erst 16 Jahre alt ist, aber bereits seit einem halben Jahr zum Herz der Nationalmannschaft gehört. Das wird eine sehr wichtige Spielerin, wenn sie sich so weiterentwickelt wie bisher und von Verletzungen verschont bleibt. Sie ist eine große Hoffnung für die Zukunft. Eine weitere Spielerin, die es zu beachten gilt, ist Stürmerin Karin Stevens, 17 Jahre alt. Es gibt weitere Spielerinnen unter 21, die viel versprechend sind.

Womensoccer.de: Wie wichtig wird die neue Frauenliga für die weitere Entwicklung sein?

Pauw: Man muss sicherlich ein wenig abwarten und sehen, ob wir Sponsoren gewinnen können und sich auch das Fernsehen für uns interessieren wird. Momentan geht alles sehr schnell. Die Spielerinnen werden derzeit auf die sechs Mannschaften aufgeteilt, die Sichtungstrainings sind nahezu abgeschlossen. Im Juli geht es dann schon mit der Saisonvorbereitung los. Eines ist sicher: Die Spielerinnen werden unter dem größeren Druck reifer werden und wir werden eine bessere Liga haben als zuvor.

Bildnachweis: Mit freundlicher Genehmigung des niederländischen Fußballverbands KNVB

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.