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Leeds United vor dem finanziellen Aus?

Von am 10. April 2007 – 1.00 Uhr

Leeds United, 1989 gegründet und seit 2001 in der höchsten englischen Frauenfußball-Liga, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Topteam der Women’s Premier League entwickelt. In dieser Saison bot man im Ligapokalfinale sogar dem UEFA-Cup-Finalisten Arsenal beim 0:1 lange die Stirn. Doch nun steht der Verein vor dem finanziellen Kollaps. Leeds-Stürmerin Sue Smith enthüllt: „Es ist sogar fraglich, ob wir es überhaupt bis zum Ende der Saison schaffen. Es zerreißt mir das Herz.“

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Gerade einmal 90.000 Pfund (rund 132.000 Euro) beträgt das Jahresbudget von Leeds United. Geschäftsführerin Mel Vauvelle nennt die Gründe für die Schieflage. „Wir haben normalerweise ungefähr 80.000 Pfund pro Jahr vom Männer-Verein erhalten, aber jetzt bekommen wir nichts mehr. Wir dürfen nicht mal mehr die vereinseigenen Trainingseinrichtungen benutzen. Das hat uns rund 10.000 Pfund extra gekostet, die nicht budgetiert waren.“

Und selbst der sportliche Erfolg wird finanziell bestraft: „Es hat uns Geld gekostet, das Ligapokalfinale erreicht zu haben – anders als beim FA Cup der Männer gibt es für eine erfolgreiche Teilnahme am Ligapokal bei den Frauen keine finanzielle Belohnung.“

Negative Auswirkungen

Inzwischen hat der Engpass auch Auswirkungen auf die sportliche Leistung. Leeds United kassierte in den vergangenen Wochen zunächst eine 1:8-Schlappe gegen Arsenal und dann eine 1:2-Niederlage gegen den Tabellenachten Doncaster.

Kein Wunder, kann es sich der Verein doch nicht länger leisten, seinen Spielerinnen Benzingeld zum Besuch des Trainings zu bezahlen. Auch ein im Februar abgeschlossener Trikotdeal mit Umbro brachte keine substantielle Erleichterung.

Die Gelder von Sponsor Empire Direct sind aufgebraucht, der Zweijahresvertrag läuft zu Saisonende aus. Eine Zusage des Elektrikunternehmens steht noch aus, sein Engagement in der kommenden Saison fortzusetzen.

Einkaufstüten packen im Kaufhaus

Die Verzweiflung geht inzwischen soweit, dass man im Kaufhaus Morrisons – ironischerweise Hauptkonkurrent von Tesco, dem neuen Titelsponsor der Women’s Premier League – am vergangenen Freitag Einkaufstüten packte, um zusätzliche Einnahmen zu erlösen. Am 20. April findet im Manor Golf Club ein Golftag statt, am 20. Mai steht ein Juniorenturnier an der Knottingley High School auf dem Programm, um frisches Geld einzunehmen.

Vauvelle meint: „Die Marke Leeds United ist gut zu vermarkten. Wir haben Pokalfinals erreicht, die im Fernsehen übertragen wurden, und in der Liga geben wir immer unser Bestes. Wir denken, für irgendjemanden da draußen ist das eine massive Gelegenheit.“

Doch sollten sich in absehbarer Zeit keine neuen Gelder auftreiben lassen, könnte schon bald ein englischer Topverein von der Bildfläche verschwunden sein.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.