Reserveteams – Fluch oder Segen?

Von am 29. März 2007 – 2.31 Uhr 2 Kommentare

Der HSV II beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Victoria Gersten im November 2006.Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung von meiner geschätzten Kollegin Kathrin Steinbichler brachte mich auf die Idee, das Thema Reserveteams unter die Lupe zu nehmen. In ihrem Beitrag von vor einer Woche geht es um die Pläne Bayern Münchens, in der kommenden Saison eine Mannschaft für die 2. Liga zu melden.

2003 hatte der DFB zur Saison 2004/2005 die Einführung einer zweigeteilten 2. Bundesliga im Frauenfußball mit jeweils zehn Mannschaften beschlossen. Der Schritt stieß damals auf breite Zustimmung – bis der DFB die Zulassungskriterien verwässerte und zusätzlich zweite Mannschaften von Bundesligavereinen zuließ. Was bis heute einigen sauer aufstößt.

Begründet wurde die Zulassung von Reserveteams damals damit, die führenden Bundesligavereine in ihrem Bemühen unterstützen zu wollen, in ihren Regionen Leistungszentren des Frauenfußballs aufzubauen und somit die Nachwuchsarbeit für die Frauen-Nationalmannschaften zu fördern.

Anzeige

Bei den kleineren Vereinen stießen diese Pläne damals auf wenig Gegenliebe. Christine Schmidt, 1. Vorstand des FFC Wacker München, meinte vor der Entscheidung: „Ein positiver Antragsbeschluss (…) bedeutete für uns und alle kleineren Vereine mittelfristig das sportliche Ende.“ Schmidt befürchtete Rückschritt statt Fortschritt, wenn der Frauenfußball in Deutschland auf nur wenige finanzkräftige Vereine begrenzt würde.

Zwölferligen

Die ursprünglich auf zehn Teams ausgelegten Zweiten Ligen haben sich inzwischen zu Zwölferligen gewandelt, vier Bundesligateams sind dort mit zweiten Mannschaften vertreten: Bad Neuenahr II und 1. FFC Frankfurt II im Süden, HSV II (Bild) und Turbine Potsdam II im Norden. In der kommmenden Saison werden es möglicherweise fünf sein, denn Bayern München hat erstmals die erforderlichen Unterlagen für ein Zweitligateam beim DFB eingereicht.

Die Münchner wollen nach der Stabilisierung der Bundesligamannschaft mit einem Team in der 2. Liga den jungen Spielerinnen ein Sprungbrett bieten. Vorausgesetzt, die sportliche Qualifikation wird geschafft, „ist bereits beschlossen, dass der Verein die finanzielle Unterstützung für eine Zweitliga-Mannschaft bereitstellt”, so Karin Danner, Frauenfußball-Koordinatorin des FC Bayern, im schon eingangs erwähnten Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Kritik von Wacker München

Christine Schmidt, 1. Vorstand des FFC Wacker MünchenWas aus Sicht des FC Bayern ein logischer und nachvollziehbarer Schritt ist, stößt beim Lokalrivalen FFC Wacker München auf Ablehnung: „Wir haben die Zulassung von Reserve-Mannschaften zum Spielbetrieb in der 2. Frauen-Bundesliga von Beginn an scharf kritisiert“, so Schmidt (Bild) gegenüber Womensoccer.de.

„Aus unserer Sicht trägt diese Entscheidung nicht zur notwendigen breiten Entwicklung im deutschen Frauenfußball bei, sie verstärkt vielmehr die Ausnahmestellung einiger weniger bereits heute gut positionierter Vereine. Zweistellige Siege bleiben an der Tagesordnung – die bessere Vermarktung der Frauen-Bundesliga bleibt Wunschdenken.“

Trotz der größeren finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten beim FC Bayern, hofft man, dass man keine Spielerinnen an den Konkurrenten abgeben wird. „Die Ausbildung und Förderung von Nachwuchsspielerinnen ab der E-Jugend hat für uns seit Jahren größte Bedeutung. Wir hoffen, dass dieses Engagement eine größere emotionale Bindung schafft – auch wenn der FC Bayern München künftig eine zweite Mannschaft in der Frauen-Bundesliga stellt.“

Schließt Ihr Euch der Meinung der Wacker-Verantwortlichen an, dass Reserveteams dem Frauenfußball in Deutschland schaden, oder sind sie möglicherweise sogar eine Bereicherung? Eure Meinungen sind gefragt!

[poll=16]

Tags: , , , , , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Bernhard sagt:

    Als in den letzten Jahren die 2te FCB-Mannschaft souverän die Bayernliga beherrschte, aber nicht aufsteigen durfte, gab es eine ganze Reihe von Spielerinnen, die ohne Probleme 2te Liga hätten spielen können.

    Sportlich gesehen war der FFC Wacker also attraktiver für diese Spielerinnen. Dennoch ist so gut wie keine vom FCB zu Wacker gegangen. Nur Johanna Loistl entschied sich für Wacker statt FCB nach ihrer Rückkehr aus USA.

    Wenn der FCB 2te Liga spielt, gibt es für Wacker ein Derby. Das ist doch allemal interessant.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Derbys wäre man bei Wacker natürlich nicht abgeneigt. 😉 Frau Schmidt meinte zu dem Thema: „Derbys sind immer reizvoll – nicht nur aus sportlicher Sicht. Sicher fänden solche Duelle auch im dicht gedrängten Veranstaltungskalender der Sport-Stadt München eine verstärkte mediale und damit öffentliche Beachtung.“

    (0)