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Steffi Jones tritt aus der Frauen-Nationalmannschaft zurück

Von am 26. März 2007 – 15.13 Uhr 4 Kommentare

Überraschender Schritt: Steffi Jones hat mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt aus der Frauen-Nationalmannschaft erklärt. Die 34 Jahre alte Verteidigerin teilte dies DFB-Trainerin Silvia Neid mit. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber sie ist schon seit längerem in mir gereift“, sagt die 111-fache Nationalspielerin in einer Pressemitteilung des DFB. Für ihren Entschluss führt die Spielerin des 1. FFC Frankfurt sportliche und berufliche Gründe an.

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„Ich habe aus der persönlichen Einschätzung meiner Leistungen beim Algarve-Cup die Konsequenzen gezogen“, so Steffi Jones. Nach einer halbjährigen Länderspiel-Pause war sie beim Turnier an der Südküste Portugals erstmals wieder in der deutschen Nationalmannschaft dabei.

Mit ihren Darbietungen Anfang dieses Monats war die 111-fache Nationalspielerin jedoch nicht zufrieden. „Auch wenn andere sagen, dass ich passabel gespielt habe, reicht mir das nicht. Mein Anspruch ist es, vorne weg und nicht nur mitzulaufen“, erklärt sie.

Sportliche Ziele nicht mehr erreichbar

Die Herausforderung, bis zur Weltmeisterschaft vom 10. bis 30. September 2007 in der Volksrepublik China ihre Form auf WM-Niveau zu bringen, sah die 34-Jährige mit großer Skepsis. „Mein Körper hat mir schon vor dem Algarve-Cup Signale gesendet, die mit meinen ehrgeizigen sportlichen Zielen nicht konform gingen“, berichtet die Welt- und Europameisterin.

„Das Tempo, das mittlerweile im internationalen Frauenfußball gegangen wird, ist sehr hoch. Enorme Laufbereitschaft wird gefordert. Und ich bin in einem Alter, in dem sich so etwas nicht mehr beliebig regulieren lässt“, sagt Steffi Jones. Aus diesem Grund sah sie es als ihre Pflicht an, rechtzeitig die Konsequenzen zu ziehen.

„Das bin ich Silvia Neid schuldig. Sie hat mir vor dem Algarve-Cup den Rücken gestärkt, wollte mich unbedingt dabei haben. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar. Wenn ich meine Entscheidung erst kurz vor der WM bekannt gegeben hätte, hätte ich die Bundestrainerin damit in Schwierigkeiten bringen können“, so Steffi Jones weiter.

Zukunft im Blickfeld

Außerdem blickt die Frankfurterin, die ihren bis zum Ende der Saison 2007/08 laufenden Vertrag beim zweifachen UEFA-Pokal-Sieger 1. FFC Frankfurt erfüllen wird, über die Zeit nach der aktiven Laufbahn hinaus und treibt ihre berufliche Zukunft voran. So wird sie im Juli am Fußball-Lehrer-Lehrgang teilnehmen, um die Fußball-Lehrer-Lizenz zu erwerben. Ebenso hat sie bereits eine Zusage für ein Praktikum im Anschluss daran erhalten.

FFC-Manager Siegfried Dietrich erklärte: „Klar, dass uns die so kurz vor der WM von Steffi Jones getroffene Entscheidung im ersten Moment sehr geschockt hat – zumal Steffi zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Weltfrauenfußballs zählt und maßgeblich an den langjährigen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft beteiligt ist.

Aus unserer Sicht war sie – nach ihrer Verletzung aus dem letzten Jahr – während des Algarve-Cups wieder auf einem wirklich guten Weg. Andererseits haben wir in Anbetracht ihrer Argumente und persönlichen Einschätzung großen Respekt vor ihrer Entscheidung und freuen uns, dass sie zumindest dem 1. FFC Frankfurt auch noch für die Saison 2007/2008 erhalten bleibt.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Antje sagt:

    Schade fuer den deutschen Frauenfussball. Aber Respekt fuer die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt. Steffi Jones war und ist ein Aushanegeschild fuer den deutschen Frauenfussball und wird dem Sport sicher auch nach ihrer aktiven Laufbahn erhalten bleiben.

    Es gibt genug Nachwuchs um die Luecke, die Steffi in der deutschen Abwehr hinterlaesst, perspektivisch zu fuellen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Das sehe ich genauso. Ich weiß nicht, ob viele Spielerinnen den Mumm gehabt hätten, wenige Monate vor einer WM diese auch für sie sicherlich nicht einfache Entscheidung zu treffen. Jetzt ist sie erst mal in die USA geflogen, wahrscheinlich um ein wenig Abstand zu gewinnen, bevor dann das DFB-Pokalhalbfinale gegen Saarbrücken ansteht.

    Ich bin aber mal gespannt, ob sie wirklich noch die komplette nächste Saison für Frankfurt durchspielt. Denn international, sprich UEFA Cup, werden die Anforderungen ja nicht niedriger.

    Sorgen um eine Nachfolgerin muss man sich wohl nicht machen. Es deutet ja manches darauf hin, dass unter anderem eine Annike Krahn ihre Fußballschuhe bald in Frankfurt schnüren könnte.

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  • Renate sagt:

    „Sorgen um eine Nachfolgerin muss man sich wohl nicht machen. Es deutet ja manches darauf hin, dass unter anderem eine Annike Krahn ihre Fußballschuhe bald in Frankfurt schnüren könnte.“

    Ich dachte Krahn hat Duisburg schon ihr Wort gegeben? Gibt es mitlerweile davon abweichende Aussagen?

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  • Markus Juchem sagt:

    Letzten Sonntag nach dem Spiel in Frankfurt meinte Annike auf den FFC angesprochen recht barsch: „Ich bin Spielerin des FCR 2001 Duisburg und ich werde die Wechselgerüchte nicht kommentieren.“ Ein Dementi klingt anders.

    Und aus dem FFC-Umfeld hieß es auf eine mögliche Verpflichtung angesprochen, man wolle „nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen“. Das kann jetzt jeder deuten wie er will. 😉

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