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Obliers’ markige Worte sind gut für den Frauenfußball

Von am 23. März 2007 – 18.18 Uhr

Doch, es sind schon recht markige Worte, die Thomas Obliers, dem Cheftrainer des FCR 2001 Duisburg, gegenüber dem „RevierSport“ über die Lippen gekommen sind. „Frankfurt hat Schiss vor uns“ oder „Inka (Grings, Anm.) ist heiß wie Frittenfett“, heißt es dort beispielsweise. Ganz klar: Die Spitzenpartie am Sonntag um 11 Uhr im Frankfurter „Stadion am Brentanobad“ wirft ihre Schatten voraus und ist für den Kampf um den Meisterpokal von entscheidender Bedeutung. Wenn die ARD am Sonntag in ihrer abendlichen Sportschau-Sendung um 18 Uhr Ausschnitte vom Bundesliga-Gipfel zeigt, verdeutlicht das den Stellenwert dieses Kräftemessens. Ist es also legitim, den Aufmerksamkeitswert durch solch verbales Getöse zu steigern?

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Ich meine ganz klar: Ja! Natürlich, da ist viel Dampfgeplauder dabei und eine Niederlage am Sonntag wäre sicherlich nicht sehr angenehm für Herrn Obliers. Denn wer wird schon gerne nach einem Misserfolg mit vor dem Spiel getätigten vollmundigen Aussagen konfrontiert? Doch dieses Risiko gehört dazu, das weiß auch der Gegner aus Frankfurt. Die Wortgefechte zwischen Frankfurts Präsident Siegfried Dietrich und Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder sind wohl allen noch in lebendiger Erinnerung.

Die Reize des Sports

Und mal ehrlich, erschrickt wirklich jemand vor dem Satz „Frankfurt hat Schiss vor uns!“? Ach was, Sport lebt von Rivalitäten und gesunder Aggressivität, die sich vor solch einem Highlight einfach aufbauen muss. Ein Verweis auf den Männerfußball, dem der Frauenfußball damit zunehmend ähnelt, wäre zu kurz gedacht und offenbarte eine kontraproduktive Überkorrektheit. Keiner will Schlammschlachten, in denen sich die Protagonisten gegenseitig unter der Gürtellinie angehen und den Sport zur Randnotiz werden lassen. Doch deswegen jegliche psychologischen Spielchen, und seien sie eben drastisch in der Wortwahl, zu verteufeln, hieße, den Sport eines essentiellen Reizes zu berauben.

Wer zum Fußball geht, der tut das nicht selten auch, um dem Alltag mal, und seien es nur ein paar Stündchen, zu entkommen. Sport bedeutet Emotion, und wenn die Hormone es so wollen, dann fallen auch mal Sätze, die man sich im alltäglichen Gespräch nicht gesagt hätte. Rivalitäten geben dem Sport eine besondere Note, der Ansporn ist noch höher als normal, die Spannung steigt und es baut sich eine gesunde Aggressivität auf. Diese ist die Voraussetzung für packende Spiele, in denen alle Beteiligten mitleiden und mitfiebern können. Und das ist doch genau das, was wir uns beim Gang ins Stadion wünschen. Ist der Abpfiff ertönt, wird nochmal engagiert ausgewertet und werden strittige Szenen ausdiskutiert. Dann ist es aber auch irgendwann gut.

Frauenfußball braucht Rivalitäten

Das alles ist Sport, und wer dem Sport – ob bewusst oder unbewusst – schaden will, der achtet überkorrekt darauf, sich auch im Vorfeld solcher Partien nicht in der Wortwahl zu vergreifen (wobei Obliers das in diesem Fall meines Erachtens nicht getan hat). Das aber ist in etwa so produktiv wie das ständige Maßregeln von Trainern, die sich innerhalb der Coaching Zone echauffieren, ihr Team lautstark antreiben und bei denen die Emotionen Achterbahn fahren. Das ist wider die Natur des Menschen und es ist kein Wunder, wenn dann dem ein oder anderen mal der Gaul durchgeht und über das Ziel hinausgeschossen wird. Deshalb: Bitte nicht übertrieben zimperlich sein. Auch der Frauenfußball braucht seine Rivalitäten und er braucht Trainer und Fans, für die manche Spiele eben einfach mehr sind als andere. Sie sind das Salz in der Suppe.

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