Mehr als nur ein Spiel

Von am 17. März 2007 – 15.40 Uhr

Um drei Punkte geht es morgen um 14 Uhr in der Wolfsburger VfL-Arena (siehe 13. Spieltag). Drei Punkte, die der mitten im Abstiegskampf steckende VfL ebenso herbeisehnt wie der Gast aus Potsdam, dem positive Presse auch mal wieder gut tun würde. Fünf Spielerinnen (siehe Bericht vor dem Algarve Cup) im aktuellen Wölfe-Kader spielten bis Ende 2005 oder länger noch für den amtierenden Deutschen Meister. So erinnern dann auch die verbalen Auseinandersetzungen vor dieser Begegnung ein bisschen an die Giftpfeile, die in den letzten Jahren in schöner Regelmäßigkeit vor den Aufeinandertreffen von Turbine Potsdam und dem oft als „FC Bayern München des Frauenfußballs“ titulierten FFC Frankfurt von Hessen nach Brandenburg und umgekehrt abgeschossen wurden.

Das kommt nicht von ungefähr, denn viele Potsdamer Anhänger sehen in dem von zahlreichen VW-Vitaminspritzen aufgepeppten Werksclub einen Klon des FFC Frankfurt, quasi die Inkarnation des kalten, mit Geld um sich schmeißenden Retortenvereins, der sich nun für seine zahlreichen Nationalspielerinnen loben lässt. „Dass sich neuerdings so viele Nationalspielerinnen beim VfL versammeln, sieht der 41-Jährige als Lohn kontinuierlicher Arbeit an“, wurde Wolfsburgs Trainer Bernd Huneke in dieser Woche in den Wolfsburger Nachrichten zitiert. Auf der gut frequentierten Frauenfußball-Plattform ff-forum.net rief diese Aussage sogleich den User „Eric“ auf den Plan, der sich mächtig Luft machte: „Da werden Spielerinnen anderer Vereine abgeworben und dann stellt man so etwas als Lohn kontinuierlicher Arbeit dar (wie armselig).“

Und genau daran scheiden sich die Geister. Die Stadt Wolfsburg, das ist unumstritten, besitzt keine magische Anziehungskraft. Viele jüngst zum VfL gewechselte Spielerinnen wohnen außerhalb Wolfsburgs oder bleiben als Pendler gleich in Berlin/Potsdam. Also kontinuierliche Aufbauarbeit, erarbeitete Attraktivität innerhalb des Vereins und in der Frauenfußball-Szene? Oder lockt nur der Schotter und muss der VfL auch erstmal beweisen, dass er auch gute Jugendarbeit leisten und aus den Nationalspielerinnen eine funktionierende Einheit machen kann? Trotz der langfristigen Perspektive, für die sich der Werksclub unentwegt rühmt, hat z.B. eine Navina Omilade nur einen Einjahresvertrag unterschrieben, Britta Carlson immerhin bis 2008. Aber bei der Frage, wie denn die Vertragssituation mit den Nationalspielerinnen bei einem möglichen Abstieg aussähe, hält man sich auffallend bedeckt.

Anzeige

Dort verweist man lieber auf die Unzufriedenheit mit der Situation in Potsdam, die viele Spielerinnen in den Schoß des VfL getrieben habe. Eine Einschätzung, die zumindest im Fall der beiden Brasilianerinnen Cristiane und Paula neue Nahrung dadurch erhält, dass Paula in ihrem Rückblick auf die Potsdamer Zeit kein Blatt vor den Mund nimmt (siehe MAZ-Artikel): „Wir hatten viele Probleme mit dem Trainer und der Mannschaft in Potsdam. [..] für uns beide ist Potsdam eine besondere Motivation.“ Der Ärger, dass dafür nun der VfL den Kopf hinhalten muss, ist unüberhörbar.

Aber nicht jeder Wechsel hat den gleichen Hintergrund, und die geografische Nähe zwischen Wolfsburg und Potsdam wird daher ganz bestimmt auch in den kommenden Jahren, so denn der VfL den Klassenerhalt schafft, noch für eine Menge Gesprächsstoff sorgen. Denn mit der vorrangigen Strategie, „fertige“ Nationalspielerinnen einzukaufen, hat sich noch kein Verein beliebt gemacht. Schon gar nicht, solange die Jugendarbeit noch ein Mauerblümchendasein fristet.

Tags: , , , , , , ,