Nationalmannschaft mit viel Schatten und wenig Licht

Von am 16. März 2007 – 18.09 Uhr

Silvia Neid verfolgt das Finale beim Algarve Cup zwischen den USA und DänemarkNein, es gab nun wirklich keine Spielerin in der deutschen Nationalmannschaft, die sich beim Algarve Cup für die kommende Weltfußballerinnen-Wahl der FIFA empfohlen hätte. Die Leistungen waren in der Breite mehr als dürftig. Bundestrainerin Silvia Neid wird deshalb auch davon absehen, ihren erweiterten WM-Kader im Anschluss an die Portugal-Reise zu verkleinern. Das war ursprünglich geplant, ist nun aber mangels positiver Erkenntnisse hinfällig geworden, auch wenn die Zeit zum Einspielen innerhalb der und zwischen den Mannschaftsteilen freilich immer knapper wird. Dennoch, ein paar Namen fallen einem schon ein, sucht man nach den Gewinnern, oder sagen wir lieber: Lichtblicken im Nationalteam.

Zwei dieser Silberstreifen am Horizont, nämlich Melanie Behringer und Anja Mittag, wurden 2004 als U19-Nationalspielerinnen Weltmeisterinnen in Thailand. Trainerin damals: Silvia Neid. Nun, drei Jahre sind vergangen, bewegt sich das Nominierungspendel recht schwungvoll in Richtung der beiden 21-Jährigen. Mittags Chancen, an der Seite von Spielführerin Birgit Prinz in China im Sturm aufzulaufen, sind nach den vier Spielen in Portugal sicherlich nicht gesunken. Ihre Konkurrentinnen, die sich in dieser Rolle versuchen durften – Sandra Smisek und Martina Müller – jedenfalls, stach sie deutlich aus. Behringer empfahl sich als schussstarke Allzweckwaffe im Mittelfeld. Beim insgesamt desolaten Auftritt gegen Italien war es die Freiburgerin, über die die meisten Angriffe gingen.

Peter empfiehlt sich mit Nachdruck

Anzeige

Babett Peter bei einem Einwurf im Spiel gegen Italien am 14. März 2007Drei Jahre jünger und im vergangenen Jahr unter Neids Nachfolgerin Maren Meinert U19-Europameisterin geworden, ist die Potsdamer Senkrechtstarterin Babett Peter. Zur Winterpause 2005/2006 war sie erst von Lok Leipzig zu Turbine gewechselt und unterstrich nun schon zum wiederholten Male nachdrücklich ihre Fähigkeiten als Alternative zur derzeit verletzten Sandra Minnert auf der linken Abwehrseite. Wenn alle Stricke reißen, dann weiß sie auch als Innenverteidigerin ihre Sache sehr ordentlich zu machen.

Hinter der kreuzbandverletzten Stammtorfrau Silke Rottenberg und der gleich starken, beim Algarve Cup aber beruflich verhinderten Nadine Angerer folgt momentan als klare Nummer drei im deutschen Kasten die Frankfurterin Uschi Holl. Sie machte in ihren beiden Spielen gegen Frankreich und Dänemark zwar auch keinen durchweg sicheren Eindruck, agiert aber wesentlich ruhiger und souveräner als die international noch unerfahrene – kann ja noch kommen! – Wolfsburgerin Stephanie Ullrich. Dazu kommt: durch die langwierige Verletzung von Rottenberg kommt Holl auch im Verein zum Zuge, um die nötige Spielpraxis vorweisen zu können.

Abwehr als Achillesferse

Bis auf die bereits genannte Peter war die gesamte deutsche Abwehr ein kompletter Ausfall. Ob Ariane Hingst und Annike Krahn, Hingst und Steffi Jones oder Jones und Krahn in der Innenverteidigung: die Unsicherheiten blieben die gleichen. Auch die sonst so solide Kerstin Stegemann griff ihre Gegenspielerinnen, wie etwa gegen Frankreich beim Gegentreffer, oftmals nur zu zaghaft an.

Was der Mannschaft zum Nachteil gereicht, schadet den einzelnen Spielerinnen hinsichtlich ihrer WM-Chancen jedoch nur bedingt. Sie nahmen sich da ja nichts. Und z. B. bei einer erfahrenen Spielerin wie Ariane Hingst ist die Hoffnung angebracht, dass die 27-Jährige fern der schwierigen Potsdamer Situation, wenn sie ab dem 1. April für Djurgarden Stockholm die Fußballschuhe schnürt, wieder zu alter Sicherheit zurück findet.

Anders im Angriff, denn dort bestätigte die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz, die in allen vier Spielen zu den besten Akteurinnen gehörte, ihre Spitzenposition. Während neben ihr Mittag am ehesten überzeugen konnte, können sich hinter diesen beiden vermutlich vor allem die nicht in Portugal Anwesenden wie Conny Pohlers oder Inka Grings Hoffnungen machen. Oder Silvia Neid schenkt Petra Wimbersky, die an der Algarve nur im Mittelfeld zum Einsatz kam, mal als Sturmspitze das Vertrauen. Auf der Position nämlich, auf der sie mit Prinz schon aus dem Verein eingespielt ist.

Erfahrung oder jugendliche Unbekümmertheit?

Célia Okoyino da MbabiBleibt noch das Mittelfeld, und das ist derzeit einfach das…naja, es kommt hier eben zum Schluss meines Resümees. Weil sowohl und vor allem Renate Lingor, aber auch Britta Carlson – die beiden zentralen Mittelfeldspielerinnen bei der EM 2005 – mehrfach vom Verletzungspech verfolgt waren, konnte sich hier nie ein festes System herausbilden.

Formschwachen Leistungsträgerinnen wie Lingor und Carlson oder auch Navina Omilade, die im Nationalteam einfach nicht zur Entfaltung kommt, erschwert das natürlich die Abstimmung in beträchtlichem Maße. Die junge Célia Okoyino da Mbabi wusste da noch am meisten zu gefallen, so dass Silvia Neid nun vor der schweren Entscheidung steht, entweder den arrivierten Kräften noch Zeit zu geben oder aber ein stabiles System um eine hungrige Spielerin wie da Mbabi aufzubauen und dieser damit großes Vertrauen auszusprechen.

Was wiederum bei der einen zur brutalen Motivation und bei der anderen zur Belastung werden kann. Klar aber ist: ein festes Spielsystem – zwei defensive Kräfte oder eine offensive und eine defensive Spielerin? – fehlt ebenso, wie die personelle Besetzung in den Sternen steht. Einen Königsweg gibt es freilich nicht. Aber Silvia Neid muss ihre Entscheidung auf dieser wie auf anderen Baustellen möglichst bald treffen, damit sich ihre Spielerinnen darauf einstellen können. Sonst bleibt nur ein Trampelpfad übrig.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,