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USA das Maß aller Dinge

Von am 14. März 2007 – 21.25 Uhr

lilly_algarve_win.jpgDurch ein souverän herausgespieltes 2:0 (1:0) gegen Dänemark haben die USA ihren fünften Titel bei der 14. Auflage des Algarve Cup eingefahren. Kristine Lilly (14.) und Carli Lloyd (52.) waren für die US-Girls erfolgreich. Athletisch den Gegnern deutlich überlegen, spielerisch sehr gut aufeinander abgestimmt und torgefährlich auch aus größerer Distanz, untermauerte die Mannschaft von Greg Ryan ihren Anspruch, bei der WM in China im September als Topfavorit an den Start zu gehen. Trotz der geschlossen starken Mannschaftsleistung – die Ersatzspielerinnen fügen sich nathlos ein – ragt derzeit sogar noch eine Spielerin heraus: Kristine Lilly (Foto) – Kapitän, Denkerin und Lenkerin ihrer Mannschaft. Sie ist aktuell neben der Brasilianerin Marta die vermutlich am besten aufgelegte und technisch beschlagenste Fußballerin weltweit. Ein Augenschmaus, ihr bei ihren Raffinessen zuzusehen. Und eine Strategin, um die die Konkurrenz das US-Team nur beneiden kann.

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Zu keiner Minute konnte man heute als Beobachter des Finalspiels den Eindruck haben, die USA würden sich diesen Sieg nehmen lassen. Von Beginn an waren sie präsent, drängten die Skandinavierinnen mit ihrer spielerischen Klasse und physischen Präsenz sofort in die eigene Hälfte, hatten zahlreiche Möglichkeiten, ihre Führung rasch auszubauen. Auf der Gegenseite ließen sie kaum gefährliche Chancen zu. Obwohl am Ende „nur“ ein 2:0 plus einem zu Unrecht nicht gegebenen Abseitstor durch Lindsay Tarpley stand, machte der Olympiasieger nie den Eindruck, im Falle des Falles nicht noch einen oder mehrere Gänge hochschalten zu können. Auch der Einsatz der angeschlagenen Cathrine Paaske Sörensen, Kathrine S. Pedersen und Merete Pedersen hätte vermutlich lediglich Ergebniskosmetik ermöglicht. Wenn bei den USA, die sich über Monate hinweg gemeinsam bei Trainingslagern in Carson und in zahlreichen Testspielen auf die WM vorbereiten, nicht der Lagerkoller ausbrechen sollte, dann haben die anderen Favoriten, so viel ist seit Portugal klar, noch einen riesigen Batzen Aufholarbeit vor sich.

Nimmt man die aktuellen Eindrücke – aber das alles wandelt sich rasend schnell, oder erinnert sich noch jemand daran, wie China im Januar England schwindlig spielte und auf dem besten Wege schien, während sie an der Algarve auf Platz 10 strandeten? -, scheinen die Schwedinnen von Thomas Dennerby am ehesten auf Tuchfühlung zum neuen Algarve-Champion gehen zu können. Sie waren dem US-Team am Montag zwar auch klarer unterlegen, als es das Ergebnis (2:3) aussagt, doch sie überzeugten mit auffallend guter Physis und konnten vor allem gegen Spielende nochmal wirkungsvoll Druck ausüben. So gelang ihnen auch heute im Spiel um Platz drei gegen die Auswahl Frankreichs ein ungefährdeter 3:1-Sieg durch Tore von Josefine Öqvist (17.), Victoria Svensson (45.) und Sara Johansson (47.)

Schwer einzuschätzen ist die Spielstärke bei den beiden letzten am Algarve Cup beteiligten europäischen WM-Teilnehmern: Norwegen und Dänemark (England fährt als fünftes europäisches Team nach China). Dänemark überzeugte gegen Frankreich, als sie gegen eine allerdings völlig indisponierte französische Equipe ein deutliches 4:0 erreichten, und behielt zwei Tage später auch gegen Norwegen mit 1:0 die Oberhand. Ersatzgeschwächt durch die Ausfälle von Merete Pedersen, Cathrine Paaske Sörensen und Abwehrchefin Kathrine S. Pedersen, waren die Leistungen gegen Deutschland (0:3) und die USA dann hingegen eher dürftig. Norwegen ließ dem 2:1 gegen Deutschland lediglich das heutige 2:0 gegen Finnland durch Melissa Wiik (55.) und Lene Storløkken (90.) folgen, verlor aber überraschend gegen Frankreich und Dänemark und verzichtete auf einige Stammspielerinnen.

Was zeigt das alles? Zwischen dem Großteil der Mannschaften, die USA ausgenommen, ist das Rennen absolut offen. Viele Ergebnisse beim Algarve Cup, sicherlich auch der Testphase geschuldet, endeten anders, als es die Papierform und die bisherigen Eindrücke des Jahres 2007 vermuten ließen. Die Konkurrenten liegen dichter beieinander, was für eine Weltmeisterschaft, die von Spannung und unvorhersehbaren Ergebnissen lebt, nicht die schlechteste Basis wäre. Nur um dieses US-Team, das gewappnet scheint, auch personelle Ausfälle mühelos zu kompensieren, in Bedrängnis zu bringen, da fehlt noch ein großes Stück.

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