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Liefert der Algarve Cup wirklich Erhellendes für die WM?

Von am 6. März 2007 – 17.37 Uhr

Ab morgen treffen sich wie nun schon seit 1994 in schöner Tradition einige der weltweit besten Teams für eine Woche im nicht gerade als Frauenfußball-Eldorado bekannten Portugal, um beim Algarve Cup den Frühlingsbesten zu ermitteln (Spielplan des Algarve Cup). Im Jahr von Weltmeisterschaften genießt das Turnier in Allgemeinen einen besonderen Stellenwert. Gleich sechs WM-Teilnehmer – Deutschland, Norwegen, China, Schweden, USA und Dänemark sind am Start.

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Dabei war das Turnier in der Vergangenheit nicht gerade ein aufschlussreicher Indikator für das spätere WM-Abschneiden. So gewann etwa Schweden 1995, um dann bei der WM im eigenen Land bereits im Viertelfinale den Kürzeren zu ziehen, während der Drittplatzierte Norwegen die WM gewann. 1999 verloren die USA in Portugal gegen China, bei der WM im eigenen Land wurde man dann viel umjubelter Weltmeister. 2003 gewannen die USA den Algarve Cup und schieden dann bei der WM im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Deutschland aus, der damals gar nicht in Portugal teilgenommen hatte.

So gesehen werden wir die Ergebnisse sicher nicht überbewerten, uns aber trotzdem an hochkarätigem Frauenfußball erfreuen, der dankenswerterweise auch noch reichhaltig im Fernsehen auf Eurosport übertragen wird (TV-Fahrplan).

Wie im Vorjahr gehören Deutschland und die USA sicherlich zu den heißesten Titelanwärtern. Womensoccer.de wirft einen Blick auf die beiden Top-Gruppen.

Gruppe A: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Frankreich

So manch einer mag sich in Anlehnung an den früheren ZDF-Kommentator Bruno Moravetz fragen „Wo ist Pohlers?“. Dass die Noch-Potsdamerin und bald Wahl-Frankfurterin an der Algarve fehlt, hat nicht nur bei der Spielerin selbst für Stirnrunzeln gesorgt. „Ihre Entscheidung akzeptiere ich“, kommentierte Neid kürzlich etwas unterkühlt den Vereinswechsel. Doch der WM-Zug ist für Pohlers sicherlich noch nicht abgefahren, mit konstanten Leistungen bei Turbine kann sie sich wieder in den Vordergrund spielen.

Auch andere Nationen warten mit Überraschungen im Kader auf. So leistet sich Norwegens Trainer Bjarne Berntsen den Luxus, gleich auf sechs Spielerinnen zu verzichten, die noch im Trainingslager auf Zypern im Februar mit dabei waren. Die Begeisterung über die Nicht-Nominierung hält sich bei Unni Lehn in Grenzen, bei Lisa Klaveness dürfte es nicht anders aussehen. Laut Berntsen ist diese „Strategie“ aber bereits im November 2006 festgelegt worden.

Die Däninnen wollen die schmerzlichen Niederlagen aus dem Vorjahr vergessen machen, als es deftige Klatschen gegen die USA (0:5) und China (0:6) gab. „Der Algarve Cup wird ein richtig gutes Trainingsturnier für uns“, freut sich Kenneth Heiner-Møller, der den Youngsters Line Røddik und Camilla Sand nach ihrer guten Leistung beim Peace Queen Cup in Südkorea erneut das Vertrauen ausspricht.

Frankreichs neuer Trainer Bruno Bini hofft nach dem zufrieden stellenden 2:0-Sieg im Testspiel gegen China darauf, dass sein Team weiteres Selbstvertrauen tankt. Denn schon Mitte April steht das erste EM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland auf dem Programm. In Portugal sollen möglichst viele Spielerinnen Einsatzzeiten erhalten.

Gruppe B: USA, China, Schweden, Finnland

Die USA wollen auch in den Spielen 35 bis 38 unter Trainer Greg Ryan weiter ohne Niederlage bleiben. Mit dabei ist erstmals seit Mai 2006 nach ihrer schweren Kreuzbandverletzung auch wieder Shannox Boxx. Das Algarve-Team weist eine geballte Ladung Erfahrung auf, 71 Länderspiele hat jede Spielerin im Schnitt bereits bestritten.

Schweden wird in Portugal schmerzlich die verletzte Top-Stürmerin Hanna Ljungberg vermissen, die ihre Bedeutung für das Team mit 10 Toren in nur 5 WM-Qualifikationsspielen eindrucksvoll untermauert hat. Man darf gespannt sein, in welcher Form sich das Team nach den durchwachsenen Auftritten gegen Japan (2:2) und Schottland (1:0) auf Zypern präsentieren und man den Rücktritt von Mittelfeld-Lenkerin Malin Moström kompensieren wird.

Für Finnlands Trainer Michael Käld geht es einzig und allein darum, dass seine Spielerinnen im Duell mit drei Topteams weitere Erfahrungen auf internationalem Parkett sammeln können. Der Blick ist bereits fest auf die Europameisterschaft 2009 im eigenen Land ausgerichtet.

Unruhe im Lager der Chinesinnen

Ein etwas konfuses Bild gibt ein halbes Jahr vor der WM Gastgeber China ab. War das 0:2 gegen Frankreich noch keine große Überraschung, so denn doch Niederlage in gleicher Höhe gegen das noch in der Vorbereitung auf die neue Saison stehende Djurgården aus Stockholm. Gleich mehrere Brandherde sorgen im Team von Interimstrainer Wang Haiming, der sich mit einem guten Abschneiden den Cheftrainerposten sichern will, für Unruhe.

Zum einen der Rauswurf des früheren Trainers Ma Liangxing, der unter dem zunehmenden Druck des chinesischen Verbands vor dem Vier-Nationen-Turnier im Januar das Weite gesucht hatte und dabei gesundheitliche Probleme vorspielte. Zum anderen die hoch talentierte, aber eigenwillige Ma Xiaoxu, die im Team wegen ihrer naiven und undiplomatischen Art als Außenseiterin gilt und die CFA-Offiziellen schon des Öfteren zur Weißglut getrieben hat.

Eigenmächtig verzichtet sie auf die Teilnahme in Portugal, um sich an Schweden zu gewöhnen, wo sie demnächst für Umeå IK spielen soll. Der schnelle Erfolg des vergangenen Jahres scheint den 19-jährigen Teenager darüber hinaus ein wenig den Kopf verdreht zu haben.

Ab 12. März berichtet Womensoccer.de live vor Ort von der Algarve, wenn die abschließenden Gruppenspiele und zwei Tage später die Finalspiele auf dem Programm stehen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.