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Wycombe statt Wembley

Von am 4. März 2007 – 16.02 Uhr

Am kommenden Sonntag trifft die englische Frauenfußball-Nationalmannschaft in einem WM-Vorbereitungsspiel auf den Erzrivalen aus Schottland. Vor maximal 10.000 Zuschauern im Adams Park, der Heimstätte der Wycombe Wanderers. „Ich habe keinen Zweifel, dass die Atmosphäre für ein erinnerungswürdiges Spiel sorgen wird“, sagt deren Manager Paul Lambert über das prestigeträchtige Duell. Wie Salz in die offene Wunde muss diese Aussage den Engländerinnen vorkommen, denn das Spiel sollte ursprünglich vor 60.000 Zuschauern ausgetragen werden, zur glanzvollen und feierlichen Eröffnung des neuen Wembley-Stadions. Doch daraus wird nun nichts.

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Denn das für den Stadionbau verantwortliche australische Unternehmen Multiplex konnte peinlicherweise nun schon zum wiederholten Male (z. B. „Wembley Stadium not finished this year“, „Further delays likely at new £757 million Wembley“ oder „Wembley ‚will not open until 2007′“) die Zeitvorgaben nicht einhalten, der englische Fußballverband FA musste die Eröffnung des Stadions auf unbestimmte Zeit verschieben. Dabei hätte das neue Wembley-Stadion nach ursprünglicher Planung bereits 2004 den Betrieb aufnehmen sollen, doch im Pleiten-, Pech- und Pannenregister war vom teilweisen Dacheinsturz bis zu Problemen mit den Abwasserrohren und Streit mit Sublizenznehmern bisher alles vorhanden. Die Baukosten inklusive Landerschließung betragen gigantische 800 Millionen Pfund (knapp 1,2 Mrd. Euro), dreimal mehr, als ursprünglich veranschlagt.

Was als der „größte Tag in Englands Frauenfußball“ in die Geschichte eingehen sollte, mit einem gut gefüllten neuen Stadion, einer Live-Übertragung im Fernsehen und weltweiten Schlagzeilen in den Medien, ist zur Farce verkommen.

Vorbei die Chance, ein breites Publikum darauf aufmerksam zu machen, welche tollen Fortschritte der Frauenfußball in England in den vergangenen Jahren gemacht hat. Im September wird das Team erst zum zweiten Mal nach 1995 an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, die Arsenal-Frauen stehen gar als erste englische Mannschaft im diesjährigen UEFA-Cup-Finale gegen Umeå.

Bleibt zu hoffen, dass es London wenigstens gelingen wird, das neue Olympiastadion rechtzeitig zu den Olympischen Spielen im Jahr 2012 zu errichten. Oder muss dann die Eröffnungsfeier etwa auch auf unbestimmte Zeit verschoben werden?

Der britische Buchmacher William Hill hat nach dem Wembley-Fiasko zumindest schon einmal die Quote gesenkt, dass auch der Bau des Olympiastadions in Verzug geraten könnte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.