Die Aussage des Tages

Von am 3. März 2007 – 14.02 Uhr 3 Kommentare

Stimmt, eine so betitelte Kategorie gibt es bei uns nicht. Und wir haben in dieser Woche auch schon unter der Überschrift „Quo vadis Turbine Potsdam?“ über den brandenburgischen Vorzeigeclub berichtet. Aber ich kann jetzt nicht anders, denn eben habe ich eine Aussage der Potsdamer Torfrau Nadine Angerer gelesen, die mich wirklich beeindruckt hat.

„Es ist kein guter Charakterzug, das sinkende Schiff zu verlassen. Natürlich macht man sich Gedanken, wenn fast alle gehen. Doch ich habe mit Turbine viele Erfolge gefeiert, das darf man nicht von heute auf morgen vergessen“, fand sie gegenüber der Märkischen Allgemeinen deutliche Worte. Bumms, das sitzt! Und sie zeigt damit zweifellos Größe. Ich habe das also gelesen und mir überlegt, ob ich das bringe. Nach längerem Überlegen habe ich mich dafür entschieden. Obwohl das irgendwie traurig ist, denn es zeigt: diese Einstellung ist eine Seltenheit geworden.

Sie passt aber auch zu Bernd Schröder, denn der sagte jüngst den Potsdamer Neuesten Nachrichten, der Frauenfußball brauche „eine Gegenphilosophie zum Männerfußball. Es kann nicht nur um Angebot und Nachfrage gehen.“ „Fernab der Realität!“, werden einige einwenden. Sie haben nicht Unrecht, starke Spielerinnen sind immer begehrt und man muss ihnen regelmäßig zeigen, dass man sie braucht. Mit den Gesetzen des Marktes, die auch im Frauenfußball stetig an Bedeutung gewinnen, ist diese Einstellung nicht vereinbar. Diese Entwicklung geht mit dem Werben um mehr Medienaufmerksamkeit und mehr Zuschauer einher.

Und doch hat Schröders Position ihren Wert. Und auch Angerer hat Recht, wenn sie anmerkt, dass, „wenn Jenny Zietz und Babett Peter bleiben“, Turbine weiterhin eine gute Mannschaft hat, die oben mitspielen kann. Für ganz oben wird das aller Wahrscheinlichkeit nicht reichen, aber immer noch zu einer Platzierung in Reichweite der Tabellenspitze. Wenn, ja wenn der Aderlass (Ariane Hingst nimmt Angerer aus ihrer Kritik übrigens ausdrücklich aus) jetzt gestoppt werden kann. Ich persönlich kann Angerer bei ihren Bemühungen nur viel Erfolg wünschen.

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3 Kommentare »

  • Christian sagt:

    Ich halte die Aussage von Nadine Angerer – vorsichtig ausgedrückt – für unglücklich.
    Zum einen vergleicht sie ihr Team mit einem sinkenden Schiff. Das dürfte sowohl übertrieben als auch wenig werbewirksam sein.
    Zum zweiten äußert sie sich in pauschalierender Weise negativ über ihre Mannschaftskolleginnen, die den Verein verlassen. Natürlich haben diese Spielerinnen Turbine viel zu verdanken – aber auch umgekehrt, der Verein diesen Aktiven! Und wenn es z.B. stimmt, daß Schröder mit Conny Pohlers nicht mehr langfristig planen wollte und ihr kein neues Angebot für eine Vertragsverlängerung über den 30. Juni 2007 vorgelegt wurde (so steht es in der PNN , was sollte sie dann motivieren in Potsdam zu bleiben?
    Und dann hat Angerer auch etwas leicht reden, muß sie doch weder um ihren Platz zwischen den Pfosten bei Turbine fürchten, noch um ihre Nominierung für die WM.
    Daß Nadze mit und für Turbine Kämpfen will, den Klub wieder nach oben bringen will, das gefällt mir. Ich halte es aber nicht für angebracht sich über den Charakter anderer Spielerinnen auszulassen.

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  • Ich habe die Aussage von Nadine Angerer losgelöst von jeglicher Werbewirksamkeit betrachtet. Ich verstehe sie viel mehr als Weckruf an ihre Teamkolleginnen, die derzeit mit einem Wechsel liebäugeln. Bei der Presse, die Turbine Potsdam derzeit bekommt (Zerfall usw.), halte ich diese Aussage jedenfalls nicht für schädlich, wenngleich nicht werbewirksam.

    Zweitens ist es ziemlich einhellige Meinung in den Berichten der letzten Tage, dass der Weggang zahlreicher Spielerinnen in Versäumnissen von Trainer Bernd Schröder begründet liegt. Ich möchte dies nicht bewerten. Den wechselnden Spielerinnen erspart diese Darstellung jedenfalls einige kritische Nachfragen. Wenn nun eine Spielerin den Eindruck haben sollte, diese Darstellung sei verzerrt und belaste einseitig eine Person, dann halte ich es für legitim, unzweideutig Stellung zu beziehen.

    Drittens hat auch Nadine Angerer meines Erachtens nicht ganz so leicht reden. Schließlich hat sie durch die Verletzung Silke Rottenbergs derzeit die große Chance, es Bundestrainerin Silvia Neid möglichst schwer zu machen, Rottenberg nach ihrer Rückkehr wieder zur Nummer eins zu befördern. Dass Angerer bei diesem Unterfangen nur noch in einem Wettbewerb spielt und auch in der kommenden Saison keine Perspektive auf internationalen Fußball auf Vereinsebene hat, ist dabei nicht unbedingt hilfreich.

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  • Tom Schlimme sagt:

    Nadine Angerer erlebt als Torhüterin ein anderes Training als die Spielerinnen. Ein Kritikpunkt an Schröder war ja, dass das Training eher für Leichtathleten geeignet sei, als für Fußballerinnen. Dies dürfte die Torhüterinnen nicht tangieren.

    Bezeichnend finde ich auch, wie sich Schröder nach Bekanntwerden von Wechseln über Spielerinnen äußert. Da ist nicht nur das Nachtreten gegen Petra Wimbersky, noch auffälliger finde ich Schröders Behauptung, Britta Carlson hätte sportlich so abgebaut, dass sie es nächste Saison sowieso nicht in die ersten Elf geschafft hätte. Also bitte, was soll das denn, Britta war verletzt, hat ihre Zeit gebraucht, sich wieder ranzuarbeiten, und ist nach wie vor Nationalspielerin.

    Bei Cristiane hat er ja zugegeben, sie „anfangs“ falsch angefasst zu haben, daraus hätte er für die Zukunft gelernt.

    Insgesamt gibt es nun wirklich genug Anhaltspunkte dafür, dass der Weggang der Spielerinnen sehr wohl mit der Person Schröder zu tun hat, und das als charakterlos abzutun, finde ich nun wieder nicht okay. Umgekehrt möchte ich auch nicht als charakterlos bezeichnen, wenn man Schröder einfach so machen läßt, das wäre nämlich wirklich die logische Umkehrung.

    Mich erinnert die Situation sehr an das Ende von Monika Staab als Trainerin beim FFC Frankfurt. Auch damals paarte sich Erfolgslosigkeit mit Ärger zwischen den meisten Spielerinnen und der Trainerin, und heute sehe ich es so, dass die Mannschaft zerfallen wäre, wenn Monika Staab Trainerin geblieben wäre. Genau wie Schröder in Potsdam, hatte auch Staab den Verein maßgeblich aufgebaut, die Mannschaft war ihr Werk. Doch der Punkt war erreicht, wo es nicht mehr weiterging, und Staab hatte die Größe – oder wurde so massiv dazu gedrängt, ich weiß es nicht – die Konsequenz aus der Situation zu ziehen und einem neuen Trainer Platz zu machen. Nächste Saison wurde Frankfurt wieder Meister…

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