Probleme mit den Nullen

Von am 2. März 2007 – 16.54 Uhr 1 Kommentar

Ich muss zugeben, ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich gestern die DFB-Meldung mit den Eckdaten zur WM-Bewerbung 2011 gelesen habe. Per Videobotschaft ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) da mitteilen, man hoffe „dass es gelingt, wieder Millionen Fans nach Deutschland zu holen, die sich an gutem Fußball der Frauen erfreuen können.“ Millionen? Pardon, Frau Kanzlerin, der Anspruch ist nett, aber ein bisschen realistischer und dennoch forsch hätte es schon sein können. Wie will man denn jetzt noch zufrieden Bilanz ziehen können, wenn es – und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche – weniger werden? Eine fünfstellige Gästezahl wäre sicher schon ein Erfolg, Merkels Ziel liegt gut und gerne zwei Nullen zu hoch. Aber so ist das vielleicht mit den Nullen, wenn man ständig in Berlin… Aber gut, lassen wir das und wenden uns konkret der Bewerbung zu, die in Anspielung an das Motto der Männer-WM („Die Welt zu Gast bei Freunden – Time to make friends“) unter dem Slogan „Wiedersehen bei Freunden – See you again“ firmiert. Originell sieht aber auch hier wahrscheinlich anders aus.

Wenn man sich die Bewerbungsbroschüre, die auf der DFB-Homepage zum Download verfügbar ist, so anschaut, ist man schon irgendwie froh, dass die Konkurrenz, die aus Kanada, Frankreich, Australien, Peru und der Schweiz droht, so riesig dann vielleicht doch nicht ist. Sichtbar wird: der DFB ist bereit, einiges zu investieren. Das offizielle Bewerbungskomitee ist prominent und hochkarätig besetzt, auch die Löw-Truppe hat sich mit den Frauen ablichten lassen. Praktisch, trifft man sich doch wenigstens so mal persönlich. 😉

11 Gründe, und keiner weniger

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Doch dann folgt etwas, ohne das mittlerweile anscheinend keine Bewerbung oder kein Portfolio mehr das Papier wert ist. 11 „knackige“ Gründe präsentiert der DFB, warum an einer WM in Deutschland kein Weg vorbei führt. Schlagwortartig und – wie so oft, man kennt das von Wahlplakaten – mit viel heißer Luft. „1. Deutschland als Land des Frauenfußballs mit einer einzigartigen Erfolgsgeschichte“, „7. Bundesliga als Heimat der Nationen“ und „11. Malerische Städte, moderne Stadien“ kann ich sofort abnicken. Es gibt wahrlich viel, womit der deutsche Frauenfußball wuchern kann.

Doch dann: „3. Deutschland ist bunt – Internationalität und gelebte Integration als prägende Merkmale“. Geschmackssache. Wer sich mit dem Problem rechtsextremer Gewalttaten befasst, kann das auch als zynisch empfinden. Wenn es um die Sportler geht, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist das natürlich alles viel einfacher und strahlt alles in positivem Glanz. Aber ein internationales Sportereignis, und das wiederum kann einen wieder versöhnlich stimmen, ist gewiss nicht die schlechteste Gelegenheit, Vorurteile abzubauen. Vielleicht ja auch wieder einige, mit denen der Frauenfußball nach wie vor zu kämpfen hat.

Wie groß ist die Zustimmung im Land wirklich?

Deshalb legen sich mir auch Falten auf die Stirn, wenn ich „5. Breite Zustimmung im ganzen Land“ lese. Worauf gründet sich denn diese Vermutung? Ja, die Frauen-Nationalmannschaft ist auf der Beliebtheitsskala nicht schlecht platziert, aber mal ehrlich, wie viel Prozent der Deutschen mögen derzeit denn überhaupt von der Bewerbung wissen? Aber gut, das kann sich ja noch entwickeln. Auf die Begeisterungsfähigkeit des deutschen Sportpublikums, das hat zuletzt auch die Handball-WM wieder bewiesen, lässt sich bauen. Weiter geht’s: „6. Exportschlager Miss Germany“? Bitte wie? Man muss schon die Broschüre lesen, um zu verstehen, dass es hier nicht ums Modeln geht, sondern um deutsche Spielerinnen im Ausland. Na gut, da hat man halt was zusammengekratzt, um auf elf Punkte zu kommen, dünkt es mir. Denn so außergewöhnlich viele Deutsche sind nicht im Ausland aktiv.

Spätestens jetzt ist mir klar, dass ich wieder einmal den Fehler gemacht habe, eine Marketingbroschüre zu lesen (ich gebe zu, die aus den anderen fünf Ländern kenne ich [noch] nicht). Und ich habe die leise Hoffnung, dass der Einfluss derartiger Ergüsse auf die Entscheidung des Fußballweltverbands eher zu vernachlässigen ist. Deutlich bedeutender dürfte das große Interesse an der Ausrichtung von WM-Spielen in ganz Deutschland sein. Gleich 24 Städte haben ihren Hut in den Ring geworfen und sehen bei erfolgreicher Bewerbung Chancen für einen Imagegewinn und einen Schub für den Frauenfußball in ihrer Region. Dass an so manchen Stadien das ein oder andere Schräubchen mehr angelegt werden könnte, dürfte da auch nicht hinderlich sein…

In vier Jahren würde ich mich gerne entschuldigen

Hoffen wir also, dass der Bauplan des DFB die FIFA wird überzeugen können. Denn man weiß nie, welche Dynamik – siehe erneut die Handball-WM – sich während eines Turniers entwickelt. Das in vier Jahren in Deutschland zu erleben, wäre einfach großartig. Nur allzu viele Nullen sollten es dann nicht sein, schließlich sind Tore und volle Stadien das Salz in der Suppe. Und sollte Merkel sensationeller Weise mit ihrer Million doch Recht behalten, nehme ich meine Kritik gerne zurück. Wie immer.

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1 Kommentar »

  • Frank sagt:

    zu Punkt fünf, kann ich auch nur schmunzeln, bevor das ganze Land seine Zustimmung geben kann, müsste es erst mal das ganze Land wissen und davon kann nun wirklich nicht die Rede sein.
    Trotzdem hoffe ich, dass wir 2011 wieder eine WM in Deutschland feiern können.

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1 Pingbacks »

  • Wiedersehen bei Freunden » Allgemein » Fussball WM 2011 sagt:

    […] Jahre 2006, wird die Fußball WM der Frauen 2011 erneut in Deutschland unter dem Motto “Wiedersehen bei Freunden” (in Anlehnung an das Motto der Herren-WM “Zu Gast bei Freunden”) ausgetragen.Nach dem souveränen Sieg der deutschen Fußball-Frauen bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in China, ist dies eine besondere Anerkennung für die großartigen Leistungen im deutschen Frauenfußball. Einziger Mitbewerber um die WM 2011 war Kanada. Auch entschieden wurde heute über den Austragungsort für die Herren-WM 2014. Wie erwartet erhielt Brasilien als einziger Bewerber den Zuschlag. […]