Mayer-Vorfelder als Lobbyist für Zwanziger?

Von am 1. März 2007 – 0.51 Uhr

Wenn es beim heutigen Fußball-Gipfel in Berlin gilt, einen Schlussstrich unter die Männer-WM im vergangenen Jahr zu ziehen und „Logo, Slogan, Zeitplan und viele Fakten für die Bewerbung zur FIFA Frauen-WM 2011 publik zu machen“ (Zitat DFB-Meldung), dann dürfen wir sicherlich einige interessante Neuigkeiten erwarten und uns auf eine konkreter abgesteckte Planung freuen. Wesentlich interessanter jedoch dürfte das sein, was im Verborgenen geschieht, wenn DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und seine ehemals bessere Hälfte an der DFB-Doppelspitze, der jetzige UEFA-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, sich wieder einmal zu arrangieren versuchen werden. Wie gut das gelingt, ist nicht zuletzt für den deutschen Frauenfußball von enormer Bedeutung.

Denn die Ausgangssituation vor der entscheidenden Phase für die Vergabe der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2007 (Entscheidung am 31. August 2007) ist durchaus pikant. Neben Deutschland haben bekanntlich Kanada und Frankreich ihr Interesse bekundet. Da in Europa erst eine der fünf Weltmeisterschaften ausgetragen wurde, hat Kanada eher schlechte Karten. Bleibt also noch Frankreich. Dort ist man sich zwar verbandsintern uneinig und hatte kürzlich mit dem Trainerwechsel von Elisabeth Loisel zu Bruno Bini einige Turbulenzen zu bewältigen. Doch wenn die Franzosen Ernst machen sollten, dann rückt das eher gespaltene Verhältnis zwischen Zwanziger und „MV“ unweigerlich in den Fokus.

Zwanziger votierte gegen den Franzosen Platini, zu dessen Vertrauten Mayer-Vorfelder zählt

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Warum? Nun, Ende Januar wurde in Düsseldorf der neue UEFA-Präsident gewählt. Beworben hatten sich Lennart Johansson aus Schweden und Michel Platini aus – Achtung! – Frankreich. Theo Zwanziger machte keinen Hehl aus seiner Unterstützung für Amtsinhaber Johansson. Mayer-Vorfelder hingegen gilt – wie übrigens auch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter – als enger Vertrauter des ehemaligen französischen Weltklassespielers. Bleiben Deutschland und Frankreich als einzige ernsthafte Konkurrenten übrig, könnte Mayer-Vorfelder zwischen den Stühlen sitzen.

Dass Solidarität mit dem deutschen Frauenfußball eine gewichtige Rolle spielen könnte, ist kaum zu erwarten. Das Verhältnis des 74-Jährigen zum Frauenfußball lässt sich als eher kühl beschreiben. „Noch 2003 etwa musste der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder erst von seiner Tochter in einem Telefongespräch kurzfristig davon überzeugt werden, zum WM-Finale in die USA zu reisen“, schrieb Womensoccer-Herausgeber Markus Juchem kürzlich an gleicher Stelle.

Der Knackpunkt für die Bewerbung!?

Also Lobbyarbeit für den DFB, als dessen Vertreter er sich noch immer sieht? Für Zwanziger? Die Frauen-WM zumindest ist einer der Gründe, warum sich der DFB heute bemühen wird, die Wogen zu glätten und nicht zuletzt über Mayer-Vorfelder den Draht zu Platini zu verbessern. In welche Richtung hier der Weg weisen wird, könnte am Ende der Knackpunkt sein, von dem abhängt, ob die Konzepte, die in wenigen Stunden vorgestellt werden, zur Umsetzung kommen.

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